Black Power gegen Lesben

21 Sep

Während sich in Kuwait trotz der Finanzierung von Aktivitäten gegen Homosexualität durch die Regierung, trotz drohender Haft von bis zu zehn Jahren, Lesben und Schwule erstmals um Organisierung bemühen, zeigt uns die Situation in Südafrika, dass selbst staatlich verordneter Schutz von sexuellen Minderheiten homophobe Gewalttaten nicht verhindern kann. MERSI (Menschenrechte und sexuelle Identität), die Homo-Sektion von Amnesty International, über die wir nicht nur einmal kritisch berichtet haben, hat nun wieder einmal einen lobenswert eindeutigen Text veröffentlicht, der hier ausführlich zitiert sein soll. Unter der Überschrift „Die Mordserie gegen schwarze lesbische Aktivistinnen in Südafrika reißt nicht ab“ wird über den Mord an Sizakele Sigasa (34) und ihrer Freundin Salome Masooa (23) berichtet:

An einem Sonntagmorgen Anfang Juli wurde das Paar auf einem Feld bei Meadowlands gefunden. Das Szenario hatte den Charakter einer Hinrichtung: Die bekannte Menschenrechtsaktivistin Sizakele Sigasa hatte sechs Kugeln im Kopf und im Schlüsselbein. Ihre Hände waren mit ihrer Unterwäsche auf den Rücken gefesselt, die Fußknöchel mit den Schnürsenkeln ihrer Schuhe aneinandergebunden. Salome Masooa wurde von hinten in den Kopf geschossen. Offenbar wurden beide vor ihrem Tod misshandelt und vergewaltigt.

Deutlich wird in dem Text, wie die Konstruktion einer schwarzen Identität Homophobie schon beinhalten kann:

Lesbisch und schwarz geht nicht zusammen
Ein klassischer Fall von hate crime, sagen viele Schwule und Lesben am Kap und sind empört, dass die Polizei noch immer keine Verdächtigen präsentieren kann und von einem „ganz normalen“ Verbrechen spricht. „Viele von uns haben Angst“, sagt Fanney Tsimong, „weil wir nicht wissen, wer die Mörder sind. Aber etliche Organisationen sind aktiv und befassen sich mit dieser Tragödie. Es gab bereits viele Treffen und am Frauentag am 9. August findet eine Protestaktion vor dem Polizeirevier in Meadowlands/Soweto statt. Dabei fordern wir die südafrikanische und die Kommunalregierung hier auf, die queer community besser zu schützen.“

Die Hautfarbe ist das größte Problem, denn lesbisch und schwarz geht offenbar nicht zusammen. Die Sichtbarkeit lesbischer Frauen provoziert die schwarze Community, der sie auch angehören. Die Welle der Gewalt in diesem Jahr ist beispiellos. Simangele Nhlapo, ebenfalls eine Aids-Aktivistin, wurde zusammen mit ihrer zweijährigen Tochter vergewaltigt und ermordet. Auch die 16-jährige Madoe Mafubedu lebte offen lesbisch und wurde vergewaltigt und dann erstochen. Die grausamste aller Totschlaggeschichten geschah letztes Jahr in Khayelitsha nahe Kapstadt. Dort wurde die prominente 19-jährige Zoliswa Nkonyana von einem wütenden Mob von 20 jungen Männern vor ihrem Elternhaus gesteinigt und zu Tode geprügelt; ihr Stiefvater sah dabei zu. „Ich habe keine Angst, ermordet zu werden“, sagt Fanney Tsimong. „Ich bin stolz und fühle mich wohl mit meiner Sexualität. Wir leben in einem freien Land und haben Gesetze, die uns schützen. Aber ich habe Angst um die lesbischen Frauen hier, denn sie werden von heterosexuellen Bekannten vergewaltigt, die es ihnen zeigen wollen. Zuletzt werden sie ermordet. Sie sind unschuldig. Das ist nicht gerecht.“

Die Ablehnung und das Unverständnis, die Lesben und Schwulen entgegengebracht werden, sind auch Überbleibsel aus der Apartheidszeit. Die Hoffung besteht, dass es in absehbarer Zeit gelingt, diese Restbestände zu tilgen. Nicht zuletzt allerdings spielen auch patriarchale Mechanismen eine Rolle:

Afrika gilt als Wiege der Menschheit, aber in vielen Ländern des Kontinents ist Homosexualität nicht nur gesellschaftlich geächtet, sondern auch illegal. Der einzige Hoffnungsträger ist Südafrika, ein ethnisch sehr gemischtes Land, in dem Menschen aller Hautfarben leben und das aufgrund dieser Vielfalt, elf offiziellen Landessprachen und unzähligen Religionen als Regenbogennation bezeichnet wird. Aber trotz der homofreundlichen Verfassung gehören Diskriminierungen weiterhin zum Alltag. Der Weg von der rechtlich garantierten Gleichberechtigung zur gesellschaftlichen Akzeptanz ist noch weit, denn in der Apartheidsära war Homosexualität jahrzehntelang verboten: „Viele Leute haben eine schlechte Meinung von uns queeren Menschen, andere sind ignorant und wieder andere neugierig“, erklärt Fanney Tsimong. „Wir haben noch viel damit zu tun, diese Menschen über Homosexualität aufzuklären, aber ich glaube, dass das nicht so lange dauern wird. Wir brauchen Workshops, um die queer und die schwarze Community zueinander zu bringen. Damit sie lernen, sich zu verstehen.“
Ob das so einfach funktioniert in einem patriarchalen System mit tief verwurzelten Traditionen und archaischen Bräuchen, in dem das Leben einer Frau keinen großen Wert hat? Wie fast überall auf dem Kontinent ist Sexualität auch in Südafrika weitgehend tabuisiert. Eines der größten Probleme ist sexuelle Gewalt: Vergewaltigungen gehören quasi zum Alltag und sind fast schon ein Todesurteil, denn das Land hat eine der höchsten Aidsraten der Welt. Viele Männer weigern sich, Kondome zu nehmen, deshalb sind 58 % der HIV-Infizierten Frauen.

Problematisch ist das manichäische Weltbild vor allem schwarzer Männer, die – ähnlich wie im Islam – den westlichen Kolonialismus zum Verantwortlichen für die „Ausbreitung“ von Homosexualität in der ursprünglich reinen afrikanischen Kultur machen:

Vor allem die Männer fühlen sich als Verlierer. Der europäische Kolonialismus liefert den Treibstoff für diese Hexenjagd, denn Homosexualität gilt als kranker Auswuchs der weißen Kultur. Auch deshalb richtet sich der Hass gegen schwarze Lesben, die sich stolz zu ihren Gefühlen bekennen.

Der schwarze Rassismus und das daraus resultierende Überlegenheitsgefühl aufgrund der Hautfarbe führen nicht nur zu Gewalttaten gegen Lesben und Schwule, sondern auch zu weiteren kriminellen und menschenverachtenden Verhaltensweisen, selbst unter hochrangigen Politikern:

Jacob Zuma war von 1999 bis 2005 Vizepräsident der Republik, bis er wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurücktreten musste. Vor Gericht gab Zuma den „einvernehmlichen“ sexuellen Kontakt zu – ohne Kondom. Doch dies sei kein Problem, erklärte er, schließlich habe er direkt danach geduscht. Diese Äußerung ist umso schockierender, weil Zuma lange als Vorsitzender des „National AIDS Council“ für die Regierungskampagne zur Bekämpfung der Epidemie zuständig war. Homosexualität betrachtet er als unafrikanisch und unchristlich, Lesben und Schwule diffamiert er gerne als „Schande der Nation und Schande Gottes“. Nach seinem Freispruch ist der ANC-Politiker beliebt wie eh und je gilt als heißer Anwärter auf die Nachfolge von Thabo Mbeki.

Bleibt zu hoffen, dass auch der Kampf für die weitere gesellschaftliche Liberalisierung international ebensoviel Solidarität erfährt, wie ehedem der Kampf für die Abschaffung der Apartheid in Südafrika – obwohl dieses Mal die Fratze des Imperialismus als Feindbild ausscheiden dürfte.

14 Antworten zu “Black Power gegen Lesben”

  1. nicoelf 25. September 2007 um 03:04 #

    Ich verstehe hier nicht, was ihr gegen Lesben habt…

  2. nicoelf 25. September 2007 um 03:05 #

    Verdammt, das ist ja ein Blog für schwule, ich bin sowas von blöd, jetzt kapiere ich, doch ich bin nicht schwul, …
    Und was hat das Brandenburger Tor mit schwulen Westernhelden zu tun? YMCA?

  3. Damien 25. September 2007 um 09:14 #

    @ nicoelf: Das mit dem Brandenburger Tor war so: In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es in West-Berlin schwule Motto-Parties namens „Mach mir das Brandenburger Tor!“. Dort versuchten sich Schwule gegenseitig ihren Arsch so weit wie möglich aufzureissen, um damit ihre Sympathie für die Freiheitsbestrebungen der Deutschen hinter dem eisernen Vorhang auch beim Sex zu bekunden („Je tiefer, desto freier“). In Erinnerung daran haben wir unseren Header gewählt. Was das alles mit dem YMCA zu tun, kann ich Dir allerdings auch nicht sagen. Wie man hört, sollen es amerikanische Schwule aber noch doller treiben.

  4. Pat 25. September 2007 um 13:55 #

    @nicoelf: Du kannst lesen, nur mit dem Verstehen scheint es ein wenig zu hapern. Oder aber fehlt es Dir an Geduld. Es scheint, als ob es bei Dir nur für die Überschrift reicht. Und nein, das ist ein Blog von Schwulen, aber lesen dürfen ihn gern alle, sogar Du, denn er ist ja öffentlich. Aber ich verstehe, Spammer müssen Blogs nicht lesen, sie müssen nur sinnlose Kommentare abgeben. DFTT!!!

  5. nicoelf 25. September 2007 um 20:32 #

    Ihr seid ja sowas von gay, ich habe halt meine eigene Meinung, desshalb denken auch die Meisten ich lese nur die Ueberschriften. Ich bin halt direktund rede nicht um den heißen Brei rum.

    Aber eines bleibt besteh’n Alemannia Aachen wird nicht untergeh’n.
    Tipp: http://www.kaiserstadt.wordpress.com

  6. Pat 26. September 2007 um 11:58 #

    Ich verstehe hier nicht, was ihr gegen Lesben habt…

    Diese Deine Anmerkung zeigt, dass Du den Beitrag entweder nicht gelesen oder eben nicht verstanden hast. Bei beiden sollte man nicht kommentieren, also kann ich Dir nur unterstellen, dass Du hier spammen möchtest.

  7. nicoelf 26. September 2007 um 12:54 #

    Nagut, ich gebe zu, ich spamme. Zufrieden?

  8. nicoelf 26. September 2007 um 12:55 #

    Trotzdem seid ihr alle gay.

  9. Pat 26. September 2007 um 14:13 #

    Ja, wir sind out & proud. Auch das ist offensichtlich und lass Dir sagen, es ist ein Menschenrecht.

  10. nicoelf 26. September 2007 um 14:33 #

    Ich habe nicht gesagt, das ihr, nur weil ihr homosexuell seid, out seit. Klar hat jeder Mensch Rechte, auch du und ich.

  11. Adrian 26. September 2007 um 14:38 #

    Das ist ja mal eine lustige Interpretation von „out and proud“ 😉

  12. Pat 26. September 2007 um 15:04 #

    LOL, ich schmeiß‘ mich weg. Nico vergisss es, es bringt nichts. Dir fehlen schlichtweg die Grundbegriffe unserer Subkultur. 😉

  13. nicoelf 26. September 2007 um 15:17 #

    ich weiß, was du mit out & proud meinst; Aussenseiter und glücklich. Doch ich weiß nit was du gegen mich hast. Egal.

    Werbung:
    http://www.nicoelf.wordpress.com
    http://www.kaiserstadt.wordpress.com

  14. Pat 26. September 2007 um 15:52 #

    Na dann möchte ich Dein Dunkel gern ein kleines bisschen erhellen. Ich habe nichts gegen Dich, nur scheinst Du, Kritik nicht vertragen zu können. Du äußerst Dich völlig sinnfrei zu Themen von denen Du offenbar nicht den leisesten Schimmer und eigentlich auch nichts zu sagen hast.
    Bemühe doch mal eine Suchmaschine um „Out & Proud“ zu verstehen. Aber ich vergaß, Lesen ist ja nicht so Deins. Aber mal als Tip: Out hat in dem Fall etwas mit heraus kommen und nicht mit Außenseitertum zu tun. Doppel-s und ß solltest Du auch noch üben.

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