In Schöneberg muss endlich schwul gefickt werden dürfen!

8 Aug

Glaubt man gewissen Kreisen der schwulen „Community“, hat man als Schwuler so seine Pflichten zu erfüllen um dem kuscheligen Szenekollektiv gerecht zu werden und auch weiterhin stolz das Etikett „homosexuell“ tragen zu dürfen. Dazu gehört, dass man sich im Szeneviertel fröhlich durch die Gegend fickt, weil dies voll emanzipatorisch, politisch und schwul sei und überhaupt, die Homos wesensmäßig sowieso nicht zur selben Spezies Mensch wie die Heten gehören.

Wem das allerdings nicht liegt und wer sich sein Leben eher so vorstellt, einen Partner zu finden, mit dem man unter Umständen zusammenziehen oder den man gar heiraten kann, den trifft der Bannfluch aus den Reihen emanzipatorisch-revolutionärer Schwulenkreise. Anstatt sich mit dem Gedanken abzufinden, dass Menschen nun mal verschieden sind und deshalb unterschiedliche Erwartungen, Wünsche und Vorstellungen an das und vom Leben haben, können es diese Blockwarte einfach nicht ertragen, dass sich nicht jeder Schwule an die von ihnen aufgestellten Normen hält, wie ein authentisch „schwules Leben“ auszusehen hat.

Und so kommt es immer wieder zu kindischen Kommentaren, wenn irgendeine Organisation der Welt eine Umfrage präsentiert, die folgendes aussagt:

Einer Umfrage zufolge will mehr als die Hälfte der Schwulen und Lesben aus den USA lieber mit Kind und Kegel in den etablierten Vorstädten leben als in einem „Homo-Ghetto“ oder der Innenstadt. […]

Demnach ist es auch für 80 Prozent wichtig, sich in die Mehrheitskultur zu integrieren. 58 Prozent wollen aber dennoch auf jeden Fall Schwule oder Lesben in der Nachbarschaft haben.

Zwei Drittel der jüngeren Schwulen und Lesben erwarten, einmal ganz spießig mit einem Lebenspartner und Kindern in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Bei den über 35-Jährigen sinkt dieser Anteil allerdings auf ein Drittel.

Dass der schwule Nachwuchs derartige heterosexuelle Unsitten verinnerlicht hat, erzürnt natürlich die „Generation Stonewall“ bzw. diejenigen, welche sich dafür halten.

Unser guter Bekannter „apfelmaik“ bspw. ist wieder mal dabei, allen Schwulen, die nicht seinen Vorstellungen entsprechen, munter Selbsthass zu unterstellen. Schwule mit Lebenspartner, Haus, Kindern…

und dann wählen sie noch brav für McCain und dann könnte man fast vergessen, dass sie dieses kleine Makel haben 😉

Anstatt befriedigt zur Kenntnis zu nehmen, dass es laut obiger Umfrage noch mehr als genug Angebot und Nachfrage für Homo-Sexklubs auf der ganzen Welt gibt, empört man sich lieber wortgewaltig über den Verrat der Jugend an den Idealen der schwulen Revolution. Ein weiter User:

Ich habs ja gewusst! Es gibt kaum noch „anständige“ Homos! Nämlich die, die sich nicht an die heteronormative Gesellschaft anpassen wollen, nicht monogam sind und kein Haus am Stadtrand haben (wollen).
Wofür haben denn unsere Brüder beim Stonewall gekäpft? Dafür, dass wir genauso spießig werden wie die Heteros – mit dem einzigen Unterschied, dass wir halt das gleiche Geschlecht leiben? Sicher, ganz sicher nicht! Ich habe mich jedenfalls immer dafür eingesetzt, DASS wir Schwulen halt anders sind als der Hetenmainstream. Dafür verzichte ich auch gerne auf gewisse Hetenrechte (z.B. Adoption. Was soll ich mich mit sonem Balg belasten?) Und jetzt hört man sowas!
Ich krieg grad latente Kotzkrämpfe!

Wenn man sich schon bemüßigt fühlt, bei seiner Tirade über die Undankbarkeit der Schwulen von heute, auf die „Brüder beim Stonewall“ zurückzugreifen und für sich in Anspruch nimmt, genau zu wissen, wofür diese gekämpft haben, sollte man auch berücksichtigen, dass zur Schwulenbewegung mittlerweile ein bisschen mehr gehört als die Erinnerung an Stonewall. Was es für ein dummes Unterfangen ist, sich dafür einzusetzen, dass alle Schwulen dieser Welt anders zu sein haben als der Hetenmainstream, lässt sich kaum in Worte fassen. „Anders sein“ beschreibt natürlich in diesem Fall die Abwertung dessen, was aus Umfragen wie der obigen hervorgeht, nämlich, dass es Schwule gibt, die sich ebenso eine Beziehung mit Partner, Haus, Kind und Hund vorstellen können oder wünschen wie die bösen Heteros auch. Doch weil nicht sein kann was nicht sein darf, ist man sogar bereit, Diskriminierungen aufrechtzuerhalten und auf „gewisse Hetenrechte“ zu verzichten, denn es gilt der Grundsatz, dass wenn ich keine Kinder adoptieren will, dies ruhig auch für alle anderen verboten bleiben soll.

Die Jungschwuppen verkaufen ihre Seelen an die Heteros!
Die haben es halt nicht mehr nötig, für irgendwas zu kämpfen, weil wir denen alles auf dem Silbertablett serviert haben. Und was ist machen sioe damit? Sie kriechen den Heten NOCH tiefer in den Arsch um bloss nicht unangenehm aufzufallen!
Die heterosexuelle Indoktrination hat anscheinend voll gewirkt!

Wenn es eine Aussage gibt, die völlig von der Realität losgelöst ist, dann ist es diese. Junge Schwule hätten es nicht mehr nötig zu kämpfen? Gerade diejenigen Schwulen, die sich nach Partner, Haus, Hund und Kind sehnen, gehören doch zu denjenigen, die in unseren Gesellschaften noch um ihre Rechte kämpfen müssen. Dürfen sie heiraten? Oftmals nicht. Dürfen sie Kinder adoptieren? Nein. Begegnet man ihnen mit Vorbehalten? Ja. Wie um alles in der Welt kann man kolportieren, dass man mit Forderungen nach Heirat und Adoption den Heteros in den Arsch kriecht, wenn es doch gerade diese sind, die sich immer noch viel zu sehr dagegen sträuben?

Und wofür kämpfen eigentlich unsere Kollegen, die Homo-Ehe, Adoption und Reihenhäuser als so unerträglich empfinden? Für Viertel in der Großstadt nur für Schwule, in der man unter sich bleiben und unbehelligt ficken darf? Das ist natürlich ein ganz wichtiges Anliegen, denn solche Orte findet man ja nirgendwo auf der Welt, weder in Schöneberg, noch in Chueca und schon gar nicht im Castro

12 Antworten zu “In Schöneberg muss endlich schwul gefickt werden dürfen!”

  1. Thommen 9. August 2008 um 07:06 #

    Ich erinnere Dich daran, dass der „Bannfluch“ erst von Seiten der Heteros ganz allgemein gekommen ist. Dann kam der „Bannfluch“ von Seiten der „unsichtbaren“ Homosexuellen auf die „sichtbaren“ braven Homosexuellen. Dann kam der Bannfluch von den sichtbaren braven Homosexuellen auf die sichtbaren Schwulen… Also ist es ganz normal, dass die Schwulen sich auch mal aufregen…
    Du verkopfst selber einfach gar nicht, dass es immer Abgrenzung braucht, um sich kreativ entwickeln zu können. Das heisst weg vom Mammi und seiner Lebensweise. Und warum, glaubst Du, schaffen das die meisten Heterosexuellen nicht?
    Und jetzt regst Du Dich über die Schwulen auf, die das geschafft haben, oder noch erreichen wollen?
    Es ist sehr „heterosexuell“, sich über die bösen Anderen aufzuregen, jetzt gib doch auch mal den Schwulen die Chance, sich über die „straihgt acting“ und Ehe-Homos aufzuregen! 😛

  2. Adrian 9. August 2008 um 11:21 #

    „Und jetzt regst Du Dich über die Schwulen auf, die das geschafft haben, oder noch erreichen wollen?“

    Nein, worüber ich mich aufrege steht klar und deutlich im Text.

  3. axyron 9. August 2008 um 18:56 #

    Reaktionäre und Revolutionäre rechnen stets mit den schlimmsten Bedrohungen und Gefahren – nur nicht mit der nächsten Generation.

  4. Thommen 10. August 2008 um 07:58 #

    Warum regst Du Dich denn nicht erst über all die „öffentlichen“ Heterofickereien auf? Dann können wir schon mal übers allgemeine „öffentliche Ficken“ diskutieren.

    Und was ist denn die wahre Prostitution? Seine Sexualität gegen Toleranz zu verkaufen! So wie es der Hetero mit den Frauen macht. Zuhause kusche(l)n, mit dem Kinderwagen auf die Strasse gehen und im Bordell hart rumficken! 😛

  5. Adrian 10. August 2008 um 10:31 #

    @ Thommen
    Du hast den Text ja immer noch nicht gelesen… Ich reg mich nicht über Rumfickereine auf, sondern über Schwule, die ihre Lebensweise als einzige wahre preisen und allen anderen Schwulen unterstellen, diese wüssten nicht selbst was gut für sie ist, sondern seien von der bösen Gesellschaft manipuliert.

  6. Thommen 10. August 2008 um 23:07 #

    So wie die Ablösung des Individuums von seiner Familie etwas ganz Natürliches ist, ist die Ablösung von der Gesellschaft etwas ganz Natürliches zur Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit! Da hilft kein Messias. Der rettet nur die „verlorenen Schafe“ – wie sinnig! 😉

    Mein Urgrossvater war Bauer, mein Grossvater Drechsler, mein Vater Gürtler und am Ende Beamter… da darf ich auch mal schwul sein! Und wenn es angeblich bisher keinen gegeben hat, so gibt es jetzt wenigstens einen schwulen Neffen! 😉

    Lass es doch zu, dass Lebensweisen kritisiert werden! Ich mag auch nicht meinen Kopf an jede Tuntenbrust legen, oder vor jedem Lederkerl auf die Knie fallen… Auf das WIE kommt es vor allem an.

  7. Adrian 11. August 2008 um 00:05 #

    In den obigen Zitaten werden nicht Lebensweisen kritisiert, sondern bestimmte Lebensweisen zum Dogma für alle Schwulen erhoben. So was geht mir auf den Senkel.

  8. Thommen 11. August 2008 um 10:58 #

    Also jetzt pass nur auf, dass Du Deine Lebensweise nicht auch zum Dogma erhebst! 😉

  9. Adrian 11. August 2008 um 17:09 #

    Keine Sorge.

  10. Umpawumpah 12. August 2008 um 01:26 #

    Ich stimme deiner Aussage aus ganzem Herzen zu. Nur weil ich schwul bin, will ich doch nicht automatisch mit jedem nächstbesten in die Kiste springen und mich von den meisten meiner Freunde lossagen, weil sie nicht schwul sind.
    Wenn ich für Toleranz bin, kann ich doch nicht wollen, in einer Art Ghetto zu leben und mich von anderen auf eine Art und Weise abzugrenzen die mir überhaupt nicht entspricht. Sicherlich ist das von Person zu Person unterschiedlich, aber zumindest für mich gibt es wesentlich weniger Unterschiede zwischen Hetero- und Homosexuellen, als es die Szene wahrhaben will.

  11. Thommen 14. August 2008 um 13:15 #

    Es bleibt nur noch die Frage, wieso es Leute gibt, die glauben, schwule Lebensweisen würden von irgendjemandem zum Dogma erhoben? Das geht doch nur in einer hierarchischen Organisation wie der Kirche. Das ist doch nun wirklich zuviel Ehre…

  12. Adrian 14. August 2008 um 15:59 #

    Äh, entschuldige mal, aber die Sätze

    Ich habs ja gewusst! Es gibt kaum noch “anständige” Homos! Nämlich die, die sich nicht an die heteronormative Gesellschaft anpassen wollen, nicht monogam sind und kein Haus am Stadtrand haben (wollen).
    Wofür haben denn unsere Brüder beim Stonewall gekäpft? Dafür, dass wir genauso spießig werden wie die Heteros – mit dem einzigen Unterschied, dass wir halt das gleiche Geschlecht leiben? Sicher, ganz sicher nicht! Ich habe mich jedenfalls immer dafür eingesetzt, DASS wir Schwulen halt anders sind als der Hetenmainstream. Dafür verzichte ich auch gerne auf gewisse Hetenrechte (z.B. Adoption. Was soll ich mich mit sonem Balg belasten?) Und jetzt hört man sowas!
    Ich krieg grad latente Kotzkrämpfe!

    triefen doch geradezu nach Dogma.

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