Vom Marxismus-Liberalismus zu Homosexualität und Pädophilie

10 Jan

kyrill.jpgDer Außenminister der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Kyrill, hat sich in einem Interview des Spiegel darüber geäußert, was nach Meinung seiner Kirche die russische Bevölkerung am meisten beschäftigen sollte und gibt uns darüberhinaus einen authentischen Einblick in seine Moral- und Wertvorstellungen.

So erfährt man, mit welchen Auswüchsen der Postmoderne sich Russland herumärgern muss, nachdem die russisch-orthodoxe Kirche, quasi im Alleingang, den Untergang des Kommunismus bewirkt hat. Nämlich insbesondere mit solch Übeln wie Überfremdung, Spaß und Individualismus:

„Die Wiederherstellung der Moral ist ein langer Prozess, auch in anderen Ländern beobachten wir eine hohe Kriminalität. Zudem musste Russland gewaltige Umbrüche ertragen. Unsere Wirtschaft lag darnieder, der fremde Einfluss wuchs und die Konsummentalität, das Leistungsdenken, all diese postmodernistischen Ideen griffen um sich, wonach alles Ansichtssache sei und nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterschieden werden müsse.“

Dieser klassische Aufguss kulturkonservativen Gebräus wird im Folgenden mit feinsten antiwestlichen Ressentiments gewürzt, nach denen die christliche Seele und das russiche Volk nur dann gerettet werden können, wenn die libertinistischen Ideen der westlichen Welt in die Schranken gewiesen werden:

„Wir müssen […] unserem Volk zur Einsicht verhelfen, wie wichtig es ist, sich an christlichen Werten zu orientieren. Ob uns das gelingt, hängt auch davon ab, ob wir uns äußeren Einflüssen entziehen können.“

Neben Sex vor der Ehe, Gottlosigkeit bzw. der Erfahrung von Spiritualität außerhalb der Dogmen organisierter Religion gehört zu diesen „äußeren Einflüssen“ natürlich auch die schlimmste Sünde von allen: die Homosexualität. Denn diese

„verwischt die Grenze zwischen Gut und Böse, zwischen Sünde und Heiligkeit. Selbst Ehebruch soll jetzt schon keine Sünde mehr sein, obwohl jeder Ehebrecher spürt, dass er etwas Schlechtes tut.“

Gut möglich, dass Metropolit Kyrill ganz genau weiß wovon er spricht, wenn er sich anmaßt, die Gefühls- und Gedamkenwelt anderer Menschen zu kennen. Allerdings ist es nicht besonders aufregend von ihm zu hören, Homosexualität und Ehebruch seien im Grunde genommen das Gleiche und Schwule würden unter ihrer sexuellen Orientierung leiden. Eine Ansicht, die man mittlerweile nur zur Genüge kennt. Wegweisend sind allerdings Kyrills weitere Ausführungen zur Schändlichkeit der Homosexualität:

„Der Mensch aber hat ein Gewissen. Das konnten selbst die Marxisten nicht abschaffen. Die hatten für alles eine Erklärung, eine in sich geschlossene Philosophie, nach der das Sein das Bewusstsein bestimmte.“

Und bevor man sich fragen kann, was um Himmels Willen denn nun Marxismus mit Homosexualität zu tun hat, holt Metropolit Kyrill zum ultimativen Schlag aus:

„So wie auch auch Ihre Philosophen in Deutschland heute sagen, das Gewissen sei das Ergebnis kultureller Entwicklung. Aber ob in Papua-Neuguinea, im deutschen München oder im sibirischen Nowosibirsk – überall heißt es, du sollst nicht töten…“

Das klingt zwar alles ganz nett und kann als wunderbarer philosophischer Vortrag an einer Kaffeetafel des Münchener Damenkränzchenvereins durchgehen, ist aber so nicht ganz korrekt, wie einen diverse Kannibalenstämme, völkermordende Wüstensippen und Selbstmordattentäter im Nahen Osten lehren. Aber, Moment mal, wie kommt Kyrill eigentlich vom christlichen Tötungsverbot auf die Homosexualität? Ach so, natürlich – die Bibel:

„Die Bibel nennt das Sünde.“

Na also, geht doch. Warum nicht gleich so? Die Bibel nennt das Sünde. Diskussion beendet. Wir können alle nach Hause gehen. Doch halt…

„Aber wir verurteilen diese Menschen nicht. Die Kirche ist dagegen, dass diese Menschen verfolgt oder beleidigt werden.“

Ist das nicht allerliebst? Ein Repräsentant der Russischen Orthodoxen Kirche, welche angesichts von Schwulen und Lesben in Moskau Pech und Schwefel vom Himmel regnen ließ und dann gemeinsam im Verein mit rechtsradikalen Spinnern und nationalistischen Sektierern die Menschen auf den schwul-lesbischen Kundgebungen dort verhöhnte, beleidigte, mit Eiern und Fäusten bedachte und dann in aller Seelenruhe dabei zusah, wie diese von den Polizeikräften in Gewahrsam genommen wurden, kehrt in einem Interview mit dem Spiegel seine grenzenlose Toleranz heraus. Wie gnädig!

Doch Toleranz ist eben eine Sache, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Moral aber eine ganz andere:

„Die Gay-Parade ist eine aufdringliche Zurschaustellung von Unzucht. […] Das zersetzt die öffentliche Moral.“

Klingt logisch. Erst lässt man Schwule und Lesben nicht heiraten und dann beschuldigt man sie der Unzucht.

„Es ist Aufgabe der Kirche, Sünde auch Sünde zu nennen. Sonst wird sie nicht mehr gebraucht. Leider wird in der heutigen Welt mehr die Freiheit der Wahl verfochten, die Freiheit vom Bösen aber beinahe vergessen.“

Fürwahr eine grauenvolle Welt, in der allen Ernstes die Freiheit der Wahl für erstrebenswert gehalten wird, während der Kampf gegen das Böse, in Gestalt der Homosexualität, nunmehr alleinige Aufgabe der Kirche ist. Merkwürdig nur, wie Metropolit Kyrill es schafft, seine verklausulierte Forderung nach der Befreiung der Welt vom Übel der Homosexualität mit seiner oben artikulierten Ansicht in Übereinkunft zu bringen, Schwule und Lesben sollten weder verfolgt noch beleidigt werden.

Doch solche Einwände sind lediglich Taschenspielertricks meinerseits, einem Mitglied der Rosa Nostra, der angesichts des in ihm wohnenden Bösen nicht erkennen kann, was auf eine Gesellschaft zukommt, die Homosexualität toleriert:

„Es geht nicht um irgendeine Entscheidung, es geht um Moral. Man will uns weismachen, Moral sei relativ. Das ist sie überhaupt nicht. Die Kommunisten haben gesagt, gut ist, was gut für die Arbeiterklasse ist. Das war relative Moral – und 60 Millionen Leben wurden ausgelöscht. Hitler hat behauptet, gut ist, was für Großdeutschland gut ist. Auch das hat Millionen Leben dahingerafft.“

Und Metropolit Kyrill behauptet, wer Homosexualität toleriert trägt Verantwortung für ein millionenfaches Dahinraffen von Leben in Zukunft? Oder wie jetzt?

„Moral ist entweder absolut, oder es gibt sie nicht. Wenn sie Homosexualität rechtfertigen, warum dann nicht gleich Pädophilie?“

Endlich! Endlich sind wir bei dem Thema angelangt, worauf ich schon die ganze Zeit gewartet habe. Natürlich: Wer Homosexualität rechtfertigt, rechtfertigt auch Pädophilie. Eine Erkenntnis, die so dumm ist und von solch moralischer Verkommenheit zeugt, dass man sich fragt, wie Menschen mit einer derartigen Argumentation es wagen können, überhaupt von Moral und Ethik zu sprechen. Offensichtlich haben sie nicht den blassesten Schimmer wovon sie überhaupt reden. Der Spiegel zeigt sich angesichts dieser Äußerung dann auch geradezu bewundernswert geduldig und erklärt dem Kirchenoberen wie einem Kindergartenkind ganz ruhig einen der wesentlichen Unterschiede zwischen Pädophilie und Homosexualität:

Das ist doch ein gewaltiger Unterschied! Sexualität betrifft Erwachsene, die frei entscheiden können.

Doch den Metropoliten ficht solche verweichlichte, westlich-individualistische Logik nicht an und so gibt er mit reinstem Herzen weitere gesammelte Weisheiten zum Besten:

„In ein paar Jahren wird man Ihnen erklären, dass Mädchen mit zwöf Jahren früher Kinder waren, jetzt aber schon viel weiter entwickelt sind. Vor 20 Jahren hätte sich doch auch niemand träumen lassen, dass in Deutschland ein Gesetz verabschiedet wird, das homosexuelle Ehen anerkennt. Inzwischen hat man sich damit abgefunden. Es geht um die Wahrung des Prinzips. Es gibt eine allgemeine moralische Natur. […]

Wenn moralische Grundsätze zerrüttet werden, setzen wir unsere Instinkte frei. Und freigesetzte Instinkte gehören ins Tierreich. […] Sie denken sicher, dieser Metropolit ist verrückt geworden und erzählt irgendeinen Stuss.“

Ob er verrückt geworden ist, kann ich nicht beurteilen; Kyrills Ausführungen über die moralische Natur der Homosexualität sind aber an Stuss kaum noch zu überbieten. Doch niemand sollte dem Metropoliten vorwerfen, seine merkwürdigen Anschauungen liessen sich alleine auf Homosexualität reduzieren. Er, welcher bei diesem Thema ständig von den Gefahren des Relativismus schwadroniert, hat nämlich nicht nur keine Ahnung von den Grundlagen der menschlichen Moral, auch die Grundlagen der Politik sind ihm völlig fremd:

„Es ist für uns nicht vorrangig, die eine oder andere Staatsform zu unterstützen. Grundsätzlich ist die Rettung der Seele in jeder Staatsform möglich.“

Und wenn es dann in Russland irgendwann mal eine Staatsform gibt, in der Wahlen nach Einheitsliste stattfinden, Journalisten wegen regierungskritischer Meinungen ermordet und in dem die Meinungsfreiheit und das Demonstrationsrecht eingeschränkt werden, dann wird Metropolit Kyrill sich ruhig und gelassen in seine Kirche zurückziehen und für die von westlichen Ideen und nichttraditionellen sexuellen Orientierungen verseuchten Seelen des russischen Volkes beten.


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4 Antworten to “Vom Marxismus-Liberalismus zu Homosexualität und Pädophilie”

  1. Rainer 17. Januar 2008 um 14:31 #

    Kann jetzt nicht weiterschreiben, muss eben mal kurz kotzen!

  2. bioadapter 1. Februar 2008 um 23:59 #

    noch ein paar jahre, und die realität hat sorokins fiktion eingeholt.

  3. Thomas 7. März 2009 um 17:47 #

    Hier zeigen sich die Perversionen von sogenannten „Würdenträgern“. Was die Natur hervorbringt, wird dem Gesetz des rosafarbenen Einhorns unterworfen. Eigentlich ist das nicht weniger schlimm als das Aufstellen von irgendwelchen Rassengesetzen, worin gewisse Hautfarben als inferior gebrandmarkt werden. Bis zum rosa Winkel fehlt da nicht mehr viel. Und unterdessen vergnügt sich der Papst frisch-fröhlich mit seinem knackigen Sekretär Gänswein.

  4. Mowgli 24. Oktober 2010 um 14:06 #

    Dass Schwule sich von Pädophilen abgrenzen ist genauso diskiriminierend, wie Heterosexuelle, die Schwule an den Pranger stellen. Pädophile haben sich ihre Neigung nicht ausgesucht. Ausserdem meinen die Herren in der Regel nicht Pädophilie, sondern sexuelle Handlungen mit Kindern. Das ist nun mal ein kleiner Unterschied. Die meisten Pädophilen verbringen ein Leben in sexueller Abstinenz und das ist nun mal für einen geouteten Gay absolut unvorstellbar. Ich war lange genug in der Szene unterwegs. Da muss mir niemand was von Moral predigen wollen!
    Ein geouteter Pädophiler grüsst!

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