Solidarität mit den Nebenwidersprüchen in Nikaragua!

14 Sept

Schwule haben bekannter maßen vor allem in islamischen Ländern damit zu rechnen, dass sie aufgrund gleichgeschlechtlicher sexueller Betätigung mit strafrechtlichen Mitteln verfolgt werden. Katholisch geprägte Länder, wie zum Beispiel Polen, haben nicht selten ebenfalls Politiker in Regierungsfunktionen zu bieten, die vieles unternehmen, um Schwulen das Leben schwer zu machen. Eines dieser katholisch geprägten Länder ist zugleich ein ehemaliges Lieblings-Solidaritätsobjekt europäischer Linker: Nikaragua. Dessen derzeit wieder mal amtierender Präsident Daniel Ortega von der Nationalen Befreiungs Front bat vor drei Jahren ausdrücklich um Vergebung für frühere Maßnahmen gegen die katholische Kirche, die die Sandinisten zu verantworten hatten. Vielleicht ist es ja auch dieser Annäherung an die alles andere als schwulenfreundlich agierende katholische Kirche zu verdanken, dass Nikaragua das einzige spanischsprachige Land ist, das einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Erwachsenen noch strafrechtlich verfolgt. Der LSVD schreibt hierzu:

In dem mittelamerikanischen Land schauen Staat und Justiz den Bürgern unter die Bettdecke, die Privatsphäre von Lesben und Schwulen wird massiv verletzt. Während Chile, Puerto Rico oder Ecuador in den 1990er Jahren antihomosexuelle Strafgesetze tilgten, fügte Nicaragua im Juni 1992 Artikel 204 ins Strafgesetzbuch ein. (…)

Besonders perfide ist: Das Strafgesetzbuch erlaubt sogar die Verfolgung von Personen, die für die Rechte von Homosexuellen eintreten, lesben- und schwulenpolitisch oder in der Gesundheitsaufklärung, etwa der Aids-Präventionsarbeit tätig sind. Es behindert daher die Bildung einer Lesben- und Schwulenbewegung im Land. Artikel 204 ist eine klare Verletzung internationaler Menschenrechtsstandards. Er gehört schleunigst abgeschafft!

Die „Initiative für sexuelle Vielfalt und Menschenrechte in Nicaragua“ kämpft unter dem Dach eines Netzwerks von bürgerrechts- und menschenrechtspolitischen Organisationen gegen das homophobe Strafrecht. Aufgrund des Strafrechts hat sie keinerlei Aussicht auf legale Anerkennung durch die Behörden.

Für den 13. September hatte der LSVD dazu aufgerufen, Protest-Mails an Ortega zu schreiben, nachdem amnesty international den Tag zum internationalen Aktionstag gegen das homophobe Strafrecht in Nikaragua erklärt hatte. Queer.de schreibt über Ortegas Partei, die

linksgerichteten Sandinisten verurteilen derzeit Homosexualität als dekadent und kapitalistisch

doch immerhin:

es gibt innerhalb der Partei auch Kräfte, die für einen toleranteren Umgang mit Schwulen und Lesben eintreten.

Dann wollen wir mal hoffen, dass sich letztere eines Tages auch durchsetzen können und die Zeiten endlich zu Ende gehen, in denen die Interessen von Schwulen als nebensächlich abgetan werden oder um es in der Sprache der Linken zu sagen, als Nebenwiderspruch. Bisher jedenfalls haben Schwule in Nikaragua von Linken wie von Rechten gleichermaßen vorwiegend eines erlebt: Diskriminierung.

Eine Antwort zu “Solidarität mit den Nebenwidersprüchen in Nikaragua!”

  1. nichtidentisches 14. September 2007 um 11:54 #

    Danke für die Information!

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