Gruppensex, Oralverkehr, Analverkehr

17 Mai

Radikalfeministinnen, die mit einem männlichen Nachnamen gesegnet sind, sind wahrlich nicht zu beneiden. Verena Stefan, Schriftstellerin, war vielleicht deshalb früher einmal der Ansicht, heterosexuelle Beziehungen seien grundsätzlich zum Nachteil der Frau. Oder wie kommt man sonst auf solch eine krude Theorie? „Häutungen“ hieß das Machwerk, das 1975 entstand. Jetzt hat die taz bei Stefan nachgefragt, was von dem damaligen Bekenntnis übrig ist. Konfrontiert mit ihrer früheren Aussage

Liebe ist eine tausendfache verwechslung von begehrtsein und vergewaltigt werden.

meint Stefan heute:

Sie sehen ja, welchen Zwängen junge Mädchen heute ausgesetzt sind, was Attraktivität oder Sexualpraktiken betrifft. Das ist angereichert und verschärft durch Videos, Internet, Pornografie. Sie haben die Machtstrukturen auf ungeahnte Weise verfestigt.

Die taz widerspricht:

„Ich gebe mir mühe, alles richtig zu bewegen, bis er einen orgasmus hat“, haben Sie geschrieben. Die Selbstauskünfte von jungen Frauen heute sind andere. Auch Sexualforscher sehen einen fundamentalen Wandel – hin zu einer konsensualen Sexualität.

Doch Stefan insistiert:

An dem Punkt würde ich ganz genau wissen wollen, was „konsensual“ heißt, wer Lust und Befriedigung definiert und wie. Die Jüngeren, die Schülerinnen, sind doch Zwängen ausgesetzt. In Montreal wurde vor zwei Jahren eine Studie veröffentlicht, in der gängige Sexualpraktiken der Vierzehn- bis Achtzehnjährigen untersucht wurden, Gruppensex, Oralverkehr und Analverkehr mit mehreren Jungs, alles ohne Schutz. Darauf kamen viele Leserinnenbriefe von Schülerinnen, die schrieben: Endlich sagt es mal jemand.

Da nun würde ich ganz genau wissen wollen, wie repräsentativ diese Studie ist und wie viele Leserinnenbriefe damals tatsächlich kamen. Gruppensex, Oralverkehr, Analverkehr, ungeschütztgängige Sexualpraktiken? Sorry, aber das klingt für mich nach einer Räuberpistole.

Die taz, offenbar weit entfernt von unkritischer feministischer Solidarität, hakt erneut nach:

Das ist aber doch auch ein Problem der Pubertät. Extreme Polarisierungen, blöde Geschlechterrollen. Da wächst man doch heraus, oder?

Und die Stefan? Hat im Grunde genommen keine Ahnung, hört aber trotzdem nicht auf, zu agitieren:

Das kann ich nicht beurteilen. Ich habe den Eindruck, die Jugendlichen geraten eher stärker in etwas hinein. Oft wird das Ganze ja gleich noch gefilmt und übers Internet vertrieben, so wie es inzwischen üblich ist, dass Jugendliche sich Gruppenvergewaltigungen per Handy zuschicken.

Üblich! Ob sie das echt glaubt? Wie finster muss die Welt sein, in der so jemand lebt? So finster jedenfalls, dass die Frau nicht mal weiß, was sie eigentlich will. Auf die Frage der taz:

Das heißt, Sie sind keine Differenzfeministin, die die Weiblichkeit an sich aufwerten möchte?

antwortet die Differenzfeministin:

Richtig.

um das gleich im Anschluß auf die Frage der taz

Und was ist denn nun das Ziel der Feminismus, wenn es nicht die Aufwertung von Weiblichkeit ist? Gleichheit?

wieder zu dementieren:

Nein, eben gerade nicht, wenn Gleichheit an männlich, weiß, hetero gemessen wird.

Meine Güte, ist Feminismus anstrengend! Und es wird noch besser! Feministinnen vom Schlag Stefans wollen nämlich deshalb keine Männer sein, weil Männer irgendwie zurück geblieben sind, zitiert zumindest die taz einen weiteren literarischen Höhepunkt aus „Häutungen“:

„Ich möchte mit keines mannes verkümmerung gleichberechtigt sein“,

was Stefan offenbar erstmals an ihre Grenzen bringt. Wenigstens reagiert sie mit einem gereizten

Wenn wir jetzt diskutieren wollen, wie die heterosexuelle Struktur beseitigt werden könnte, sitzen wir morgen früh noch hier.

um dann jedoch einen Pflock einzuschlagen, mit dem an dieser Stelle wohl keiner gerechnet hatte:

Aber eines ist klar: Der Gedanke „Wenn alles schiefgeht, kann eine Frau heiraten“ ist pures Gift, mentales Gift. Dieser Gedanke schwächt: Man bekommt Anerkennung dafür, dass man sich in einen goldenen Käfig setzt.

Die taz versucht tapfer, Frau Stefan mit der Realität zu konfrontieren:

Na ja, aber heute sagen 85 Prozent der jungen Frauen, etwa in der neuen Brigitte-Studie, sie wollen finanziell unabhängig sein. Da hat sich doch einiges verändert.

Doch die Stefan bleibt renitent:

Ich habe gerade gehört, wie schlecht die Situation von Frauen in Deutschland und Österreich im EU-Vergleich aussieht, was gleiche Bezahlung, Vollbeschäftigung und Positionen im höheren Management angeht.

Was zwar im Hinblick auf die wirtschaftliche Situation von Frauen offensichtlich für die anderen EU-Länder spricht und vielleicht gegen Deutschland und Österreich, aber wenn das als Argument eines Feminismus auf der Höhe der Zeit taugen soll, dann haben die Damen heutzutage offenbar alle ernst zu nehmenden Forderungen längst erreicht. Wenn man sich anschaut, was zur Zeit sonst als moderner Feminismus gehandelt wird, dann wird einem ja sowieso einfach nur schlecht.

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