Oral verdorben

24 Feb

Evangelikale Christen verfügen nicht nur über ein merkwürdiges Demokratieverständnis, auch ihre logischen Fähigkeiten scheinen andersbefähigt. Nicht dass ich den Damen und Herren eine gewisse Form von Intelligenz absprechen möchte, im Gegenteil, zumindest ihre Führungspersönlichkeiten müssen reichlich darüber verfügen – wie sonst käme man z. B. auf die Frage, ob bibeltreuen Christen Sex von hinten erlaubt ist. Was sich die einzig wahren Kenner von Gottes Willen allerdings jetzt im Zusammenhang der Diskussion um das in Bremen geplante missionarische Jugendfestival erlaubt haben, lässt sich aufgrund seiner eigenwilligen Argumentation an Dummheit Frechheit kaum noch überbieten.

Unter Bezug auf eine Große Anfrage der Grünen liest man auf idea.de, dem selbst ernannten christlichen Nachrichtenportal:

In der Großen Anfrage zur Religions- und Glaubensfreiheit betonen Beck und die Grünen-Fraktion völlig zu recht, dass die Veränderung der religiösen Orientierung ein elementares Menschenrecht sei: „Zur Religions- und Glaubensfreiheit gehört die Möglichkeit, seinen Glauben frei und ohne Zwang wechseln zu können.“ Da stellt sich die Frage, warum aus „grüner“ Sicht zwar der Wechsel der Religion als ein Menschenrecht anerkannt wird, aber nicht der Wechsel einer sexuellen Orientierung.

Die Antwort ist ganz einfach und auch Evangelikalen bestens bekannt: Weil alle seriösen Fachleute sagen, dass ein bewusster Wechsel der sexuellen Orientierung nicht möglich ist – seine sexuelle Orientierung sucht man sich im Gegensatz zu seinem Glauben nicht aus.

Genauer gesagt: Warum soll es einerseits in Ordnung sein, dass – wie zum Beispiel auf Evangelischen Kirchentagen – für einen homosexuellen Lebensstil geworben wird,

Immer noch: Wie wirbt man eigentlich für einen homosexuellen Lebensstil? Gibt es diesen einen homosexuellen Lebensstil überhaupt, ich meine, außerhalb evangelikaler und sonstiger schwulenfeindlicher Propagandaschriften? Wie sieht andererseits ein heterosexueller Lebensstil aus? Gibt es wenigstens diesen einen heterosexuellen Lebensstil?

andererseits aber verwerflich, dass ein Homosexueller heterosexuell werden will und er dabei Unterstützung in Anspruch nimmt?

Natürlich ist es nicht verwerflich, wenn ein Homosexueller heterosexuell werden will. Angesichts weiterhin existierender Diskriminierungen, nicht zuletzt von evangelikaler Seite – „Zielverfehlung“ ist noch eine der harmloseren Beschreibungen, mit denen Schwule und Lesben von christlichen Fundamentalisten belästigt werden-, ist das durchaus nachvollziehbar. Verwerflich ist lediglich die Behauptung, zumal im Namen eines Gottes der Nächstenliebe, diese Umpolung sei möglich – entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen und selbst den Erfahrungen mit den eigenen „seelsorgerlich-therapeutischen“ Angeboten. Unterstützung bei einer Umpolung kann es daher nicht geben. Entweder unterstützt man jemand dabei, seine homosexuelle Orientierung zu akzeptieren oder man treibt ihn immer weiter in die Verzweiflung, bis hin zu psychischer Erkrankung und Suizid.

Böse Zungen könnten behaupten, dass Becks Haltung an die muslimischer Fundamentalisten erinnere: Er unterstellt, dass es – ohne seelischen Schaden – keine Abkehr von der Homosexualität geben kann, sie bestehen darauf, dass ein Muslim niemals – ungestraft – vom Glauben abfallen darf.

Böse Zungen. Besser als sie selbst kann auch ein Außenstehender die moralische Verkommenheit dieser „Christen“ nicht beschreiben. Das ist wahrlich eine „Logik“, an die man glauben muss, damit sie stimmt: Die Gleichsetzung einer wissenschaftlichen Erkenntnis mit einem religiösen Glaubenssatz ihrer Geschwister im menschenverachtenden Geiste. Aufgrund dieses sorgsam gepflegten Obskurantismus halten wir die christlichen Hassprediger für fast genauso gefährlich wie ihre moslemischen Pendants. Festhalten muss man allerdings, dass zur Zeit niemand auch nur annähernd soviel Respekt vor Evangelikalen fordert wie es gegenüber Vertretern der Religion des Friedens üblich ist.

2 Antworten zu “Oral verdorben”

  1. kamenin 24. Februar 2008 um 18:35 #

    …zumal im Namen eines Gottes der Nächstenliebe…

    Der evangelikale Gott ist kein Gott der Nächstenliebe. Das ist ein Missverständnis, dass von evangelikaler Seite gerne auch gestreut wird; aber im Grunde ist das einzige Zeichen von Nächstenliebe des evangelikal gedachten Gottes nur, dass er uns nicht per se alle ins ewige Feuer wirft.

    Dass einzige Kriterium für’s Weiterleben ist im Grunde, rechtzeitig die richtige Zauberformel gesagt zu haben, um dann als „Wiedergeborener“ ins Paradies zu kommen. Das Jüngste Gericht ist in der Vorstellung aber nicht abhängig von Gnade oder moralisch einwandfreiem Leben, sondern eher eine recht bürokratische metaphysische Selektionsrampe.

  2. Rabenzahl 24. Februar 2008 um 18:37 #

    Oh nein, es gibt nur EINEN wahren GLAUBEN und den KANN man sich nicht aussuchen, es ist der EINE Glaube für ALLE – der Rest ist Sünde, Verirrung, Satanismus!

    Glaubt mir, das Lied kenn ich inzwischen auswendig *seufz*

    Sehr schön finde ich das Gleichnis vom Fisch und vom Vogel auf dieser Seite:
    http://violetsun.wordpress.com/2008/02/22/christianity-and-the-homosexual-agenda/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: