Unser Kämpfchen

30 Mrz

Götz Alys „Unser Kampf“ beschreibt die totalitären und antiindividualistischen Tendenzen der 68er, die sich weniger von ihren nationalsozialistischen Eltern unterschieden als sie dachten. Über ihre Entwicklung nach dem Zerfall der Bewegung in den 70er Jahren ist bei Aly zu lesen:

Die einen aßen nur noch Müsli, andere wandelten sich zu Berufsrevolutionären, wieder andere suchten in einer Mittwochsgruppe nach dem G-Punkt, entdeckten ihre homosexuelle Bestimmung, … (S.9)

Natürlich „entdeckte“ nicht jeder, der sich der neuen Schwulenbewegung anschloß, seine „homosexuelle Bestimmung“, doch auf jene, die das männliche Arschloch als Zielobjekt revolutionärer Politik entdeckten, trifft die Polemik ganz sicher zu.

Alys These, dass

sich in den Staaten, die den Zweiten Weltkrieg als Aggressoren begonnen hatten – den einstigen Achsenmächten Deutschland, Italien und Japan – rasch besonders unversöhnliche, gewalttätige und ungewöhnlich dauerhafte Formen des jungakademischen Protests [entwickelten] (S.1011),

belegt er u.a. mit einem Zitat des SDS-Funktionärs und Homohelden Reimut Reiche.

Er setzte der „im wesentlichen unpolitisch verlaufenden Rebellion in Berkeley (USA)“ die deutsche, „in weit höherem Maße politisch“ agierende Revolution entgegen. (S.215)

„In weit höherem Maße politisch“ als ihre allzu homophil verorteten Parteigenossen fühlte sich vielleicht auch Antje Vollmer, die sich auf ihre Zeit bei den Grünen bekanntlich bei der maoistischen KPD vorbereitet hatte, als sie sich 2004 im Berliner Tagesspiegel ablehnend gegenüber den Forderungen nach einem Adoptionsrecht für homosexuelle Paare äußerte. Unter der Frage „Gleiches Recht für gleich viel Liebe?“ begründete sie ihren Wunsch nach Aufrechterhaltung der Sonderbehandlung gegenüber Lesben und Schwulen so:

Kinder wollen einen Vater und eine Mutter – das gilt übrigens besonders bei Kindern, die ihre eigene Homosexualität entdecken.

Die grüne Fachfrau für die Bedürfnisse von homosexuellen Kindern kennt sich aber auch in der Psyche von längst erwachsenen Homos aus. Diesen nämlich geht es mittlerweile nicht mehr schlecht genug, als dass es ihnen gegenüber noch politischen Handlungsbedarf gebe:

Es fehlt der alltägliche Leidensdruck für diese Gesetzgebung.

Etwa wie damals als man die Schwulen noch verfolgte? Die offene Gesellschaft hatte sich nämlich trotz der mao-grünen Antje längst für eine weitgehende Liberalisierung gegenüber Lesben und Schwulen entschieden. Der 68er-Sprech, wonach sich die sexuelle „Verirrung“ der Schwulen nach der Revolution sowieso erledigt haben würde, war offenkundig bei seinen Adressaten auf wenig fruchtbaren Boden gefallen.

Auch wenn Frau Vollmer einen anderen Eindruck zu erwecken versucht: Den 68ern fehlt nach Aly jedes Bewußtsein für die „Vorzüge sozialer Differenz“ und ebenso die Erkenntnis, dass „Einigkeit auch dumm [macht]“ (S.18). Zugleich kritisiert er das „ständische Kuschelbedürfnis“ der Demonstranten, damals wie heute:

Nach dem Block der Lehrergewerkschaft kommt der Schwulenblock, dann folgen, die Reihen fest geschlossen, die Ärzte gegen den Atomtod, die Roten Krankenschwestern, die Hausbesetzer, der Zentralrat zur Befreiung der Frau, die Grau-Grünen Panther e.V., die linksalternative Stadtteilgruppe des Sowienoch-Kiezes (S.46)

usw. usf. So ist die einzige Form, in der sich in linken Bewegungen Individualität äußern darf, die der Zugehörigkeit zu einer – weitgehend – selbst ausgesuchten Gruppe, in deren Rahmen man sich dann dem Straßenkampfverbund eingliedert.

Ganz wichtig für die 68er war die Idealisierung des Körpers, dessen Bedürfnisse einfach gut waren, weshalb sie – so stellvertretend Dutschke – nicht verdrängt werden sollten,

in welcher Form auch immer sie auftreten (S.48).

Wie man von dieser Forderung zu der nach richtigen schwulen Männern gelangt, die ihre Nützlichkeit für die (revolutionäre) Gesellschaft doch noch beweisen, zeigt wieder Reimut Reiche:

Freud konnte die „starken Individuen“ unter denjenigen, die von der gesellschaftlichen Norm abwichen, als „energische selbständige Männer der Tat oder originelle Denker, kühne Befreier und Reformer“ herausstellen. (S.50)

Umgekehrt war es unter den 68ern beliebt, dem politischen Gegner – oder wen man gerade dazu erklärt hatte -, Impotenz vorzuwerfen:

Auf der Straße seid ihr Bullen, doch im Bett da seid ihr Nullen. (S.56)

lautete eine der Latrinenparolen, mit denen die Herren Revolutionäre sich ihrer eigenen Potenz versichern wollten.

Klar widersprechen muss ich Aly, wenn er behauptet, es sei

unredlich, die angeblichen oder tatsächlichen emanzipatorischen Effekte des Protests – Demokratisierung, Frauenpower, Schwulenspaß, ökologisches Bewußtsein und überhaupt alles Gute und Schöne (S.58)

von der in der Bewegung verbreiteten Gewalt abzutrennen. Zunächst einmal wäre zu fragen, welcher der von ihm aufgezählten Effekte denn nur angeblich emanzipatorisch sein sollte. Greifen wir uns den hier aufgrund der Blogthematik naheliegendsten heraus: Was wäre denn „unemanzipatorisch“ daran, dass jetzt auch Schwule ihren Spaß haben dürfen, ohne dafür von der Justiz behelligt zu werden? Wäre die These insgesamt richtig, spräche sie übrigens erheblich gegen die von Aly heute zu Recht erkannte Veränderbarkeit der Gesellschaft von 68.

Natürlich lag, bspw. was die Sexualmoral anging, 68 noch einiges im Argen in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Interessant ist, mit welchen Worten sich die Revolutionäre für eine Veränderung derselben einsetzten. So forderte das

SDS-inspirierte Aktionszentrum unabhängiger und sozialistischer Schüler (AUS) […] in aller Breite Aufklärung über den Geschlechtsverkehr einschließlich aller Perversionen (S.64)

womit zweifelsohne nicht zuletzt die homosexuelle gemeint war. Schon 1967 übrigens wurde die Forderung erstmals umgesetzt. Da nämlich

erließ das Bundesland Hessen Richtlinien zur Sexualaufklärung an den Schulen. […] Sie sahen vor, das „heikle Problem der sexuellen Perversionen“ in den Unterricht einzubeziehen. (S.66)

Erschrecken darüber machte sich nicht zuletzt bei der Gewerkschaft breit:

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft betrachtete die Aufklärung von Volksschulabgängern über die Tatsache der Homosexualität als „glatte Verführung“. (S.66)

Doch nicht nur seitens der organisierten Arbeiterschaft stand der Schwule damals unter Verdacht. Der Führungsriege der protestierenden Studenten galten umstandslos alle als Faschisten, die sich

dem revolutionären Gedankengut versperrten oder gar dagegen angingen. (S.92)

Auch Reimut Reiches Kampfgenosse Martin Dannecker dekreditierte unmißverständlich, wie der gewöhnliche Homosexuelle zu sein hätte, um von ihm und seinesgleichen Anerkennung erwarten zu können. Was er ihm nicht zugestand, war

spießig und kitschig leben wie der Durchschnittsbürger,

was er ihm vorwarf, war

politische Passivität und ihr konservatives Verhalten,

damit war schließlich keine Revolution zu machen.

Bemerkenswert ist schließlich, wie das Mittel der sexuellen Denunziation – von Libertären wie Linken bis heute gerne verwendet – auch von 68ern implementiert wurde:

Nach dem Bericht des Verfassungsschutzes vom 6. November 1968 schlug Horst Mahler während einer Sitzung am 1. Oktober 1968 in Berlin vor, ein „Syndikat“ zu bilden. Er verstand darunter einen SDS-internen Nachrichtendienst, der „Belastungsmaterial gegen amtierende Richter sowie interessant erscheinende Einzelheiten aus deren Intimsphäre zusammentragen“ sollte. Die im November folgende SDS-Delegierten-Konferenz nahm den Mahler-Vorschlag auf. Sie beschloss „die Bildung von ‚Recherchiergruppen‘ zur ‚Durchleuchtung‘ des Privatlebens und der Vergangenheit von Richtern und Staatsanwälten“. Was konnte die intime Schnüffelei anderes heißen als Sexualerpressung in den damals noch gängigen Formen? (S.123)

Soviel zum Thema Freiheitsliebe der 68er. Aber wer einen wie Horst Mahler zu seinen Protagonisten zählen durfte, bereut wahrscheinlich heute noch, dass man damals nicht dazu kam, einen revolutionären Volksgerichtshof einzurichten.

Kennzeichnend für die 68er war auch ihre geringe Frustrationstoleranz gegenüber allem Uneindeutigen. Es gab nur Gut und Böse, Revolution oder Tod. Doch manchmal zeigten sich auch sie überraschend differenzierungsfähig und verständnisvoll. So zum Beispiel Ulrike Meinhof als Zeugin der Verteidigung im Prozess gegen Horst Mahler im Dezember 1972:

Der Antisemitismus war seinem Wesen nach antikapitalistisch. […] Ohne dass wir das deutsche Volk vom Faschismus freisprechen – denn die Leute haben ja wirklich nicht gewusst, was in den Konzentrationslagern vorging -, können wir es nicht für unseren revolutionären Kampf mobilisieren. (S.158)

Gegen wen sich dieser revolutionäre Kampf richtete, das hatte ein historischer Vorgänger Meinhofs schon früher auf den revolutionären Punkt gebracht:

Wir hassen den Spießer. Sein geliebtestes Wort ist „Ruhe und Ordnung“. Wenn er eine Festrede hält, wird er patriotisch und schwenkt begeistert seinen Bierkrug. Im Übrigen ist er für „friedliche Entwicklung“ und angenehmen Dauerschlaf auf der Ofenbank. Er trägt – körperlich wie seelisch – Filzpantoffeln. […] Während der Revolution sitzt er im Keller seines Hauses, ist sie vorüber, steht er auf dem Boden der Tatsachen. (S. 171/72)

Dieses Zitat von Baldur von Schirach, dem Reichsführer des NS-Studentenbundes irritiert ebenso wie das Folgende aus dem Jahre 1933 durch eine Rhetorik, die sich in nichts von den Phrasen der 68er unterschied. Man propagierte das

wieder loskommen von der Verherrlichung und Verpäppelung des Individuums,

das nicht erreichbar sei durch

eine nur politische Revolution,

statt dessen forderten die NS-Studenten

eine gesellschaftliche und kulturelle Revolution (S.173).

Goebbels schließlich gab als Ziel einen Zustand aus,

in dem es „eine Lust ist zu leben“ (S.179).

Eine Lust am Leben hätte sicherlich auch der eine oder andere schwule Sozialist in der befreiten Gesellschaft verspürt, in der die Erotisierung des Analen Programm für alle geworden wäre. Ich bin froh, dass auch diese totalitäre Phantasie nie Realität wurde – wie manch anderer revolutionäre Traum der 68er. So blieb uns die schwule Version des Mahlerschen Nachrichtendienstes erspart, in der man(n) Tag für Tag bespitzelt worden wäre, ob man auch heute schon genug an Nachbars Arsch geschnüffelt hätte.

9 Antworten to “Unser Kämpfchen”

  1. Albert 31. März 2008 um 17:08 #

    Ein paar Kommentare

    Deine Interpretation ist natürlich stimmig, und die Haltung revolutionärer Kräfte zu Subjekten, die sie als sich zugehörig betrachten(diskriminierte Minderheiten zB) ist natürlich lächerlich(ihr MÜSST doch unserer Meinung sein!! Aber wenn nicht DANN…!!!!).

    Aber: wir leben in einer anderen Gesellschaftlichen Phase, oder? Es gibt da Modelle, zB: Bürokratie, Revoultion, Translation(Entfaltung), Bürokratie…, auf jedenfall sind wir nicht in einer Revolutionären Phase(höchstens ich).
    Wie rechtfertigst du also die Übertragung des heutigen Kontextes
    auf damals?

    Und(achtung Kontrovers) die ereignisse vor 39 vom Ende her zu interpretieren ist vielleicht nicht immer sinnvoll

    ???Übrigens, ist das, was Meinhoff gesagt
    hat, nicht genauso motiviert wie der Versuch von Broder und anderen, das deutsche National, pardon, Patria-Gefühl wieder aufflammen zu lassen aufgrund einer Agenda(abgesehen vom Inhalt), auf eine Art und weise(Broder/mathussek&friends), die auch sehr viel unangenehmes in Kauf nimmt? Und trotz der offensiven proSchwulen haltung, wenn die deutsche Gesellschaft morgen geschlossen auftitt, gute Nacht.

    Meinst du, der du dich mit dem Minderheitenspez. Literatur sicher besser auskennst(war nie so meins), nicht, dass man eine besser differenzierende Sicht auf die Geschichte entwerfen kann, die zB den 68 gutes und schlechtes Zuordnen kann, ohne ideologisch zu werden? Dieser Kampf um die TOTALE Deutungshoheit führt doch zu nichts und instrumentalisiert die Geschichte ideolgisch.

    Und spießer(konkret(o.formal)-operationale/conformistische/soziozentriker) sind trotzdem für´n Arsch, sie sollten sich nichts drauf einbilden, das sie und ihre Privat-Freiheit(s-Freunde) für Geistig-Arme zur ZEIT die Oberhand haben, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen…..Es geht immer weiter

    sag doch mal konkret wie du Alys thesen bewertest(hast du das Buch gelesen?)

  2. Damien 31. März 2008 um 17:24 #

    Hallo Albert,
    wo übertrage ich denn den heutigen Kontext auf damals?
    Was Meinhof und Broder miteinander verbinden soll, verstehe ich nicht.
    Klar sollte man 68 differenziert betrachten. Aly schüttet das Kind auch nicht mit dem Bade aus, er sieht schon, dass damals Veränderungsbedarf existiert hat. Seine These, dass die Veränderung eher durch den Staat kam als durch die 68er, finde ich spannend.
    Deinen vorletzten Absatz, den über Spießer, verstehe ich nicht.
    Alys Buch habe ich gelesen. Mir gefällt, wie er die Selbstverständlichkeit des Gutseins der 68er hinterfragt. Das meiste, was er schreibt, finde ich überzeugend.

  3. Thommen 31. März 2008 um 23:48 #

    Ich denke, dass fast alle „Revolutionen“ hinterher kritisiert werden. Allerdings finde ich schon, dass an „68“ sehr viel weniger Menschen totgeschlagen wurden wie an den vorangehenden…
    Und wer jetzt alles von Heteros und Schwulen als „Schwule“ verdächtigt, oder denunziert werden, ist wieder mal bezeichnend!
    Das „revolutionäre“ an der Homosexualität ist, dass sie ALLEN (hier Männern) zusteht! Die Frage heute hat sich verschärft: Sollen wir mit der Homosexualität umgehen, wie die Heterosexuellen mit ihrer Sexualität?
    Dazu mein Essay über 5500 Jahre Männerliebe auf meinem Blog!
    (http://www.arcados.com/?page_id=15)

  4. Adrian 1. April 2008 um 00:07 #

    Und das “revolutionäre” an der Heterosexualität ist, dass sie ebenfalls ALLEN zusteht!

    Das verstehe ich nicht.

  5. Damien 1. April 2008 um 08:29 #

    Hi Thommen!
    Du hast Recht, dass um 68 wenig Menschen totgeschlagen wurden, wenn Du nur nach Deutschland und Frankreich schaust. Wenn Du aber zum Beispiel nach China schaust, immerhin eines der Lieblingsgesellschaftsmodelle der 68er, wird Dir schlecht. Die ZEIT schreibt in einer Rezension:
    »Mao Tse-tung war verantwortlich für über 70 Millionen Tote in Friedenszeiten.« (…) Aber nach diesem Biografie scheint klar zu sein: Mao war ein Tyrann und Massenmörder, der an seiner Brutalität und Menschenverachtung, an selbst angeordneten Exekutionen auch noch Spaß hatte.
    http://www.zeit.de/2005/47/P-Mao

  6. Damien 1. April 2008 um 09:29 #

    Dass 68 weniger Menschen totgeschlagen wurden als bei anderen Revolutionen, lag vielleicht auch daran, dass die 68er-Revolution eben nicht erfolgreich war, jedenfalls was ihre radikaleren Ziele anging.

  7. Albert 1. April 2008 um 17:23 #

    Ich glaub bald nerv ich, aber das Thema regt mich auf:
    Wo du den Kontext überträgst? Es ist stinknormal, aus taktischen Gründen in revolutionären Zeit auch gruppen propagandistisch auf seine Seite zu ziehen, zum Beispiel das gemeine Volk, und das tut man dann halt mittels Populismus. Das mag falsch sein, aber die Situation damals mußte auf sowas hinauslaufen, die Literatur, die sowas diffamierte(Antitotalitäre zB) entstand ja erst danach, also in Anbtracht eben dieser Umstände, und jetzt sind wir alle SOOO schlau. Käse!!!

    Veränderung kam nicht durch den staat, sondern wie immer: durch die(Achtung ihr schmalspur-philosophen) Kreative reibung der Gesellschaftlichen Gruppen, die hier initiert wurde durch das auftauchen dieses neuen Elements und aus diesem Prozess ging nicht die Alte Mitte gestärkt, sondern eine NEUE Mitte hervor!!

    Deine Idee, die hiesigen 68 nicht getrennt von mao und Co zu sehen ist sehr interessant, muß ich nochmal reflektieren.

    ABer: aus meiner Perspektive findet ein Kampf statt, und zwar der Versuch, alle den Status Quo jemals in frage gestellt habenden Strömungen der Geschichte zu Amalgamieren(68=33, Links=SED, Antisemitismus als gemeinsame Wurzel aller nicht-liberalen haltungen), inbtellektuell sehr reizvoll, aber viele(Ökonomie/Polit) versuchen das zu instrumentalisieren, und deswegen pass ich da genau auf.

  8. Damien 2. April 2008 um 08:49 #

    Hi Albert,
    antitotalitäre Literatur entstand nicht erst nach 68 (und auch nicht erst nach 45). Es gab vorher genug und es gab ja auch während des NS genug mahnende Stimmen. Man hätte ihnen nur zuhören müssen, wenn man gewollt hätte.
    Aly sagt, die Behauptung der 68er, der Staat sei präfaschistisch gewesen, sei Unsinn, vielmehr sei die Gesellschaft es gewesen. Die Demokratisierung, die statt dessen dann um sich griff, die wurde durch Politiker ausgelöst, nicht durch die Revolutionäre von 68, so Aly. Wenn man sich die Quellen genau anschaut, die er präsentiert, spricht vieles dafür, dass er Recht hat. Eben das ist ja das Innovative an seinem Buch, dass er Quellen jenseits der üblichen Selbstbeweihräucherung aufgetan hat. Von daher geht es Aly sicher nicht darum, die Veränderung damals zu denunzieren, sondern mit Legenden über die Akteure dieser aufzuräumen.
    Das klingt für mich nicht nach einer Front in dem von Dir beschriebenen Kampf.

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  1. Diskurs über 1968 Anno 2008 « Raumzeit - 31. März 2008

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