Dumm gelaufen, Christival!

29 Apr

Die Organisatoren des Christivals scheinen durch den wachsenden Gegenwind akut verwirrt, zumindest wenn man das hier liest:

Hallo liebe Geschwister,

ich melde mich in dieser Woche noch mal mit der dringenden Bitte um (Gebets-)Unterstützung für das Christival!

Die Anfeindungen für das Christival in Bremen sind massiv. Jeden Tag kommen neue Meldungen. Hier ein paar Einblicke:

  • Es hat sich ein „No Christival“-Bündnis gebildet, in dem u.a. neben den Homosexuellen-Verbänden auch die Walpurgisnacht-Bewegung eingestiegen ist. (30.April ist Walpurgisnacht)
  • In Bremen wird generell Stimmung gegen das Christival gemacht.
  • Für Mittwoch (30.4.) und für Freitag (2.5.) sind „Anti-Christival-Demos“ in Bremen angemeldet.
  • Die Schwulen- und Lesbenverbände haben Stände auf dem Marktplatz in Bremen für die Zeit des Christivals angemeldet. Dort findet das Evangelistische Festival statt und im Bremer Dom ist der „Jesus-Weg“ aufgebaut, der eine missionarische Möglichkeit ist, da dort viele Touristen und Bremer ein uns aus gehen.
  • In einigen Schulen wird durch Schülervertretungen der Hauptschulen vor dem Christival gewarnt.
  • Das Straßenbahn-Festival wurde auf 2 Sonderstraßenbahnen reduziert, weil die „Atheisten- und Freidenkervereinigung Bremens“ zu einem Straßenbahnboykott aufgerufen hatte. Es gingen zwei Senatsanfragen an die BSAG (Bremer Straßenbahn AG) ein, warum sie Missionierung fördern. Daraufhin musste das Christival einen Vertrag unterschreiben, in dem von der BSAG vorgegeben wurde, dass wir nichts in dem normalen Linienverkehr machen. Nur in den Sonderbahnen.
    1.) Wir dürfen keine Vortrags- oder Diskussionsveranstaltung in den Straßenbahnen durchführen.
    2.) Wir müssen alle Künstler, Inhalte und Ziele des Straßenbahn-Festivals nennen.
    3.) Wir müssen den derzeitigen Text der Homepage (alle Bahnen, Evangelium in die Stadt, etc) ändern.
  • Ansonsten hätten wir auch dieses Festival absagen müssen (Das Multi-Media-Festival mussten wir schon absagen, weil uns die Räumlichkeiten gekündigt wurden und es keine adäquaten Ausweichmöglichkeiten für uns gab)
  • Roland Werner hat in der letzten Woche Interviews bei der taz und IDEA gegeben. Jetzt wurde er vom Spiegel für ein Interview angefragt.

Nur zur Orientierung: Roland Werner ist der 1. Vorsitzende des Festivals. Wieso werden von ihm gewährte Interviews als Anfeindung gewertet? Egal, jetzt wird gebetet:

Ich bitte alle meine Leser, für unser Land zu beten. GOTT liebt Deutschland! Er will Seine Kirche hier erneuern und für die ganze Welt wieder zum Segen einsetzen. Spätestens jetzt müsste es aber jedem wieder bewusst werden, dass wir kein “christliches Abendland” mehr sind. Wir sind Missionsland (mit ca. 2,3% evangelikalen Christen) und die Gemeinde Jesu ist schon längst an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden.

Tja, so ist das in der Leistungsgesellschaft. Wer sich zum Nabel der Welt erklärt, sollte auch die richtigen Zahlen aufweisen können. Erfolg ist kein Name Gottes hat Dorothee Sölle mal gesagt. Aber die habt Ihr vom Christival ja für den Untergang des Abendlands gehalten, nicht zuletzt weil sie die Judenmission nach Auschwitz nicht mehr ganz passend fand. Das habt Ihr anders gesehen und wolltet sie alle kriegen, die Juden, für Jesus, bis heute. Für Euch also ist Erfolg sehr wohl ein Name Gottes. Und da habt Ihr jetzt eindeutig verschissen mit 2,3 %. Wir Homos dagegen werden bei bis zu 10 % gehandelt und das, wenn man Euch glauben darf, ganz ohne göttlichen Beistand.

12 Antworten to “Dumm gelaufen, Christival!”

  1. ex-blond 30. April 2008 um 16:58 #

    Also das ist ja wirklich superkrass. Ich glaube, die Evangelikalen sind doch eine satanistische Sekte. Anders ist der Aufruhr nicht zu erklären.

    Käme Achmadinejad nach Deutschland und hielte in Bremen einen öffentlichen Auftritt mit Rede, wäre die Aufruhr nur ein Bruchteil so groß. Na ja, ein paar pro-Israel-Leute und ein paar „rechte Christen“ (etwa auch Evangelikale?) würden sich wahrscheinlich als trauriges Demo-Häuflein finden und vergeblich („Kriegstreiber“) gegen den freundlichen Empfang durch den Bremer Bürgermeister demonstrieren.

  2. Damien 30. April 2008 um 17:39 #

    @ex-blond: Ich glaube, wir sind die Letzten, denen man mangelnde Aufmerksamkeit für Ahmadidingsda vorwerfen kann. Ist schon lustig: Bisher hat man uns vorgeworfen, wir hätten was gegen den Islam und würden das Christentum schonen. Jetzt zur Abwechslung mal so was wie das Gegenteil. Fehlt nur noch: Uns beides auf einmal vorzuwerfen.
    Auf der Demo gegen Ahmadi wäre GayWest sicher vertreten und würde mit Bauchschmerzen neben den Kameraden von der Partei Bibeltreuer Christen stehen, die der Welt sonst verkünden, Schwule hätten nach Gottes Willen den Tod verdient.
    Das evangelikale Engagement für Israel freut mich, auch wenn mich die Motivation befremdet: Einsatz für Israel, weil es Gottes auserwähltes Volk ist (als wenn Antisemitismus anderenfalls ok wäre) und der Wunsch, noch ein paar Adressaten für die Judenmission zu behalten – die macht nämlich keinen Sinn mehr, wenn die Juden alle tot sind.

  3. Damien 30. April 2008 um 17:56 #

    @ex-blond: Oops, grade merke ich, dass Du mit Aufruhr vielleicht gar nicht uns gemeint hast, sondern die Situation in Bremen, wie sie oben von den Christival-Organisatoren beklagt zitiert wird. Für diesen Fall gebe ich zu bedenken, dass die Aufzählung, wenn man genauer hinschaut, weniger hergibt als es zuerst den Anschein hat:
    Punkt 1 und Punkt 3 sind wohl identisch. Denn wer, wenn nicht das Bündnis, veranstaltet die Demos?
    Punkt 2 ist albern.
    Punkt 7 ist möglicherweise die Kündigung durch das Zentrum, wo sonst schwul-lesbische Parties statt finden. Ich glaube, der Laden heißt Schlachthof, ging auch mal kurz durch die Presse. Die hatten dem Christival den Mietvertrag gekündigt, nachdem sie kapiert hatten, mit wem sie es zu tun haben. Um Deinen Vergleich aufzugreifen: Die evangelische Kirche würde einem Satanisten-Verein doch auch den Mietvertrag kündigen, oder? In etwa das dürfte die politische Nähe von Christival und Veranstaltern von schwul-lesbischen Parties beschreiben.
    Punkt 8 ist, siehe oben, gar kein Beleg für Aufruhr, sondern Christival-PR.
    So richtig viel von einem Aufruhr bleibt also – leider, wie ich finde – gar nicht übrig.

  4. ex-blond 30. April 2008 um 17:59 #

    „Oops, grade merke ich, dass Du mit Aufruhr vielleicht gar nicht uns gemeint hast“

    so isses und ich wollte Dir das gerade antworten da sehe ich oops Deine zweite Antwort … ;-D

  5. ex-blond 30. April 2008 um 21:04 #

    @ Damien

    da fällt mir noch was ein … ich bin da theologisch keine Experten, aber ist es nicht so, dass sich gläubige Juden selbst für das – in irgendeiner theologisch näher zu definierenden Art – auserwählte Volk halten, weil das so in der Bibel steht? Warum ist es dann verwerflich, wenn Evangelikale diese Sicht teilen?
    Was genau unterscheidet so gesehen einen (z.B.) amerikanischen, pro-israelischen Juden von einem amerikanischen, pro-israelischen Evangelikalen?

    Allerdings gebe ich zu, dass ich die Sicht, dafür andere Völker, die ebenfalls bedroht werden, links liegen zu lassen, auch nicht teile. Ich bezweifle aber, dass es das ist, was israelfreundliche Evangelikale tun. Und israelfreundliche Juden.

    Zum Thema Missionierung habe ich mal einen Artikel geschrieben: hier. Ann Couler ist allerdings meines Wissens nach keine Evangelikale. Was die evangelikale Vorstellungen diesbzgl. sind, weiß ich nicht genauer.

  6. Damien 30. April 2008 um 21:11 #

    @ex-blond: Ich halte es nicht für verwerflich, wenn Evangelikale Juden für das auserwählte Volk halten. Problematisch finde ich es, wenn das der Hauptgrund dafür ist, sich gegen Antisemitismus zu äußern bzw. wenn es der Grund dafür ist, Judenmission mit besonderem Nachdruck zu betreiben (weil die Evangelikalen sich quasi als den verlängerten Arm Gottes verstehen- das klingt dann letztlich eher so, als würden sich Evangelikale selbst für die Auserwählten halten).

  7. christival 1. Mai 2008 um 00:48 #

    kommt liber zum christival nach bremen !!!!!!

  8. christival 1. Mai 2008 um 00:51 #

    christen haben es ao an sich zu beten und sind wohl kaum verwirrt wenn sie zum verstärktem beten aufrufen…

    SUPER GELAUFEN; FÜR CHRISTIVAL!

  9. Damien 1. Mai 2008 um 11:22 #

    Liebes christival: Verwirrt habe ich Euch genannt, weil Ihr Interviews, die Euer 1. Vorsitzender gegeben hat, als Beleg für die Ablehnung wertet, die Euch entgegen schlägt. Das klingt schon ziemlich verwirrt, oder?

  10. alex 1. Mai 2008 um 13:41 #

    http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/35235/1182874/polizei_bremen

    auch wenn diese christivalen nerven, das ergebnis der hetzerei gegen die veranstaltung (siehe link) kann letzten endes auch fuer gaywest nicht akzeptabel sein, oder?

  11. Damien 1. Mai 2008 um 14:03 #

    @ alex: Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung lehne ich als Demokrat selbstverständlich ab, ebenso wie die psychische Gewalt, die von Evangelikalen gegenüber Schwulen und Lesben ausgeübt wird.

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  1. Christival in Bremen oder wenn Piet-Kongs zu sehr lieben « Raumzeit - 2. Mai 2008

    […] wissenschaftlichen und gesellschaftlich akzeptierten Anstrich zu verpassen. Das hat Volker Beck und Damien auf die Palme gebracht.Sie kritisieren dezidiert die Veranstaltung,die den Homos Krankheitswert qua […]

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