Kann denn Liebe Sünde sein?

22 Jul

Es wird Zeit, dass ich mich an dieser Stelle einmal mit einem Vorwurf gegenüber Homosexuellen befasse, der uns vor allem seitens katholischer Gläubiger präsentiert wird und der zur katholischen Doktrin Roms gehört wie die Anbetung der Jungfrau Maria. Nämlich das Postulat, Homosexualität in der gelebten Ausführung sei Sünde. Rom bezieht in Sachen Homosexualität wie folgt Stellung:

Gemäß der römischen Glaubenskongregation ist die homosexuelle Neigung oder Tendenz zwar objektiv ungeordnet und nicht dem Schöpfungssinn von Sexualität entsprechend, aber als solche noch nicht sündhaft, während bewusst und frei vollzogene homosexuelle Akte als schwere Sünde angesehen werden. Personen mit homosexuellen Neigungen sind wie alle Christen dazu aufgerufen ein keusches Leben zu führen.

In der Diskussion mit Bloggerkollege NUB habe ich diese Doktrin als schwulenfeindlich bezeichnet und diesen Standpunkt bei den Bloggern von B.L.O.G noch einmal ausgeführt*:

Die wohlfeile Unterscheidung – “liebet den Sünder aber hasset die Sünde” – geht mir ziemlich gegen den Strich. Denn in der Praxis ist die Feststellung, Homosexualität sei Sünde ein klar abwertendes Urteil über die innersten Empfindungen einer bestimmten Gruppe von Menschen. Und diesem Urteil kann ein schwuler Mann nur entkommen, indem er sich selbst verleugnet. Tolle Moral!

Der Vorwurf der Sünde an die Adresse eines „praktizierenden Homosexuellen“ wird vom Adressaten zuweilen noch mit dem gönnerhaften Ausspruch garniert, das alles sei aber nicht so schlimm, schließlich seien wir ja alle Sünder. Dieses Argument erschließt sich mir allerdings nicht, denn der Unterschied besteht, was Fragen der Sexualität angeht, doch darin, dass ein Hetero jederzeit seine „Sünde“ legalisieren kann, etwa indem er heiratet. Mir allerdings bietet sich gemäß katholischem Dogma keinerlei Ausweg. In der Diskussion bei B.L.O.G. schrieb ich dazu, dass Heteros nicht in einer Welt leben in der ihr Liebesleben zum Gegenstand kontinuierlicher moralischer Debatten gemacht wird, bei der man als Schwuler – wenn man den Sündenvorwurf teilt – immer schlecht weg kommt. Und ebenso bedeutend sind die Folgen dieser Debatte:

Das Problem ist aber, dass der Vorwurf, mein Leben sei Sünde, für mich persönliche und gesellschaftliche Kons[e]quenzen hat. Deshalb kann ich nicht einfach sagen, dass mir dieser Vorwurf egal ist.

Die Ursachen dieser Konsequenzen lassen sich natürlich nicht allein auf die Religion herunterbrechen. Tatsache aber ist, dass die negative Attitüde des katholischen Sündenvorwurfs den Diskurs zuungusten des Lebens konkreter homosexueller Personen mitbestimmt. Ein Umstand, der einfach nicht sein müsste.

An diesem Punkt in der Diskussion kommt von religiöser Seite zuweilen der Einwand, man verwehre religiösen Menschen das, was man als Schwuler stets und ständig einfordert, nämlich Toleranz. Warum, so die Frage, akzeptiere man nicht einfach, dass die Doktrin der Sündhaftigkeit der Homosexualität nun mal zum Kanon des Katholizismus und anderer Religionen gehöre? Ich frage dagegen: Warum sollte man? und:

Warum Homosexualität überhaupt als Sünde/als falsch/als fehlerhaft bezeichnen? Warum diese Anmaßung – anders kann ich es nicht nennen -, über das Liebesleben eines Menschen zu urteilen?

Für mich ist das der entscheidende Punkt. Und ich bin mir natürlich im Klaren darüber, dass von Seiten derer, welche die Sündhaftigkeit der Homosexualität hochleben lassen, genügend Gründe für diesen Standpunkt angeführt werden können. Meine Position in der Sache ist allerdings kompromisslos. Ich akzeptiere dieses Urteil nicht und werde es weiterhin als das bezeichnen was es ist: Schwulenfeindlichkeit.

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* Ich betone vorsorglich, dass weder NUB noch die Blogger von B.L.O.G. den Standpunkt, Homosexualität sei Sünde, vertreten haben.

Eine Antwort zu “Kann denn Liebe Sünde sein?”

  1. Christoph Rebner 26. Dezember 2008 um 00:22 #

    Anbetung Marias ist kein Dogma der katholischen Kirche. Es ist Sünde.

    Warum nicht diese Sünde tun?

    Adrian, gib mir bitte eine Antwort!

    Wahrheitsliebend,
    dein Chris

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