Zivilisation und Resozialisierung

21 Aug

In Kalifornien haben die Eltern eines aus Homophobie von einem Mitschüler ermordeten 15-Jährigen die Schule verklagt, weil diese dem Jugendlichen gestattet hatte, Schminke und weibliche Kleider zu tragen.

Die Eltern von Lawrence King argumentieren, dass ihr Sohn nie ermordet worden wäre, wenn die Junior High School in Oxnard das Kind gezwungen hätten, sich wie ein Junge seines Alters zu kleiden.

Liest man die ganze Meldung, stellt man fest, dass es offenbar nicht nur die speziellen modischen Vorstellungen von Lawrence King waren, die zu dem Mord führten, sondern ebenso die Tatsache, dass er dem Täter zuvor erklärt hatte, er habe sich in diesen verliebt. Beides zusammen, die Liebeserklärung eines geschminkten Jungen in Frauenkleidern an einen anderen Jungen, wird zuviel gewesen sein für den zum Tatzeitpunkt 13jährigen Brandon McInerney, der, so sein Anwalt,

aus einer kaputten Familie kommt

weshalb er die für die Erklärung seines Klassenkameraden erforderliche

Toleranz nicht zu Hause gelernt

habe. Falls Kings Eltern mit ihrer Schadensersatzklage durchkommen, steht zu befürchten, dass in Zukunft wieder mehr nicht geschlechskonform gekleidete Jugendliche zum richtigen Outifit gezwungen werden.

Dabei wäre die bessere Alternative sicherlich, Kinder würden, wenn ihnen schon ihre Eltern das nicht beibringen, wenigstens in der Schule lernen, dass Menschenrechte auch für Schwule gelten – selbst wenn sie, geschminkt und Frauenkleider tragend, einem eine Liebeserklärung machen. Alles andere klingt nicht gerade nach Zivilisation. Ebenso wenig übrigens wie die Art der Anklage gegen den Täter. Dieser

wird wegen der Schwere der Tat als Erwachsener angeklagt. Ihm drohen bei einer Verurteilung 51 Jahre ohne Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung – damit könnte der Teenager erst im Rentenalter das Gefängnis verlassen.

Resozialisierung sollte geeigneter sein, vielleicht ist ja noch nicht Hopfen und Malz verloren. Nach 50 Jahren Haft dürfte McInerney jedenfalls kaum schwulenfreundlicher sein als heute.

Eine Antwort zu “Zivilisation und Resozialisierung”

  1. tcane 21. August 2008 um 19:32 #

    Schon eine seltsame Zeit in der Wwr leben. Einerseits wird von allen Seiten Toleranz gefordert, andererseit kommen mit dieser Einforderung sicher 50% der Bevölkerung nicht zurecht.
    Ich erlebe heutzutage selbst in der schwulen Szene, daß Jungs mit besonders femininem Touch von anderen geschnitten und belächelt werden…
    Ich selber habe zwar kein Problem mit Jungs in Mädchenoutfit aber kann mir durchaus vorstellen, daß sich ein Jugendlicher, dessen Toleranzgrenze nicht besonders hoch ist sich dadurch bedrängt – wenn nicht sogar beleidigt und öffentlich bloßgestellt vorkommt. Vor allen Klassenkameraden als „Schwulenfreund“ dazustehen dürfte in ihm diese schon sehr heftige Reaktion ausgelöst haben.
    Womit natürlich nichts zu entschuldigen ist. Wie bereits im Artikel geschrieben, geht der schwarze Peter ans Elternhaus und die Verantwortlichkeit der Schulen.
    In diesem Fall jedoch – da hast Du recht, kann eine Gefängnisstrafe in diesem Ausmaß kaum ein geeignetes Mittel sein.

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