Kommunismus für Sadomasochisten

31 Aug

Wer auf SM-Praktiken steht, ist glücklicher als diejenigen, die den „normalen“ Sex bevorzugen. Das ist das Resultat einer wissenschaftlichen Untersuchung aus Australien.

steht bei queer.de. Im weiteren Text werden dann zwar nur noch Fessel- und Disziplinspiele erwähnt, aber was auch immer da genau erfasst wurde, es stellt sich die Frage nach den Hintergründen für dieses Ergebnis. Diese wurden allerdings gar nicht erfragt:

Die genauen Zusammenhänge dieses signifikanten Unterschiedes untersuchten die Forscher zwar nicht,

dafür üben sich die Forscher in Hypothesen, denn

ihrer Theorie nach sind BDSM-Anhänger ausgeglichener und zufriedener mit sich selbst, da sie in der Lage sind, ihre Bedürfnisse auszuleben.

Für einen Wissenschaftler ist das eine geradezu peinliche Aussage. Wie soll denn bitte schön jemand der eben kein Bedürfnis nach BDSM verspürt durch BDSM glücklicher werden? Wie dem auch sei, die Studienleiterin hofft auf praktische Veränderungen infolge der Ergebnisse:

Leute mit diesen Interessen sind lange durch die Medizin und das Gesetz zumindest als beschädigt angesehen worden, die eine Therapie benötigen und deren Sexleben staatlich reguliert werden muss. Wir hoffen, diese Ansichten mit unseren Ergebnissen korrigieren zu können.

Sicherlich brauchen Menschen, die auf Bondage und sowas stehen, keine staatliche Regulierung. Offenbar gibt es aber Menschen, die der Ansicht sind, ich sei anderer Meinung. Oder wie ist der folgende Kommentar auf queer.de sonst zu verstehen:

Na, das wird die neokonservativen Homos hier, die sich über Lederkerle in arschfreien Chaps und SM-Heten auf dem CSD aufregen, freuen.

Tatsächlich: Wegen mir braucht es auf CSDs weder Chaps zu sehen zu geben noch SM-Heten (by the way: seit wann gibt es Chaps auch nicht-arschfrei?). Was aber hat das mit der Frage zu tun, ob Menschen, die sexuell auf Disziplin und so weiter stehen, glücklicher sind als andere Menschen? Was geht es mich und irgendjemand sonst überhaupt an, was andere Leute zu Hause machen, sofern es im gegenseitigen Einverständnis geschieht? Aber wie immer wird es noch toller, wenn man die Kommentare bei queer.de weiter liest. Denn im Anschluß findet sich ein Plädoyer für BDSM, das sich gewaschen hat:

Während für den Kuschler und Liebesromantiker sexuelle Befriedigung unvorhersehbar wie das liebe Wetter daherkommt,

was zwar für die Postmoderne nicht gerade untypisch ist, aber einfach gestrickte Gemüter offenbar einigermaßen überfordert,

lebt der BDSMler qua Szene, Codes etc. in einer Inszenierung [das ist Zivilisation!], in einer Art Befriedigungsmaschine. Man weiß genau, welche Knöpfe für welches Ziel.

Wenn ich das richtig verstehe, ist das keineswegs ein banales aber notwendiges Plädoyer für die Zivilisation, sondern vielmehr eins für so eine Art sadomasochistische Planwirtschaft. Damit wäre man jetzt immerhin auch bei queer.de auf dem Niveau der Antideutschen angekommen.

2 Antworten zu “Kommunismus für Sadomasochisten”

  1. rotegraefin 1. September 2008 um 09:54 #

    So hoch interessant, was Du da schreibst. Nur wer in einem Milieu von selbstverständlicher Gewaltanwendung großgeworden ist Hält auch Gewaltanwendung für normal und natürlich.
    Meine Ma sagte oft: „Ich habe meine Kinder in Freiheit dressiert.“ Was immer das war, es war verwirrend.

    Du hast es richtig erfasst. Die sexuelle Planwirtschaft war doch bis vor kurzem noch gang und gäbe. Unter den Nachwirkungen haben wir doch immer noch zu leiden und machthungrige Menschen sind nicht daran interessiert, dass dies erkannt und behoben wird. Hierzu meine Überlegungen wie es dazu kommen konnte und immer noch kommt.
    http://rotegraefin.wordpress.com/sundenfall-und-geburt-christi-einmal-anders-gesehen/

  2. Holger Ehrlich 1. September 2008 um 15:54 #

    Oh Scheiße, als Asexueller bin ich jetzt zu ewig trüben Unglück verbannt? Wenn schon nur BDSMler wirklich glücklich sind, dann sieht es doch für Leute ohne Sex vollkommen finster aus, zumindest wenn man dieser „Studie“ folgt.
    Ich frage mich ernsthaft, was einen Wissenschaftler zu solchen Untersuchungen treibt. Vielleicht die Probleme mit der eigenen sexuellen Präferenz?

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