Nachhilfe zum Verständnis von Umfragen, die Akzeptanz von Schwulen betreffend, unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen Ausgangsposition von Bewohnern der westlichen Zivilisation und der Barbarei

29 Jun

Eine Umfrage unter 35.000 US-Bürgern ergab:

Die Hälfte aller Befragten will, dass Schwule in der Gesellschaft volle Anerkennung finden, 40 Prozent sind dagegen.

Wobei aus dem Artikel nicht eindeutig hervor geht, ob lediglich gläubige US-Amerikaner befragt wurden. Folgender Satz jedenfalls würde diese Vermutung nahelegen:

Religiöse Toleranz ist einer Studie zufolge in den USA weit verbreitet. 70 Prozent der gläubigen US-Amerikaner seien der Ansicht, nicht nur ihre eigene, sondern viele Religionen führten „zum ewigen Leben“, berichtete das Meinungsforschungsinstitut Pew Forum in Washington.

Wer auch immer da befragt wurde, für den gemeinen Antiamerikaner ist das Ergebnis mit Sicherheit ein weiterer Beleg für die Rückständigkeit der Amis. Anders hingegen sieht es aus, wenn im Rahmen einer repräsentativen Umfrage Einwohner der Karibikinsel Jamaika befragt werden:

Mehr als zwei Drittel der Jamaikaner sprechen sich dagegen aus, dass Schwule und Lesben jegliche Bürgerrechte zugesprochen werden.

Wohlgemerkt: Während es in den USA um die Frage nach der „vollen Anerkennung“ ging, also bspw. die Möglichkeit für Homosexuelle, zu heiraten und Kinder zu adoptieren, ist in der Umfrage unter den Jamaikanern die Rede von „jeglichen Bürgerrechten“, die von der entsprechend großen Mehrheit für Schwule abgelehnt werden. Das ist dann wohl die Folge einer Politik, die für

Homosexualität bis zu zehn Jahre Haft mit Zwangsarbeit

vorsieht. Zuvor hatte Premierminister Bruce Golding

Homosexualität als „ausländischen Wert“ bezeichnet, der seinem Land nicht aufgezwungen werden dürfe.

Kein Wunder, dass daraufhin fast die Hälfte der Befragten angab,

sie würden Golding wegen dieser Aussage „mit größerer Wahrscheinlichkeit“ wählen.

Goldings Partei, die Jamaica Labour Party, verwendete im Wahlkampf 2001 übrigens das Lied Chi Chi Man, das die Verbrennung und Ermordung von Schwulen propagiert.

Und wie hat man als kritischer westlicher Mitbürger die Umfrageergebnisse aus Jamaika zu verstehen? Genau: antiwestlich. Schließlich sind die Briten schuld, weil die früher mal dort regiert haben:

Ja so ist das auf anglokaribischen Inseln, die in ihrer gesellschaftlichen Rückständigkeit an alte britische Traditonen anknüpfen.

Deswegen gibt es für die Schwulenmörder auf Jamaika auch ganz viel Mitgefühl, schließlich müssen sie ihren Ärger über den längst vergangenen Kolonialismus ja an irgendwem auslassen. Und was soll überhaupt die Beschwerde über Schwule, die auf Jamaika zu Tode gehetzt werden, während in Deutschland nicht einmal jede EU-Antidiskriminierungsrichtlinie umgesetzt ist? Wäre ja noch schöner, wenn uns interessieren würde, wie es Schwulen im Rest der Welt geht, geradezu Menschenrechts-Imperialismus:

Und wieviel Prozent der DEUTSCHEN Parlamentarier verteidigen seit Jahren mit ganzer Kraft die staatliche und gesellschaftliche Diskriminierung von Homosexuellen? Wieviel Prozent der DEUTSCHEN Abgeordneten in Bundestag und Landtagen sorgen dafür, dass das Thema der sexuellen Vielfalt aus Erziehung und Bildung weiterhin konsequent ausgegrenzt, dass es keine effektiven Diversity- und Antidiskriminierungspolitiken in den Schulen gibt?

Und wieviel Prozent der DEUTSCHEN Bevölkerung sehen dieser Perpetuierung der Homo-Diskriminierung mindestens stillschweigend mit durchaus nicht geringer Genugtuung zu?

Für wieviel Prozent der DEUTSCHEN Jugendlichen ist „schwul“ ein Schimpfwort, mit dem man alles bezeichnet, wovon man sich in aller Deutlichkeit abzugrenzen hat?

Wieviel Prozent der DEUTSCHEN Jugendlichen haben (in Folge heteronormativer Dauer-Gehirnwäsche und mindestens unterschwelliger Homophobie) ein Problem damit, zwei sich küssende Jungs oder Männer zu sehen (von denen die meisten dieses auf Grund ihres Minderwertigkeitskomplexes ja ohnehin nicht in der Öffentlichkeit tun)?

Wenn es auch in letzter Zeit zunehmend opportun zu werden scheint, in Sachen Menschen- und Bürgerrechten immer nur mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen, sollten wir uns doch in allererster Linie mit den skandalösen Zuständen in diesem Lande beschäftigen.

Doch dazu hört man sowohl von den selbsternannten Homo-Repräsentanten im Verbandswesen und in der Politik als auch in den (Homo-) Medien herzlich wenig.

Schließlich wollen wir endlich stolz sein, Deutsche zu sein und nicht, pfui, Weltbürger!

2 Antworten zu “Nachhilfe zum Verständnis von Umfragen, die Akzeptanz von Schwulen betreffend, unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen Ausgangsposition von Bewohnern der westlichen Zivilisation und der Barbarei”

  1. Fred 29. Juni 2008 um 21:15 #

    apropo antiamerikanismus und antizionismus, wäre ja nicht schlecht wenn sich einige mal auf der queer.de seite anmelden würden um den rotfaschisten etwas paroli zu bieten

  2. Klaus F. 30. Juni 2008 um 11:03 #

    „70 Prozent der gläubigen US-Amerikaner seien der Ansicht, nicht nur ihre eigene, sondern viele Religionen führten “zum ewigen Leben“.“

    Ein ziemlicher Hammer für z.B. alle Buddhisten, die mithilfe ihrer Religion dem ewigen leben möglichst zu entkommen suchen. Diese Umfrage belegt nicht religiöse Toleranz, sondern kulturelle Ignoranz, übrigens schon des Umfrageinstitutes.

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