Wie Schwule den Kongress stürmen und alle anderen Minderheiten an den Rand drängen

16 Aug

Es ist wie ein typischer Hollywoodfilm: Durch seiner eigenen Hände Arbeit hat sich Jared Polis ein Vermögen aufgebaut. Doch dann wurde ihm langweilig und weil er gerade nichts Besseres vorhatte, dachte sich der 33jährige: Warum nicht in die Politik gehen? In den USA kein Problem, denn schließlich gibt es keine nervigen Parteigremien die eine Kandidatur verhindern könnten. Die Finanzierung des Wahlkampfs war auch gesichert und so ging es los. Mit Erfolg, denn ausgerechnet im Bundesstaat Colorado, der jeweils zur Hälfte aus Prärie und Hochgebirge besteht, schaffte es der Demokrat Polis die Vorwahlen zu gewinnen, so dass er wohl in den US-Kongress einziehen wird.

Das Besondere an der ganzen Geschichte ist natürlich, dass Polis ein erneuter Beweis für den Untergang des Abendlandes ist, denn er ist nicht irgendein Kandidat, sondern jemand, den man in der guten alten Zeit noch aufgeknüpft oder in den Knast gesteckt hätte. Jared Polis ist nämlich schwul und wird in seiner Eigenschaft als Politiker der erste schwule Kandidat sein, der in den Kongress einziehen wird:

Bislang sitzt mit Barney Frank nur ein offen schwuler Abgeordneter im Repräsentantenhaus. Er hat das Mandat bereits seit 1981 inne, hatte aber erst 1987 sein Coming-out. Mit der Demokratin Tammy Baldwin aus Wisconsin gibt es zudem eine offen lesbische Parlamentarierin.

Man kann davon ausgehen, dass der Kongressabgeordnete Polis allgemeines Nase rümpfen unter unseren evangelikalen Freunden auslösen wird. Die merkwürdigste Äußerung zu dieser ganzen Geschichte stammt bislang aber nicht von Homophoben, sondern von Homophilen:

Die Homo-Gruppe Victory Fund begrüßte den Wahlsieg von Polis als „historisch“: „Das ist ein Sieg für die Demokratie“, so Chuck Wolfe, Präsident der Lobbygruppe, die sich für die Wahl von Schwulen und Lesben einsetzt. „Schwule Amerikaner sind in unserer Regierung unterrepräsentiert. Der Sieg von Jared bringt uns dem Ziel näher, Amerikas Versprechen einer wahrhaft repräsentativen Demokratie zu erfüllen.“

Wenn man diese Aussage seziert, bleibt als Skelett folgendes übrig: Eine repräsentative Demokratie ist erst dann eine repräsentative Demokratie, wenn alle Bevölkerungsgruppen gemäß ihrer Bevölkerungszahl im US-Kongress vertreten sind. Im Klartext würde das bedeuten, dass sich der Kongress in Zukunft folgendermaßen zusammensetzen müsste:

5% Schwule

2,5% Lesben

X% Transsexuelle

X% Bisexuelle

95% Heteromänner

97,5% Heterofrauen

49% Männer

51% Frauen

74% Weiße

13,4% Schwarze

4,4 % Asiaten

0,68% Indianer

79,8% Christen (wiederum aufgeteilt in diverse Untergrüppchen)

1,4% Juden

0,6% Moslems

0,5% Buddhisten

0,4% Hinduisten

0,7% andere Religionen

15% Atheisten/Agnostiker/sonstige Gottlose

0,9% Superreiche

0,5% Reiche

46% Mittelschicht

40% Arbeiterschicht

12% Arme

Dazu müssten dann noch kommen: Behinderte, Rothaarige, Klein- und Großwüchsige und, ach was weiß ich noch alles. Um also die Anforderungen einer wahren repräsentativen Demokratie zu erfüllen, müsste der Kongress der USA ziemlich umgemodelt werden. Und diese ganze Zahlenprojektion ist ja nur der Anfang. Was ist eigentlich mit schwarzen, schwulen, reichen Buddhisten? Haben die nicht ganz andere Ansprüche an die Politik als weiße, heterosexuelle, arme Katholiken?

Und was macht man eigentlich, wenn irgendwann einmal mehr Schwule im Kongress sitzen, als es ihnen laut Bevölkerungsstatistik zusteht? Dann werde zumindest ich mich zurücklehnen und darauf warten, dass irgendein armer Internetuser etwas von der „Macht der Minderheiten“ fabuliert. Darauf freue ich mich schon jetzt.

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