Homogrippe in Jerusalem

31 Jan

gay-pride-jerusalem.jpgUm zu verhindern, dass in Jerusalem demnächst wieder eine Pride-Parade durch die Straßen zieht, haben die religiösen Fundies der orthodoxen Shas-Partei in Israel einen Gesetzesentwurf in die Knesset eingebracht, der es der Stadt Jerusalem erlauben würde, Demonstrationen zu verbieten welche „religiöse Werte und öffentliche Gefühle“ beleidigen würden. Um allerdings nicht den Anschein zu erwecken, man sei lediglich ein Haufen Sensibelchen, die Angst vor Schwulen hätten, hat die Shas eine Strategie entwickelt, die den Israelis beweisen will, dass alle Angst vor Schwulen haben müssten. Weil nämlich Homosexualität einer Epidemie – ähnlich der Vogelgrippe – gleichkomme, die das Gesundheitsministerium auch als solche behandeln sollte:

A member of Israel’s religious Shas Party told a parliamentary committee Tuesday that homosexuality is an epidemic and should be dealt with like the Health Ministry deals with bird flu.

Zur Erinnerung: Die Maßnahmen gegen Vogelgrippe bestehen darin, die Täger des Virus zu töten. Ganz so weit mochte Nissim Ze’ev dann allerdings doch nicht gehen und verglich die Behandlungsmethoden gegen Homosexualität eher mit denen, welche sich Alkoholiker und Drogensüchtige unterziehen müssen:

He said that gays should be forced into „rehabilitation“ in the same way as drug addicts and alcoholics.

Zum großen Pech für die Shas-Partei ist Israel allerdings eine liberale Demokratie, was bedeutet, dass mindestens ernsthafter Widerspruch gegen ihre Welterlösungsphantasien laut wird:

Knesset member Gal-On said the remarks by Ze’ev showed „great ignorance“.

Und auch die israelische LGBT-Organisation Agudah machte ihren Unmut über die Shas-Vorschläge mit einem markigen Statement Luft:

The Association of Gay Men, Lesbians, Bisexuals and Transgenders – AGUDAH – said that if the bill passes it would turn the city into „the international capital of darkness.“

Für Israel wäre es in der Tat ein Armutszeugnis, sollte die Shas ihren Willen bekommen und durchsetzen, dass in der Hauptstadt der einzigen liberalen Demokratie des Nahen Ostens, den Befindlichkeiten fundamentalistischer Schwulenhasser ein höherer Stellenwert eingeräumt wird, als dem Recht der LGBT-Community für ihre Belange zu demonstrieren. Immerhin ist der gesamte Rest des Nahen Osten voll von antidemokratischen, despotischen, bigotten Regimes, deren einziger Lebensinhalt darin besteht, das Leben ihrer Bevölkerung zu reglementieren. Ganz abgesehen davon, dass diese Länder es nicht bei Reglementierungen belassen und oftmals gleich zum Einkerkern, Hängen, Steinigen oder Auspeitschen greifen…

Mehr CSD’s für Jerusalem, nicht weniger – das sollte die Conclusio für die Stadt sein. Ein Leben wie in Damaskus oder Kairo braucht kein Mensch. Im Gegenteil: Schafft zwei, drei, viele Tel Avivs!

10 Antworten zu “Homogrippe in Jerusalem”

  1. Katzenelson 1. Februar 2008 um 16:46 #

    Wenn mal alles das was in Jerusalem schon war auch im Vatikan und in Mekka stattgefunden hat, dann darf die Welt sich mal wieder gegen Israelische Zustände beschweren, auch wenns wieder lächerlich wird, wenns um ungelegte Eier geht. Da sach noch mal einer, Schwule seien nicht doofi…

    „Intenational, Moral und Ethik“: Geh mal wieder an die frische Luft, Tagger! 😉

  2. Katzenelson 1. Februar 2008 um 16:47 #

    Viel Spaß beim Moderieren: „KONTROLLE MUSS SEIN!!!“

  3. Adrian 2. Februar 2008 um 12:02 #

    @ Katzenelson
    Ich beschwere mich nicht über israelische Zustände sondern über die Shas-Freaks. Denn merke: Bevor das Ei gelegt wurde, kann man das Huhn noch vom Nest holen.

  4. Katzenelson 2. Februar 2008 um 12:27 #

    Es gibt schwule Freaks und Shas Freaks und Freaks – what else isn’t new?!
    Shas ist Shas, was soll die Beschwererei?! Shas gehört dazu wie das Amen in der Kirche und wie die Schwulen auf die Straße. Du solltest etwas verzeihlicher sein, „liberaler“ wenn Du so willst – die machen auch nur ihren Job und wissen es nicht besser: Sei tolerant, sei Vorbild – das Hetzen und Petzen habe die anderen schon im Programm. Sei anders, endlich mal. Wenn Du einen Graben mit schaffst zwischen Shas und den Schwulen und den Schwulen und Shas, dann machst Du es den schwulen Shas Leuten auch nicht einfacher, mal ans Outing zu denken. Und Schwulen bleibt es erschwert, religiös zu sein. Wie gesagt, Shas ist Shas. Und im Vergleich zu anderen geht es uns allen in Israel relativ gut, wie gesagt. Und Euch Schwulen sowieso.

    Nun bin ich Atheist und drum gar nicht religiös. Und ich bin Hetero, ein Außenseiter also auf ganzer Linie. Und dennoch: Schwul, so denkt man immer, hat was mit ausgelebter Liebe zu tun und Religion etwas mit Dienst am Menschen vor Gott. Wenn sich darauf alle besinnen würden, dann könnten morgen schon wieder einige Blog dicht machen, nicht wahr? Oh my goodness!

    Wie gesagt, Shas ist Shas, und immer noch besser als der Vatikan und woanders die Islamisten oder andere Nazis. Am Ende, das wissen wir doch alle, setzen sich die Schwulen sowieso durch, hier in Israel ganz bestimmt, und das ist gut so bisher, denke ich. Man sollte sich derweil ein bisschen Sympathie reservieren wollen, für noch bessere Zeiten.

    Ups, ist spät geworden… ich muss los!

    Viel Spaß beim Moderieren, falls Du das echt immer noch machst… 😉

  5. Adrian 2. Februar 2008 um 15:12 #

    @ Katzenelson
    Ist schon merkwürdig: Da gibt’s Leute, die empfehlen, mich und meinesgleichen wie einen Fall von Vogelgrippe zu behandeln oder wie Alkoholiker und Junkies, ich kritisiere das und muss mir dann anhören, ich soll mal ein bisschen liberaler und toleranter sein.

    Dabei bin ich das doch. Ich erkenne das Existenzrecht der Shas an. Ich sage nicht, man solle sie wie die Vogelgrippe ausmerzen. Und wenn die Shas in Jerusalem dafür demonstriert, dass der Messias endlich erscheinen soll, werde ich nicht am Straßenrand stehen und Eier werfen, sondern im Cafe sitzen und mein Leben genießen.

    Aber eines behalte ich mir vor: die Zeiten wo irgendwelche Fundies und Deppen Schwule niedermachen ohne dass ihnen widersprochen wird, die sind vorbei. Und ich sehe auch überhaupt nicht ein, warum ich mir für die Shas und ähnliche Leute Sympathien reservieren muss, die mich erst als Menschen anerkennen, wenn ich gegen mein Selbst verstoße.

    Aber was rede ich: wahrscheinlich kannst Du als Hetero-Außenseiter solch freakige Befindlichkeiten sowieso nicht nachvollziehen…

  6. Katzenelson 2. Februar 2008 um 15:56 #

    Naja, die Shas sind nun mal keine Palis, Mord und Totschlag kommt als Konfliktlösung also nicht in Frage. Und wenn die Mist erzählen, dann weiß schon jeder was er von ihnen zu halten hat; wir wollen doch mal nicht so tun als seien die Burschen mit ihrer Art im Lande beliebt – schon gar nicht so sehr wie die Schwulen (ja, und Lesben, ja, ich weiß). Auch sage ich nicht, wie Du Dich verhalten sollst, ich empfehle allenfalls, als Denkansatz sozusagen, mehr ist es wirklich nicht, und auf meine Außenseiterposition weise ich ja fast in jedem zweiten Nebensatz schon hin. Anmaßung ist also nicht meine stärkste Schwäche. Und da das, was die beknacktesten der Shas so alles rumschreien, ohnehin nicht realisierbar sein wird, sonern „nur“ zur Provokation langen kann, könntest Du vielleicht ab und zu für eine Weile über ihnen stehen, statt ihrem Stumpfsinn allergrößte Aufmerksam zu widmen. Es wird ja längst nicht alles so heiß gegessen wie es gekocht wird – schade um die Aufregung und den erwiderten Hass, will ich meinen.

    Ist wie mit den Hamas und den Nazirallahs dieser Welt: Sind eh Loser, sollen sie doch krakelen – der Rest ist Polizeiarbeit, wo ich mich (leider, leider, leider) sowieso nicht draufhauend einmischen darf, per Gesetz.

    Gegen eine gesunde Wut ist ja nichts einzuwenden, auch ich erliege ihr dampfablassend hier und da – im übrigen aber hasse ich es zu hassen, und bin für Langwierigkeiten unter Streithähnen darob schwer zu haben – was natürlich nichts mit Dir zu tun hat.

  7. Katzenelson 2. Februar 2008 um 15:57 #

    DU MODERIERST JA IMMER NOCH!!! *ARGH*!!!

    Hast Du Dir wohl in so einem Shas Blog abgeguckt, was?!

  8. axl 3. Februar 2008 um 21:17 #

    Stimmt!! die Nähe von Vogeleiern,Puten ,Gänsen und Schwulen und Lesben liegt doch auf der Hand.Perfekt geformt die einen,die Anderen eher in der Wesensart vergleichbar,und alle doch zerbrechlich.Ich hab mir ja in meinem Leben (1958) ja schon eine Menge Schrott über Krankheiten in Verbindung zur Homosexualität anhören dürfen,aber das ist ja wohl Realsatire.Klasse allerbeste,wenns nicht wieder mal uns 2-3 Stufen niederer setzten möchte.
    Leben und Leben lassen.Nur wie weit soll meine Aktzeptanz gegenüber solchen Menschen gehen ? Backe und Auge ?
    Nein meine Herren,ums mit der alten Discokugel zu sagen

    „enough is enough“

    Die Zeit ist überreif denen mal eins ordentlich aufs Mützchen zu geben.Diesmal nicht mit kleinen Wattekugeln
    Ich wünsche mir den Euro Pride 2008 im Vatikan,da gibts wenigstens eine 100% Beteiligung,und die schillernden Kostüme erst !!

  9. Religiöse Fanatiker 8. November 2008 um 04:31 #

    Nun welche Religion es auch sei die religiöse fanatiker würden die Schwulen lieber zu Sadom und Gomerra schicken als akzeptieren. Für Tolerans muss man kämpfen. Von nichts kommt nichts. Unwissenheit und Dummheit muss man überall bekämpfen. Ob in Israil in Vatikan oder in Mekka. Wenn solche Menschen den Schwulen behandelt haben wollen wie Vogelgrippe und sie können das auch noch so frei äussern dann denke ich wir Schwulen sollten es auch ausdrücken dürfen dass wir sie als Geisteskrankheit behandelt haben wollen.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Bitte nicht den Rabbi karikieren, er könnte Jude sein: Über Antisemitismus « Begrenzte Wissenschaft - 1. Februar 2008

    […] Ablehnung orthodox-jüdischer Bibelauslegung. Solche, die zum Beispiel gerade in Israel Diskriminierungsgesetze gegen Schwule erlassen […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: