Reduzierte Ehe durch homosexuellen Gefallen

2 Sept

Im Senegal sind ein Rentner aus Belgien und seine einheimische Ehefrau wegen der „Begründung einer heterosexuellen Ehe und Taten gegen die Natur“ verhaftet und zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Klar, diese Meldung haben Sie sofort als Quatsch erkannt. Wo würde auch eine ganz normale Ehe verfolgt? Die Originalmeldung jedoch hält niemand für unglaubwürdig und auch für skandalös halten sie wohl die wenigsten, schließlich kann Homosexualität im Senegal mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Entsprechend wenig Spielraum blieb dem Rechtsanwalt der Beiden, der erklärte:

Um Herrn Gueye zu ermöglichen, in Belgien zu leben, hat Herr Lambot ihn im Juli dort geheiratet,

weshalb die Verbindung der zwei Männer mit Homosexualität überhaupt nichts zu tun haben müsse:

Er versuchte, die „Tat“ als Gefallen zu beschreiben, die keinen homosexuellen Hintergrund haben muss. „Diese Ehe war also nur dazu da, Herrn Gueye zu helfen“, so Ndione. Er erklärte weiter, dass die Polizei schlampig gearbeitet habe und der Vorwurf eines Vergehens gegen die Natur aus der Luft gegriffen sei.

Wie immer, wenn es sich um ein vorwiegend moslemisches Land handelt, hält sich der Unmut von queer.de-Lesern über die staatliche Verfolgung von Schwulen oder solchen, die man dafür hält, in Grenzen. Umso hämischer kübelt man die Verurteilten noch mit dummen Kommentaren zu:

Was macht der Belgier auch dort, wenn er doch nur seinem Mann nach Belgien helfen wollte? Verstehe nicht, wie man so dumm sein kann, in solche Barbarenstaaten zu fliegen …

Verantwortlich für die Verfolgung scheint aber merkwürdigerweise nicht der „Barbarenstaat“ zu sein, sondern die Verurteilten selbst. Das sieht dieser Kommentator ähnlich:

Genau das hab ich auch gedacht. Natürlich: Schlimm, schlimm, böse, böse.
Aber warum zum Teufel fährt man dann freiwillig in so ein Land, aus dem man seinen Partner erretten wollte?

Überhaupt sorgt die ganze Angelegenheit nicht etwa für zunehmendes Misstrauen gegenüber Regimen, die Homosexualität mit Gefängnis ahnden, sondern gegenüber Menschen, die von eben diesen verfolgt werden:

Ich stimme dir vollkommen zu. Wäre genauso, als würde man einen schwulen aus dem Iran erretten um dann in Teheran durch die Religionspolizei erwischen zu lassen. Das ergibt für mich keinen Sinn.

Außerdem ist die Verfolgung von eventuell nur vorgetäuscht Homosexuellen vielleicht gar nicht so schlimm:

Im übrigen, es war nicht sein Freund, die Ehe war ja lediglich auf den Rettungsgedanken reduziert.

Merken diese Menschen eigentlich, wie ekelhaft es ist, die staatliche Selektion von Menschen mit zu machen? Gänzlich verständnisvoll für die Legitimität der Verfolgung von Schwulen gibt sich dieser Kommentator, der Schwulen gerne Nachhilfe in gutem Benehmen erteilen möchte:

Aber auch als Bürger eines anderen Staates gelten die Gesetze des Staates, in dem man sich aufhält, was einigen anscheinend nicht bewusst ist – sieht man generell ja auch an den Strom schwuler Touristen in arabische Länder etc.

Was nicht zuletzt auch an der Propaganda derer liegen könnte, die uns den Orient in sturer Regelmäßigkeit als Homo-Paradies ausmalen wollen, wenn, ja wenn, man es nur mit der gebotenen Diskretion angehen liesse. Ein letzter Kommentator hofft,

dass sie beide bald in die Freiheit entlassen und dieses Land nie mehr betreten werden.

Meine Hoffnung ist größer und beinhaltet den Traum einer Welt, in der erwachsene Menschen nicht länger aufgrund ihrer Liebe zu einem anderen Erwachsenen diskriminiert, angeklagt und verurteilt werden. Und einer Welt, in der Zweck-Ehen zur Erlangung des legalen Aufenthaltsstatus in einem reichen Land nicht mehr nötig sind, weil die armen Länder durchkapitalisiert und demokratisiert sind.

Eine Antwort zu “Reduzierte Ehe durch homosexuellen Gefallen”

  1. Nichtidentisches 6. September 2008 um 14:23 #

    Is ja nicht nur in Senegal so, sondern im gesamten subsaharischen Afrika. Selbst im so hochgelobten Ghana gibts 3 Jahre Knast für homosexuelle Handlungen.

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