Neues aus Sodom

27 Feb

In einem lesenswerten Text über Evangelikale auf dem Blog „Begrenzte Wissenschaft“ hat Blogger Kamenin eine Sammlung von Comics fundamentalistischer Machart verlinkt, welche die bereits von uns aufgegriffenen evangelikalen Comicgeschichten für Jugendliche an Volksverdummung noch weit übertreffen: die aus den USA stammenden sogenannten Chick Gospel Tracts. Blogger Kamenin schreibt darüber:

Und weil Deutschland genauso Ziel dieser Missionierung ist, gibt’s das Ganze sogar in deutscher Übersetzung. Zum Beispiel die Chick Gospel Tracts, seit 1970 in die Welt gesetzte evangelikale Comics; eigenen Angaben nach wurden 500 Millionen Exemplare verkauft. Die meisten Comic-Traktate sind aber auch frei im Netz zu lesen, schließlich geht’s weniger um den Profit als um die Verbreitung der Botschaft. Man könnte diesbezüglich von der hässlichen Fratze des protestantischen Fundamentalismus reden — wenn der denn auch eine weniger abstoßende Seite hätte. […]

Da gibt’s den jungen, fast schon homoerotisch gutaussehend gezeichneten Studenten, der seinem dicklichen, schwitzenden Biologie-Lehrer in fünf Minuten erklärt, warum Evolution nicht stimmen kann (”Dein Papi?“) — drei alberne Argumente (der Neandertaler war in Wirklichkeit ein Gicht-kranker Franzose…), der Lehrer ist bekehrt und der schnieke Jungevangelikale ist endlich mal der Held und nicht der Depp, für den er im wirklichen Leben gehalten wird. Genauso funktioniert die Bekehrung von Schwulen: ein kurzes Stoßgebet an den Heiligen Geist, schon lässt sich am Rande einer Demo der bestaussehendste Homosexuelle von der Sündhaftigkeit seines Tuns überzeugen; dazu bedarf es nur der subtilen (aber durchaus graphisch dargestellten) Ermahnung, was Gott damals mit Sodom gemacht hat.

Die grafische Darstellung des Comics hat es wirklich in sich. Mit äußerster Liebe zum Detail veranschaulicht der Zeichner seinem Leser dort alternde in Schweiß gebadete Schwuchteln die jeden vergewaltigen, der ihnen in die Finger kommt, seien es nun Frauen, Engel oder Kinder. Ja, so war das damals in Sodom. Man kann Kamenin nur zustimmen wenn er meint:

Die Seite ist weitgehend pornographisch, in dem Sinne, dass sich ein feuchter Traum des Jungevangelikalen an den nächsten reiht.

Kamenin macht in dem Zusammenhang auch darauf aufmerksam, dass der von Evangelikalen immer wieder ins Feld geführte Ruf nach „Moral“ und „Werten“ nichts als Fassade ist, was an einem Beispiel aus der Comicgeschichte um Sodom besonders deutlich wird:

Sogar das göttlich sanktionierte Angebot des rechtschaffenen Lot, seine jungfräulichen Töchter dem lüsternen Mob auszuliefern, wird nicht ausgelassen. Das ist wenigstens erfrischend ehrlich: es geht halt nicht um ein moralisches Leben oder Werte, es geht darum, dem menschenschlachtenden Gott (der uns wirklich liebt) nicht zuwider zu handeln.

Aber was redet man lange um den heißen Brei herum. Evangelikale Moral in Aktion muss man gesehen haben. Sonst glaubt man das nicht.

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