Lebst Du noch oder hängst Du schon?

30 Sept

Ikea versucht bekanntlich seit längerem, gezielt Schwule als Kunden zu gewinnen. Nun hat Ikea offenbar eine weitere Zielgruppe entdeckt, die allerdings mit den Homos nicht ganz kompatibel scheint. Seit der Mohammed-Karikatur eines schwedischen Künstlers fordern Moslems auch den Boykott schwedischer Produkte. Mehr noch, sie stören sich selbst an der schwedischen Flagge, da diese ein Kreuz enthält, das Moslems beleidigen könnte. Von Ikea wird daher gefordert, die Flagge vor ihren Läden nicht länger zu hissen. Bevor Ikea aber diese Unterwerfungsgeste vollführt, versucht das Unternehmen, wie der norwegischen Presse zu entnehmen ist, zunächst einmal, sich mit kleinen Gesten die Sympathie seiner totalitären Kundschaft zu erhalten.

Dies mußte Ibrahim Batmandi, ein Ikea-Mitarbeiter erfahren, der nach einem Gefängnisaufenthalt wegen oppositioneller Aktivitäten aus dem Iran nach Norwegen geflohen war und dachte, bei einem Arbeitgeber untergekommen zu sein, der die westlichen Werte teilt. Nachdem er einer vollverschleierten Kollegin gesagt hatte, der Hijab sei doch in Norwegen nicht erforderlich, hier befände man sich schließlich in einem freien Land, beschwerte sich die Kollegin über den Mann – und Ikea feuerte ihn. Die bemerkenswerte Begründung des Unternehmens: Es sei „Rassismus“, wenn der Mann, übrigens selbst Moslem, seine moslemische Arbeitskollegin auffordere, ihren Schleier wenigstens im Kundenverkehr abzulegen und sich an die im Westen üblichen Gepflogenheiten anzupassen. Batmandi klagte gegen das „unmögliche Möbelhaus“ und bekam Recht. Dem Urteil zufolge ist es nicht rassistisch, eine Kollegin darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich in einem freien Land nicht voll verschleiern müsse. Das Unternehmen mußte Batmandi daraufhin wieder einstellen.

Bereits 2006 hatte Ikea vor seinen Häusern nicht nur keine Weihnachtsbäume mehr aufstellen wollen, sondern auch seine Restaurants von Schweinefleischprodukten gesäubert, in vorauseilendem Gehorsam vor Moslems, die sich ansonsten möglicherweise beleidigt fühlen könnten. Erst auf massive Proteste von Kunden hin nahm Ikea die Massnahmen zurück.

Deutlich wird an den Beispielen der Unterschied, den die Berücksichtigung der jeweiligen Zielgruppe in der Unternehmenspolitik macht: Geht es um die schwule Zielgruppe, bereichert Ikea seine Werbung um zusätzliche Motive. Geht es um die moslemische Zielgruppe, beschränkt Ikea sein Design, sein Angebot und seine Mitarbeiter.

Angesichts dieses sich andeutenden Widerspruchs sei eine Frage erlaubt: Zur Zeit noch scheint Ikea aufgrund wirtschaftlicher Interessen die Beachtung und Gewinnung schwuler Kunden am Herzen zu liegen. Ob sie aber die Toleranz als zentralen demokratischen Wert, wie sie ein amerikanisches Unternehmen unlängst in der Auseinandersetzung mit Schwulenfeinden von der christlich-fundamentalistischen Front vorbildlich demonstriert hat, grundlegend schätzen? Anderenfalls gebietet der Respekt vor den kulturell wertvollen Ansichten schwulenfeindlicher Fanatiker Ikea vielleicht schon bald einen neuen Werbeslogan: „Lebst Du noch oder hängst Du schon?“

8 Antworten zu “Lebst Du noch oder hängst Du schon?”

  1. MuGo 30. September 2007 um 02:03 #

    Interessant, dass eine Schweinefirma wie Ikea, die sich nicht um Umwelt- oder Arbeitsrecht kümmert, plötzlich zum Vorreiter der „Politcal Corectness“ wird, wenn Umsatzeinbußen drohen…

  2. Threadneedle 30. September 2007 um 13:40 #

    Klasse Beitrag! Das sind die Artikel, die GayWest so lesenswert machen!

  3. DonLeone 30. September 2007 um 13:45 #

    Kauft Stefan Herre denn auch bei Ikea ein? 😮

  4. nichtidentisches 30. September 2007 um 15:32 #

    Lustig ist dazu auch ein Artikel in der jüdischen Allgemeinen von vor zwei Wochen oder so: Ikea hatte einst einen Nazi als Konzernchef und wohl ansonsten etwas Dreck am Dübel.
    Daher gab der Konzern die Maßnahme bekannt, eine eigene Kollektion mit jüdischen Namen auszustatten: Etwa das Regal „Moses“ oder den Stuhl „Aaron“.

  5. rom 30. September 2007 um 15:40 #

    Mag sein, dass Ikea einige muslimische Kunden mehr bekommt durch dieses mehr als dumme Getue.

    Ich rufe alle Schwulen und Lesben, und alle Menschen denen ein freies und säkulares Europa ein wichtiges Anliegen ist, auf, nicht mehr bei Ikea zu kaufen.

    @Don Leone: jetzt kauft Stefan Herre natürlich nicht mehr bei Ikea.

    Stopt die Islamisierung Europas!rom

  6. Sergej 30. September 2007 um 16:08 #

    Ich kaufe als Schwuler ja schon aus rein ästhetischen Gesichtspunkten nicht bei Ikea! 😉

  7. Primus 30. September 2007 um 17:56 #

    „Hurra, wir kapitulieren!-Von der Lust am Einknicken“
    so lautet der Titel des Buches von Henryk M.Broder. Sehr treffend und aktuell wie nie. Nicht nur Ikea ist eingeknickt – Nestle` und Ferrero ebenso, sie hatten in großen arabischen Zeitungen Anzeigen geschaltet – um sich von den dänischen Karikaturen zu distanzieren – und darauf hingewiesen, dass für ihre Produkte keine Zutaten aus Dänemark verarbeitet werden. Also Toleranz ganz im Sinne des Islam. Toleranz im Islam heisst: Duldung der Unterworfenen als Gedemütigte und Erniedrigte. Der Chefredakteur der jordanischen Zeitung „Shihan“ durfte erfahren was das heisst – er wagte die richtige Fragen zu stellen: “ Wer beleidigt den Islam eigentlich mehr? Ein Ausländer, der den Propheten darstellt, oder ein Muslim, der mit einem Sprengstoffgürtel bewaffnet auf einer Hochzeitsgesellschaft in Amman ein Selbstmordattentat durchführt?“ Dieser Redakteur wurde daraufhin gefeuert.
    Jüngst ist in Deutschland ein Massenmord – geplant von islamistischen Terroristen – vereitelt worden. Wir sind erleichtert, dass dieses Massaker verhindert werden konnte. Aus Politik,Medien und von Religionsvertretern fehlen nicht die besorgten Aufrufe, doch bitte zu unterscheiden: zwischen islamistischen Massenmördern die ihrer Religion schaden und der Mehrzahl der friedlichen Muslime die selbstverständlich gegen Terror sind. Dass Islam Frieden heisst – klingt zwar schön – hat aber den Nachteil: Es ist einfach Nonsens. Der Begriff Islam bedeutet in seiner Übersetzung bedingslose Hingabe, absolute Unterwerfung des Individuums und die Ge- und Verbote Allahs. Und diese haben es in der Tat in sich. Wer sich die Zeit nimmt und die Scharia, das islamische Recht studiert, wird feststellen wie gross der Diskussionsbedarf wirklich ist.
    Z.B.: Muslimische Juristen teilen die Welt in zwei Teile, das „Haus des Islam“ und das „Haus des Krieges“. Zwischen diesen beiden Teilen der Welt herrscht naturgemäss solange Krieg, bis das Haus des Krieges nicht mehr existiert und der Islam über der Welt herrscht (Sure 8,39u.9,41). Es besteht daher nach klassischer Lehre f.d. muslimische Weltgemeinschaft die Pflicht, gegen die Ungläubigen Krieg zu führen bis diese sich bekehren bzw. unterwerfen- und dieser Krieg heisst Dschiad. Einige Rechtsgelehrte definieren den Dschihad als inidviduelle Pflicht jedes tauglichen Muslim. Konsequenz dieser Lehre: wenn jeder einzelne Muslim alleine oder gruppenweise euf eigene Faust kriegerisch agieren muss, dann allerdings sind Attentate und Terroranschläge das Richtige. Was wiederum heisst:

    Al Quaida ist keine Verirrung sondern entspricht dieser
    Traditionslinie !

    Dieser „Pflicht“ unterzieht sich auch die HAMAS!
    In der Charta der Hamas lesen wir unter Artikel 7:
    “ Weil Muslime, die die Sache der Hamas verfolgen und für ihren Sieg kämpfen(…) überall auf der Erde verbreitet sind, ist die islamische Widerstandsbewegung eine unverselle Bewegung (…) Die Hamas ist eines der Glieder in der Kette des Dschihad, die sich der zionistischen Invasion entgegenstellt. Dieser Dschihad verbindet sich mit dem Impuls des Märtyrers Izz a-din al-Quassam und seiner Muslimbruderschaft, die den heiligen Krieg von 1936 führten (…) Der Prophet – Andacht und Frieden Allahs sei mit ihm – erklärte:

    Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche Ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn! (…)“

    Egal wie abgemildert die Scharia hier und dort ist: sie ist auf radikalste Weise anti-demokratisch und anti-menschenrechtlich – siehe Iran. Es gibt keine islamische Menschenrechte – und es wird sie auch niemals als islamisches Menschenrecht geben. Es ist absurd nach islamischen Menschenrechte zu suchen. Denn Menschenrechte sind weder christlich, noch europäisch, noch islamisch. Sie sind entweder universal oder sie sind nicht.

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  1. Wer war zu erst da? IKEA oder die schwulen Männer? « The Gay Dissenter - 20. Mai 2008

    […] sprachs, uns ließ mich stehen. Früh’ morgens bewaffnete ich mich mit Argumenten gegen IKEA. Um es kurz zu machen: Es half alles […]

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