Schwulensex beim Biwak

30 Nov

Noch niemals in der Geschichte der USA haben die Rechte von Schwulen und Lesben eine solche Rolle gespielt wie im Wahlkampf um das Präsidentenamt für das Jahr 2008. Die aussichtsreichen Kandidaten für die Demokraten, Hillary Clinton und Barack Obama, äußern sich, was Schwule und Lesben angeht, relativ wohlwollend – Faux pas inbegriffen – und selbst die Kandidaten der Republikaner, abgesehen von Rudy Giuliani nicht gerade als besonders homofreundlich verschrien, schlagen, was die Gay Issues anbelangt, recht gemäßigte Töne an. Doch auch gemäßigte Töne können in den Ohren schmerzen, was eine Diskussionsrunde der republikanischen Kandidaten diesen Mittwoch leidvoll bestätigt hat. Thema dieser Runde war „Don’t ask, don’t tell“, das von uns bereits mehrfach aufgegriffene Verbot von Schwulen und Lesben offen im amerikanischen Militär zu dienen.

Der sich im Ruhestand befindende Brigadegeneral Keith Kerr wollte von den Kandidaten wissen, warum sie die Meinung vertreten, die amerikanischen Soldatinnen und Soldaten seien nicht professionell genug gemeinsam mit Schwulen und Lesben in den Streitkräften zu dienen:

“I want to know why you think that American men and women in uniform are not professional enough to serve with gays and lesbians?“

Der Kandidat Duncan Hunter, Abgeordneter aus Kalifornien, erklärte, er glaube, dass der Dienst offen homosexueller Soldaten den Truppenzusammenhalt schwächen würde, ungeachtet der gegenteiligen Beweise aus bspw. Großbritannien oder Israel. Denn, so Duncan, die Mehrheit der in den Streitkräften der USA dienenden Menschen vertrete konservative und „jüdisch-christliche“ Werte. Ihnen einen Dienst zusammen mit offen homosexuellen Kameraden aufzuzwingen, würde schlicht und einfach gegen ihre Prinzipien verstoßen:

„They have conservative values, and they have Judeo-Christian values. To force those people to work in a small tight unit with somebody who is openly homosexual goes against what they believe to be their principles, and it is their principles, is I think a disservice to them.”

Warum jüdisch-christliche Werte zwangsläufig im Gegensatz zur Toleranz oder sogar Akzeptanz Schwuler und Lesben stünden und warum Homosexuelle per Dekret vom Dienst in der Armee ferngehalten werden sollten, nur weil bestimmte Leute so sensibel sind, dass sie ihre Prinzipien durch die Anwesenheit Schwuler und Lesben verletzt sehen, erklärte Duncan nicht.

Der ehemalige Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, sprang auf Duncans Zug auf und erweiterte dessen Vorbehalte noch um seine Ansicht, Homosexualität in der US-Armee könnte womöglich ein Risiko für den Zusammenhalt der Truppe als auch deren „Moral“ darstellen. Ob Huckabee dabei an Sexorgien unter der Dusche oder beim Biwak dachte, ist nicht bekannt, angesichts der Ansichten diverser konservativer Moralisten ist dies aber vermutlich nicht allzu weit hergeholt.

Mitt Romney, ehemaliger Gouverneur des liberalen Massachusetts, hatte ursprünglich beim Inkrafttreten der Don’t ask, dont‘ tell-Richtlinie gehofft, diese würde ein Auslaufmodell darstellen und früher oder später abgeschafft werden. Allerdings, so Romney, habe er da noch nicht ahnen können, wie gut Don’t ask, don’t tell funktionieren würde:

“I didn’t think it would work. I didn’t think ‘don’t ask/don’t tell’ would work,” Romney said. “And you know what? It’s been there now for, what, 15 years? It seems to have worked.”

Ist es vermessen, Romney darauf aufmerksam zu machen, dass nichts angesichts der Erfahrungen mit der antiquierten Richtlinie diese weiterhin rechtfertigt? Und ist es statthaft, ihn gleichfalls darauf hinzuweisen, dass selbst das Funktionieren einer bestimmten Praxis noch kein ausreichender Grund ist, diese weiterhin aufrechtzuerhalten? Immerhin hat ja auch die Rassentrennung in den USA ziemlich lange ziemlich gut funktioniert…

Auch Arizonas Senator John McCain vertritt die Meinung, man solle nicht an Dingen rumdoktorn, welche sich bewährt hätten:

“All the time, I talk to our military leaders, beginning with our joint chiefs of staff and the leaders in the field, such as General Petraeus and General Odierno and others… Almost unanimously, they tell me that this present policy is working, that we have the best military in history, that we have the bravest, most professional, best prepared, and that this policy ought to be continued because it’s working.“

Womit McCain sozusagen durch die Blume seiner Meinung Ausdruck verlieh, offen homosexuelle Soldaten würden dazu führen, dass die amerikanischen Streitkräfte zukünftig weniger tapfer, weniger professionell und weniger gut ausgerüstet wären.

Und während Rudy Giuliani zu dem Thema Schwule im Militär nicht Stellung zu nehmen brauchte, erläuterte Mike „The Moral“ Huckabee abschließend, dass er bei seiner Kandidatur auch die Unterstützung der Log Cabin Republicans, des Verbandes schwuler Republikaner, annehmen werde:

“You know, in my position in this entire election, I need the support of anybody and everybody I can get,” Huckabee said to applause. […]

“I disagree with them, strongly disagree with them on the idea of same-sex marriage, but in a democracy we can have disagreements over some policies and still agree on the greater things that make us Republicans. So would I accept their support? Of course. Would I change my position on same-sex marriage? No, I wouldn’t.”

Schade, wirklich schade. Andere Republikaner sind da schon viel weiter. Mehr darüber morgen hier.

5 Antworten zu “Schwulensex beim Biwak”

  1. southparkrep 30. November 2007 um 13:25 #

    Im Moment schlagen konservative Blogs in den USA auf CNN ein, denn es ist heraus gekommen, dass General Keith Kerr für die Clinton-Kampagne arbeitet. Bewusst oder unbewusst überschattet dies jetzt eine ernsthafte Diskussion über „Don’t ask, don’t tell“.
    Duncan Hunter sollte man fragen, ob in der israelischen Armee tatsächlich keine Gläubigen dienen und ob „judäo-christliche Werte“ unter dem genannten Beispiel noch die entsprechende Vorsilbe behalten sollte. 😉

  2. la174 30. November 2007 um 16:30 #

    Auch Ron Paul wird von christlichen Fundies inzwischen angegriffen: http://catholicknight.blogspot.com/2007/11/ron-paul-supports-gay-marriage.html

  3. la174 30. November 2007 um 16:34 #

    Ron Paul on Homosexuality:

  4. southparkrep 30. November 2007 um 17:09 #

    Na ob die Neonazis ihre Spenden an Ron Paul trotz seiner Arbeit gegen „die jüdische Lobby“ einstellen wegen dieser Sache?

  5. texxxt 30. Dezember 2007 um 18:19 #

    Heisst das etwa Rudolph Giuliani ist schwul? Soll das das heißen? Verstehe ich das richtig? Na das würde es zumindest erklären. Schließlich (alte Homo-Weisheit) ist der größte Homophob doch der Homo…Ex-Bürgermeister.

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