Antifa heißt Promiskuität

25 Jun

Monogamie ist ein Konzept, um eine Partnerschaft zu definieren. Die einen schätzen sie, andere lehnen sie ab. Heteros wissen das. Bei Schwulen soll das anders sein. Erzählen uns regelmäßig Reaktionäre jeglicher Herkunft. Und manchmal auch Schwule, die der Ansicht sind, Promiskuität sei die sexuelle Pflicht jedes Menschen, zumal des homosexuellen. Wer das anders sieht, ist ein Lügner. So jedenfalls würde ich eine Diskussion auf den Punkt bringen, die sich ursprünglich entzündet hatte, weil ein Berliner Schwulenprojekt sexsuchende Schwule im dortigen Tiergarten zu mehr Rücksicht u. a. auf die Umwelt aufgerufen hatte. Und das geht nun gar nicht. Diesen Aufruf empfanden einige Homosexuelle offenbar als einen tolldreisten Anschlag auf das Selbstverständnis jedes aufrechten schwulen Mannes im Jahre 2008. Schließlich haben auch wir einen Auftrag:

Der Mann ist, wie alle anderen männlichen Lebewesen in der Natur, nun mal dazu bestimmt, seine Gene so weit wie möglich zu streuen. Davon bin ich jedenfalls überzeugt. In der Natur sind nun mal die Arten, die wirklich lebenslang zusammen bleiben, eher selten zu finden. Bei den meisten Arten überwiegt die Promiskuität. Ficken mit so vielen wie nur geht.

Wobei man diese komischen Spießer trotz allem respektieren sollte, irgendwie:

Wenn DU in deiner angeblich monogamen (lach) Beziehung glücklich bist ist das ja wunderschön.

Obwohl andererseits, wer Monogamie propagiert, eigentlich längst Auschwitz meint, denn es sollte jedem bewußt sein, dass, wer seinen Müll in einen Papierkorb entsorgt, ein Faschist ist und kein aufrechter Widerständler:

die neo-germanische schwule „reinlichkeit“, in neoliberalen zeiten, wird noch ganze rabatten
von sumpfblüten hervorbringen.

Wobei sich ein wenig auf Normalität zu berufen, sicher auch nicht schadet:

Treue IST definitiv nicht normal! Was glaubst du, warum (mehr als) 50 Prozent aller Hetero-Ehen geschieden werden. Mindestens 30 Prozent der restlichen 50 in den Puff gehen oder mit der Sekretärin vögeln und die restlichen 20 Prozent beim Psycho-Doc enden, weil sie sich ihr Leben lang aus „Moralgründen“ was verkneifen!

Und überhaupt: Monogamie ist Faschismus! Antifa heißt Promiskuität!

WO steht denn eigentlich, dass man monogam sein muss?? Hab noch nie gehört, dass es gazu ein Gesetz gibt. Das ist nicht mehr als ein scheiss gesellschaftliches (kirchliches) Dogma um die Menschen zu knechten!

Deshalb heraus aus den Ehebetten und Lebenspartnerschaftsknästen, reisst die Mauern ein! Der Kampf geht weiter bis zur völligen Enthemmung!

Doch halt, gab es da nicht mal einen schwulen König von Deutschland, dessen „Komm, schlaf bei mir“ nicht nur die schwule Linke gerne hörte? Oh weh! Rio Reiser, ein Agent der Monogamisten, deren Ziel, die endgültige Knechtung der Schwulen durch lebenslange Treue. Von wegen Speerspitze der Revolution! Was für ein Filou!

4 Antworten zu “Antifa heißt Promiskuität”

  1. t 25. Juni 2008 um 19:08 #

    „Der Mann ist, wie alle anderen männlichen Lebewesen in der Natur, nun mal dazu bestimmt, seine Gene so weit wie möglich zu streuen“.

    Klar doch, das gilt insbesondere für den schwulen Mann… .

  2. Adrian 25. Juni 2008 um 19:12 #

    Ja, ich hab mich auch schon gefragt wie man als Schwuler das macht 🙂

  3. Jörn 25. Juni 2008 um 23:58 #

    Also das Argument mit den Genen ist ja mal wieder voll für’n Arsch *kicher*

    Aber mal ganz ehrlich: einige Menschen kapieren einfach nicht, dass es sowas wie Rücksichtnahme gibt und man nicht unbedingt auf dem Spielplatz vögelt.

  4. Mar 26. Juni 2008 um 09:58 #

    Naja, Rio Reiser würde ich dann bei dieser Argumentationskette vielleicht doch lieber außen vor lassen- schließlich hat er wirklich schöne Liebeslieder gemacht, und ein Besuch im Rio Reiser-Haus kann ich an dieser Stelle nur wärmstens empfehlen 😉

    Tja, ansonsten wie so oft- von extrem-links kommt mal wieder die Forderung „alle müssen promisk sein“- und wer da nicht mitmachen will, soll auch nicht dazugehören.

    Im Übrigen halte ich es als Mediziner für recht fragwürdig, immer die Sexualität des Menschen mit Vergleichen aus dem Tierreich zu befeuern. Das würde man für andere Lebensbereiche sicherlich auch nicht tun. Sonst müsste man ja auch alle Menschen mit Lungenentzündung sterben lassen, „weil die Natur das ja so macht“. Wie bescheuert so ein Denken doch ist.

    Außerdem sehe ich schwules Leben gerade nicht nur auf Sex beschränkt- sondern auch darin, Verantwortung für meinen Freund zu übernehmen. Ich möchte auch bei ihm bleiben, wenn er einen Unfall hat oder krank wird, und wenn Sex einfach nicht mehr das Wichtigste im Leben ist.

    Aber vielleicht ist das ja reaktionär?

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