Christen-Offensive für Juden-Heilung

6 Mai

Die Christivalitis breitet sich offenbar immer weiter aus. So gibt es neue Begründungen seitens der „Offensive Junger Christen“, der für das abgesagte Seminar verantwortlich zeichnenden Evangelikalen-Gruppe, wie das mit der Homo-Heilung so funktioniert:

Die Ärztin Christl Vonholdt, zweite Vorsitzende des Trägervereins, erklärte zudem, dass Homosexualität nicht angeboren sei. Sie könnte therapiert werden, indem an „biografischen Verletzungen und an in der Kindheit erlebtem Bildungsmangel“ angesetzt werde.

So, so, Bildungsmangel. Von dem scheint Vonholdt jedenfalls nicht befallen, denn sie ist immerhin darüber informiert, dass nicht nur Schwule endlich gesund werden wollen, nein, auch andere gesellschaftliche Gruppen wollen endlich das Heil des Herrn erlangen. Deshalb gibt sich Vonholdt nicht länger nur mit Schwulen ab:

Die „ergebnisoffene Begleitung“ der OJC würde nicht nur von Schwulen und Lesben in Anspruch genommen, sondern auch von Juden und vereinzelt von Muslimen, so Vonholdt.

Jetzt will man bei den offensiven jungen Christen also auch noch Juden „therapieren“. Das ist doch mal eine wirklich originelle Variante der Fortsetzung des Holocausts mit anderen Mitteln, die symbolische Auslöschung der letzten Überlebenden mittels Konversion. Das Ganze dann auch noch – wie praktisch -auf eigenen Wunsch.

By the way: Was passiert eigentlich mit schwulen Juden? Werden die doppelt HEIL?

8 Antworten zu “Christen-Offensive für Juden-Heilung”

  1. schmitt 7. Mai 2008 um 08:50 #

    Jetzt wissen wir auch, warum die ihre Ferienfreizeiten LAGER nennen!

  2. Bernd Dahlenburg 8. Mai 2008 um 03:35 #

    Es geht doch hier eigentlich nicht um „Therapie“ von Homosexuellen, und auch nicht um „Lager“, wie „Schmitt“ es nennt.

    Das liest sich so, als wären Homosexuelle krank.

    Ich weiß, dass er es ironisch meint, aber lasst mich einmal einen Gedanken fortspinnen….

    ————–
    Oben Genanntes führt am eigentlichen Thema vorbei.

    Der SPIEGEL hat vor etwa 15 Jahren (weiß ich nicht mehr so genau) einen Artikel gebracht und breit diskutiert, der sich mit der „genetischen“ Herkunft oder angeborenen Homosexualität befasste.

    Die These, Homosexualität könnte angeboren sein, wurde damals sehr kritisch und eingehend betrachtet, und zwar deshalb, weil man (m.E. richtig) argumentierte, wenn Homosexualität angeboren wäre, dann bedeutete das ein neues Einfallstor für die Rechtfertigung eugenischer Behandlung, wie es sie schon einmal gab; für manche „Forscher“ aber im Nachhinein sogar eine Rechtferigungsklausel für den „Rosa Winkel“.

    Und das sollte man nicht unterschätzen.

    So abwegig finde ich die SPIEGEL-Theorie nicht, weil sich Homosexuelle durch die vorgegebene „Maxime“, Homosexualität wäre angeboren, in eine neue künftige Gefahrensituation begeben würden, wenn die Rechten das „Kommando“ übernähmen und diese „Genetik“-These für ein neues Eutanasieprogramm scharf machen und irgendwann zünden würden. Ein Rundblick in einschlägige Blogs wie PI und andere rechtsradikale Blogs reicht….

    ——————–

    Ein kleiner persönlicher Erfahrungsbericht, der meine These von der sozialisierten (enkulturalisierten) Homosexualität stützt:

    Ich wuchs von Geburt an in den 50er/60er-Jahren im Waisenhaus auf – wie manche Gleichaltrigen in den ersten 10 Jahren nach dem Kriegsende auch..; Jungen und Mädchen waren immer streng voneinander getrennt.

    Wir empfanden das auch nicht als so besonders tragisch – bis wir in die Pubertät kamen. Da gab es natürlich immer auch wieder „Erfahrungsaustausch“ zwischen uns Jungen (wer hat den längeren etc.), was eigentlich normal ist. Aber danach stellen sich halt die Weichen, wie man so sagt…

    Damals wurde aber in den Waisenhäusern (man nannte sie dann euphemisierend „Kinderheime“) die Tradition eingeführt, an Feiertagen – und später immer öfter an Wochenenden – Gastfamilien (bei uns auch amerikanische Soldaten ohne Familienanschluss) einzuladen, die uns – und meine Freunde im Waisenhaus – besuchten und so mehr oder weniger intensive Kontakte aufbauten. Das ging so weit, dass die Gastfamilien uns jederzeit zu irgendwelchen Aktivitäten abholen konnten, die ich damals nicht so recht durchschaute.

    Interessierte mich auch nicht….; ich hatte meinen amerikanischen Captain aus Kalifornien mit einer gut funktionierenden Familie, der mich adoptieren wollte (was damals gesetzlich leider nicht möglich war), und einen Cadillac, der automatische Fensterheber besaß…und offensichtlich kein Interesse daran hatte, ein Waisenkind zu vernaschen.

    Und jetzt möchte ich zu dem Punkt kommen, der viele Heimkinder psychisch und physisch zerstört hat (auch einen meiner Brüder): Die beispiellose sexuelle Brutalität von „Paten“ – so genannte regelmäßige Besucher im „Kinderheim“, die sogar von der Stadt die Genehmigung erhielten, Kinder auf persönliche „Freizeiten“ wie „Bergsteigen“, „Wandern“ usw. mitzunehmen, was die Kinder in ihrer Naivität natürlich gerne annahmen, weil sie dadurch aus dem Alltagstrott des Waisenhauses heraus kommen konnten. Und die Erzieher begrüßten natürlich die Entlastung….; verständlich, bei dem Druck, den sie hatten.

    Es gestaltete sich ein perverses Wechselspiel zwischen Diakonie (im Fall meines Brudes u.a. sicher unwissentlich, was die Diakonie betrifft; und sehr leichtgläubig) und den Tätern, all diese Vorkommnisse unter der Decke zu halten. Wie das in den katholischen Waisenhäusern damals war, weiß ich nicht; aber viel anders dürfte es nicht abgelaufen sein.

    Was ich damit sagen will: Homosexualität ist – meiner Beobachtung nach – keine genetische Angelegenheit, sondern ein Verführungsthema.

    All'(!) diese Kinder, mit denen ich über eineinhalb Jahrzehnte hinweg aufwuchs, die später homosexuelle Neigungen auslebten, waren verführt worden – wie einer meiner Brüder auch, der heute diese Phase durch Reflexion verarbeitet hat.

    Das Schlimmste an der Sache sind Verlogenheit und Verdrängung: Die Verlogenheit der Päderasten-Täter, weil sie Kinderseelen zerstörten und die Verdrängung der (heute erwachsenen) Kinder, weil sie bis heute noch ihre Probleme mit sich herum schleppen und ihnen niemand zuhört.

    Homosexualität ist nicht angeboren.

    Dabei bleibe ich. Auch wenn ich jetzt angefeindet werden sollte.

    Ich habe damit jetzt aber keine Stellungnahme zu homosexuellen Menschen per se abgegeben, sondern nur dazu, wie Homosexualität meiner Meinung nach (auch) entstehen kann. Genetik schließe ich auf jeden Fall wegen o.g. Gründe aus.

    Ich kann mir darüber hinaus höchstens vorstellen, das Homosexualität im Laufe des Lebens (nach der kognitiven Phase, also im 14. Lebensalter) durch Beziehungen hergestellt werden kann. Vielleicht auch während der Ehe…oder durch Einsamkeit. Aber auch das ist ist nicht gewollt.

    Homosexualität via Genom ist für mich unvorstellbar.

    Da muss man mir erst den Gegenbeweis antreten.

    Und wenn das so wäre, würde den Nazis Tür und Tor geöffnet – siehe meine Eingangsbemerkung oben.

  3. Adrian 8. Mai 2008 um 09:35 #

    @ Bernd Dahlenburg

    Zu sagen, Homosexualität können nicht qua Biologie angeboren sein, weil die gesellschaftliche Folge eine neue Eugenik sein könnte, ist kein Argument. Es wäre ja auch vollkommen absurd zu argumentieren, rote Haare können nicht angeboren sein, weil irgendwer ansonsten auf die Idee kommen könnte, Menschen mit roten Haaren, schon vor der Geburt, eugenisch zu selektieren.

    Wie soll ich Deine altbackene These der Homosexualität als Folge von Missbrauch entkräften, wenn Du Dich schon im Vorfeld damit absicherst, die Homos würden diese Erlebnisse ihrer Kindheit verdrängen?

    Was Du Dir an Ursachen vorstellen bzw. nicht vorstellen kannst spielt keine Rolle. Die Realität nimmt darauf keine Rücksicht.

  4. Damien 8. Mai 2008 um 09:44 #

    @ Bernd Dahlenburg: Nicht sehr überzeugend Deine These. Wenn Homosexualität genetische Ursachen hätte, wäre das ein Einfallstor für die Nazis, deshalb kann (?, wohl besser: darf) es nicht so sein. Die Realität hält sich aber nicht an unsere Spekulationen. Wenn es genetisch bedingt wäre, dann wäre es eben so. Punkt. Aufgabe einer Gesellschaft wäre es dann, dafür zu sorgen, dass dieses Wissen nicht missbraucht wird.
    Evangelikale, um zum Thema des Beitrags zurück zu kommen, gehen davon aus, dass H. nicht genetisch bedingt ist, was sie jedoch nicht davon abhält, sie verändern zu wollen (obwohl das, wie bekannt, nicht geht).
    Es ist also eigentlich egal, ob H. nun angeboren ist oder nicht, es wird immer Menschen geben, die sie wegmachen wollen. Und die sind das Problem. Weil sie ein falsches Problem aufmachen: Denn warum sollte Verführung zur Homosexualität eigentlich schlecht sein? Selbst wenn das möglich wäre, so what? Wenn Homosexualität gleichwertig ist zur Heterosexualität, ist es doch egal, wieviel Homos und Heteros es gibt. Oder?

  5. Damien 8. Mai 2008 um 10:19 #

    @ Bernd Dahlenburg: Wäre es eigentlich für Sie auch ein Problem, wenn Homosexuelle zur Heterosexualität verführt würden? Die Gefahr müßte doch viel größer sein angesichts der zahlreichen Fälle von (heterosexuellem) Missbrauch.

  6. ex-blond 8. Mai 2008 um 11:32 #

    „Die “ergebnisoffene Begleitung” der OJC würde nicht nur von Schwulen und Lesben in Anspruch genommen, sondern auch von Juden und vereinzelt von Muslimen, so Vonholdt.“
    Jetzt will man bei den offensiven jungen Christen also auch noch Juden “therapieren”. „

    Hmm… mein Gefühl sagt mir, dass hier etwas ganz arg aus dem Zusammenhang gerissen wurde … könntest Du da mal eine Original-Quelle angeben, wo das Vonholdt-Zitat im vollen Zusammenhang zu finden ist?

  7. Albert 8. Mai 2008 um 15:07 #

    @ Dahlenburg

    Sorry, aber ich muß auch nochmal zulangen:

    Noch ein Denkfehler: Du:

    Genetik schließe ich auf jeden Fall wegen o.g. Gründe aus.

    Nicht nur darf es(nach dir) nicht Gen. bedingt sein, weil sonst KZ(was für ein Vertrauen in die menschen!) sondern du projezierst diese Erlebnisse auf alle:
    nicht böse sein, aber das ist schon viel eher grundsätzlich Faschismus verdächtig und würde doch dann wieder die Therapie Fraktion anlocken.
    (Therapie? Eugenik? Euthanasie? Die Qual der Wahl….)

    Ich denk mirs sehr einfach:

    Natürlich gibt es verschiedene Homos. Ich weiß nicht, was die „Richtigen“ ausmacht, ich vermute gene, und dann gibt es noch ein paar andere Gründe für Homosexuelle Handlungsweisen.

    Aber von meinem idealistischen Standpunkt ausgesehen, ist die Möglichkeit zur Homos. ein Beweis für die Freiheit und damit großartigkeit des Menschen, genauso wie Begriffe a la“ Problem“ oder „Krankheit“ Ideologische Interpretationen sind.

    Ein Definition von geschichtlich Bedingter Homosexualität GEGEN genetische wäre eine kranke definition, weil sie Versucht, den Begriff der Krankheit in den Diskurs- um die Ecke herum- einzuschleusen, klammheimlich wird einem Teil der Homos Gesundheit zugestanden, damit man zumindest einen Teil als gestört darstellen darf

    Nochmal anders: wenn ich durch mißbrauch homosex. „geworden bin“ oder Probleme habe und geistig regressiere, zu einer Infantilen Art von Erotik, angst vor der Frau oder sowas,
    sonst aber im Prinzip Gesund bin, dann hab ich im Prinzip ja keine „Krankheit“, sondern geschichtlich bedingte Präferenzen.

    Wo ist das Problem?

    Außerdem muß weltweit definitiv mehr ungeouteten Schwulen in Diktaturen als „schwulgemachten“ ; ) Heten in Demokratien geholfen werden

  8. Damien 8. Mai 2008 um 21:00 #

    @ ex-blond: Gerne: http://www.kath.net/detail.php?id=19754

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