Sexismus: Grün und schwul

16 Jun

Als schwuler Grüner hat man es nicht leicht, seit sich auch in der CDU/CSU Schwule zunehmend selbstbewußt zu Wort melden und damit der grüne Alleinvertretungsanspruch für Homo-Politik endgültig den Bach runter ist.

“Konservativ sein heißt nicht, die Asche zu behüten, sondern die Flamme zu bewahren.“

ist einer der Sprüche, mit der die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) um die Mitgliedschaft in ihrer Vereinigung werben. Warum die Werbung hierfür einen Mann mit nacktem Oberkörper benötigt, hat sich mir bei schwulen politischen Gruppierungen noch nie erschlossen. Und eben daran stört sich auch ein grüner Schwuler namens „Apfelmaik“:

Und offensichtlich heisst konservativ sein, dass man seine Mitgliedsanträge mit Fotos versieht, die von sich selbst hassenden und zu Triebaufschub neigenden Schwuletten, mit einem Hang zum Masochismus als Wichsvorlage verwendet werden könnten.

Wobei ich nicht verstehe, was daran besonders schlimm sein soll, wenn die LSU dasselbe macht, wie irgendeine andere x-beliebige Homo-Organisation. Natürlich könnte man den Kollegen von der LSU vorwerfen, dass konservative Schwule es doch eigentlich nicht nötig haben müssten, sich über die Darstellung ihres bevorzugten Sexualobjekts zu definieren, sondern über ihre politischen Inhalte. Aber das scheint ja nicht des Grünen Problem zu sein. Wie kommt der Mann eigentlich darauf, dass konservative Schwule zu Selbsthass und Triebaufschub neigen? Oder ist sein eigentliches Problem ein ganz anderes: Hätte er gar selbst gerne die Wichsvorlage genutzt, was nun durch die für ihn falsche politische Botschaft darauf verunmöglicht wurde? Dafür spricht seine demonstrierte Intoleranz, wenn es um Männer geht, die seinen Männlichkeits- und Herrenmenschenvorstellungen optischen Kriterien offenbar ganz und gar nicht genügen:

Allerdings frage ich mich, ob ein 150 kg-Typ, der sich in durchsichtige Dessous schmeisst und sich wie eine Bahnhofsnutte schminkt wirklich glaubt, dass er in dem Aufzug vor allem Geilheit provoziert.

Grüne Schwule, falls dieses Exemplar repräsentativ ist, scheinen sich überhaupt auszuzeichnen durch eine fast schon obsessive Fixierung auf die Äußerlichkeiten der von ihnen kritisierten Personen. So fällt dem Apfelmaik zu Iris Robinsons schwulenfeindlichen Tiraden nicht nur ein, die Frau sei ein Miststück, nein, da muss schon ein Kommentar über das Hinterteil der Politikergattin her:

Der würd ich den dürren Arsch verklagen.

Auch Alice Schwarzer bekommt im wahrsten Sinne des Wortes ihr Fett weg. Statt sich auf die notwendige politische Kritik an den zum Teil reaktionären Positionen Schwarzers zu beschränken, kann es sich der Apfelmaik nicht verkneifen, auch hier eine Bemerkung zum Aussehen der Vorzeigefeministin zu machen:

Das kastrierte Homo-Mahnmal ist auf jeden Fall nichts weiter als ein großer fetter Haufen Belanglosigkeit geworden. Es freut mich ja insgeheim, dass man über Alice Schwarzer das selbe sagen kann.

Der Link führt übrigens zu einem Text der Süddeutschen, in dem sich kein derartiger Sexismus findet.

Andererseits scheint es vielleicht auch einfach zuviel verlangt, dass jemand in der Lage sein sollte, den Unterschied zwischen Antifeminismus und Sexismus zu begreifen, wenn er schon bei derartigen Differenzierungsversuchen eindrucksvoll baden geht:

Sicherlich stehen nicht alle Minderheiten auf der selben Seite.

Wie jetzt? Die einen links, die anderen rechts? Oder eher oben – unten? Oder wie rum hätten Sie es gerne?

Wenn es mal ganz grob betrachtet, stehen die Schwulen auf der Seite der Gewinner der sozialen Spaltung und Menschen, die zu oft wegen ihres Migrationshintergrunds schon in der Schule gegen Vorurteile ankämpfen mussten, finden sich zu oft auf der Verliererseite wieder.

Und deshalb ist es doch klar, dass die einen nach Steuersenkungen rufen und die anderen denen dafür die Fresse polieren – auf dass sie wenigstens einmal auf der Gewinnerseite stehen. Nur die Schwulen haben dafür wieder mal kein Herz, voll neoliberal, ey:

Dafür haben natürlich die neubürgerlichen Schwuppen kein Verständnis. Und aus Verständnislosigkeit wird nun mal schnell Verachtung und Hass.

Weswegen wir regelmäßig von Angriffen auf Migranten hören, durchgeführt von aggressiven Homos mit Niedrigsteuersätzen. Oder war das doch ein wenig anders? Zum Schluss kommt noch ein mutiges Bekenntnis vom Apfelmaik:

Ich bin selbst schwul.

Obwohl man sich das ja noch mal überlegen kann:

Wenn sich allerdings immer mehr Schwule von Neospießern zu Neorassisten entwickeln, stehe ich definitiv nicht auf der Seite dieser Minderheit.

Denn bevor ich mich von Jugendlichen mit Migrationshintergrund Antirassisten zu Brei schlagen lasse, werde ich lieber hetero oder behalte mein Bekenntnis in Zukunft lieber für mich. Muss ja nicht jeder gleich wissen, dass ich schwul bin.

Wie war das noch mit sich selbst hassenden und zu Triebaufschub neigenden Schwuletten, mit einem Hang zum Masochismus?

3 Antworten zu “Sexismus: Grün und schwul”

  1. Jörn Christian Meyer 18. Juni 2008 um 09:10 #

    Sehr hübsch, über diesen Beitrag hatte ich mich auch ein wenig geärgert.

  2. Michael Köhler 18. August 2008 um 23:06 #

    Vielen Dank, dass jemand diesen Erguss von Maik, der mir ebenfalls übel aufgestoßen ist, auseinandergenommen hat. Auf welcher Seite dieser Mensch auch immer stehen mag – auf der Seite der Intelligenz bedauerlicherweise nicht…

Trackbacks/Pingbacks

  1. Die warmen Arme der Reaktion « Maik`s geblogge - 22. Juni 2008

    […] durfte ich erfahren, dass ich ein zu Angstheterosexualität neigender Sexist mit Herrenmenschenvorstellungen bin, der nicht damit klarkommt, dass wir Grüne den Alleinvertretungsanspruch für Schwule und […]

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