Ratzi, wat kosten die Kondome?

5 Sep

Verschlungene Pfade: Über ondamaris und den Gay Dissenter erfuhr ich von dieser Geschichte:

Um Zwischenfälle wie das Werfen mit Kondomen beim Papstbesuch in Frankreich zu verhindern, lässt die französische Regierung derzeit Homosexuellen-Aktivisten überwachen. Das berichtete die Zeitung “Le Figaro”. Gruppen wie Act Up, die bereits zu Demonstrationen während des erwarteten Papstbesuchs aufgerufen hätten, würden besonders streng überwacht.

Der Gay Dissenter schreibt treffend:

Es geht also darum, eine einzige Pappnase vor fliegenden Kondomen zu beschützen. Auf der Strecke bleibt, wie immer, die Freiheit.

Und nicht nur die Freiheit der Schwulen. Auch die Freiheit der katholischen Zahler der Kirchensteuer. Denn wie effektiv könnte Rom diese verwenden, würden die Bischöfe, Kardinäle und Pfarrer tatsächlich einmal Kondome benutzen und Rom damit die heimliche Zahlung der Alimente für die trotz dem Zölibat gezeugten Kinder ersparen?

8 Antworten zu “Ratzi, wat kosten die Kondome?”

  1. ondamaris 5. September 2008 um 11:10 #

    tja, die französische politik ist sehr facettenreich um nicht zu sagen widersprüchlich in sachen homos. einerseits der antrag an die UN in sachen entkriminalisierung der homosexualität,, andererseits rosa listen neuester couleur (edvige) und beobachtung von act up wegen des papstes …

    der herr Z hat einen eigentümlichen terror-begriff, wie ja auch einige hierzulande …

  2. alex 5. September 2008 um 13:17 #

    was wollen homo-aktivisten mit dem werfen von kondomen auf den ratzinger eigentlich beweisen? ihr recht auf bare-backing? wohl kaum das recht auf verhuetung, oder?
    frueher war das mal ein liberal gepraegter blog hier, mittlerweile kann man sich nicht des eindrucks einer gewissen betriebsblindheit erwehren – hier wird teilweise gesundes selbstbewusstsein mit der empoerungspflege um den eigenen opferkult verwechselt.
    schade eigentlich.

  3. Damien 5. September 2008 um 14:46 #

    @alex: das recht auf, nein, die pflicht zum bare-backing zu propagieren ist wohl eher die position von ratzinger. der lehnt schließlich die benutzung von kondomen ab, egal ob zur verhütung oder zum schutz vor hiv.
    zu deiner sorge um die liberale ausrichtung des blogs: du meinst also, der schutz ratzingers vor dem beworfen werden mit kondomen legitimiert die oben beschriebene einschränkung der freiheit?

  4. alex 5. September 2008 um 23:09 #

    @damien: bitte erspar mir deine grundstufen-rabulistik, sowas kenn ich von zuhause seit ich 12 bin – die meisten leser hier sicherlich genauso.
    also ernsthaft jetzt:
    wenn denn kondome-werfen ein protest gegen die katholisch kirche bedeutet, dann wohl wegen der verhuetungsfeindlichen position der kirche, korrekt? was ist dann die rolle der homo-aktivisten hierbei? du wirst mir wohl kaum weismachen wollen, dass diese aktivisten soldarisch mit hetero-gruppierungen an schwangerschaftskontrolle interessiert sind. es bleibt: eine lachhafte aktion offensichtlich proto-professioneller berufsschwuler, die nur verdeutlicht wie sehr man sich in partikularinteressen verbohren kann und darueber ethische grundsaetze ueber bord wirft.
    das ist doch wirklich nicht das niveau auf dem blog hier. bei aller kritik an religioesen gruppierungen und deren selbstbestimmungsfeindlichen vorstellungen.
    liberal gedacht ist jede freiheitseinschraenkung verdammenswert: aber auch das werfen von gegenstaenden auf jemanden. ich gebe zu bedenken, dass auch der beworfene die freiheit hat sich dagegen zu wehren, so er denn kann – ueberwachung und verbote jedoch, sicherlich schlecht. – aber auch du wuerdest dich wehren wollen, wenn du von beispielsweise homophoben aktivisten mit was auch immer beworfen wirst (steine, dreck etc.) waehrend einer veranstaltung.
    denk mal drueber nach ob es vielleicht sinnvollere formen des protests in der zivilgesellschaft gibt, die einem selber und dem gegenueber ein mindestmass an respekt garantieren.
    ich hatte ehrlich mehr von euch erwartet – ich denke sogar mittlerweile, dass du nicht denn mumm hast meine antwort hier einzustellen.
    oder moeglichereise mal einen zustimmenden bericht zu schreiben ueber homo-aktivisten die den mufti der al-azar universitaet mit kondomen bewerfen. aber wir wissen beide das letzteres wohl in 1.000 jahren nicht stattfinden wird, denn dafuer braucht es ein bisschen mehr cojones, als was auf den papst zu schuetten. nicht wahr?

  5. Damien 5. September 2008 um 23:29 #

    @alex: Der Papst verbietet Menschen die Benutzung von Kondomen, so dass sie sich deshalb – u.a. – nicht vor HIV schützen können. Weshalb eine Kritik daran Propaganda für Barebacking sein soll, hast Du noch nicht erklärt.
    Habe ich irgendwo geschrieben, dass ich das Werfen von Kondomen auf Ratzinger begrüße, propagiere oder sonstwie positiv bewerte?
    Warum Du „euch“ schreibst, kann ich nicht nachvollziehen. Das hier ist kein Kollektiv-Blog, in der Regel schreibt jeder Autor für sich.
    Uns mangelnde Kritik an islamischen Schwulenfeinden vorzuwerfen, ist halbwegs originell. Sonst wirft man uns gerne Islamophobie vor.
    Den Stolz auf ihre Eier überlasse ich denen, die keinen Wert darauf legen, etwas im Kopf zu haben.
    Grundstufen-Rabulistik verstehe ich nicht und was die meisten Leser hier betrifft, das überlass doch einfach ihnen!

  6. alex 6. September 2008 um 00:18 #

    @ damien:
    „Der Papst verbietet Menschen die Benutzung von Kondomen, so dass sie sich deshalb – u.a. – nicht vor HIV schützen können.“
    ich darf mal hier lachen – fuer die katholische kirche ist homosexualitaet widernatuerlich und nicht diskutabel. kondome werden nur im kontext der schwangerschaftsverhuetung abgelehnt – HIV bei heterosexuellen wird als ein problem der promiskuitaet bewertet, die aber natuerlich dem treuegebot widerspricht. homosexuelle sind aus der debatte ausgeschlossen. dies ist systemisch bedingt aber rational und humanistisch falsch.
    ich lehne das persoenlich ab und glaube an ein universelles gleichheitsprinzip unabhaengig von kulturrelativistischer oder metaethischer dialektik.
    solange ich aber in einer gesellschaft lebe, die mich nicht zu solchen verhaltensweisen mit gewalt oder zwang noetigt, bin ich fuer solche wurf-maetzchen nicht zu begeistern – ich lehne sowas ab. das ist (meinetwegen buergliche) liberalitaet. nach werfen kommt meiner erfahrung nach schlagen. das brauch ich nicht.
    „euch“
    damit meinte ich adrian und damien, dies sind die beiden personen, deren beitraege ich hier bisher gelesen und kommentiert habe. ich bedauere wenn ich euch in einen topf geworfen habe. also: dann habe ich mehr von dir erwartet.
    „islamophobie“
    ist a) ein von soziologen und islamic pressure groups erfundener ausdruck ohne wissenschaftliche grundlage. ueber den vorwurf koenntet ihr mal drueber lachen. der wird euch lediglich von vertretern folgendem assoziationsreigens gemacht:
    *schwul* = *minderheit* = *gesellschaftsopfer* = *progressiv* = *links* = *muslim*
    fortzusetzen nach belieben.
    cojones bzw. zivilcourage ist etwas worueber es sich gerade fuer schwule lohnt nachzudenken – 63 jahre nach seinem ende den widerstand zum nationalsozialismus zu organisieren oder in einer durchsaekularisierten gesellschaft sich am papst abzuarbeiten kannst du ruhig frau roth oder herrn edathy ueberlassen. den institutionellen rahmen dafuer und die hierbei dotierten stellen haben die etablierten berufsmahner schon lange abgesteckt.

  7. Adrian 6. September 2008 um 01:07 #

    @ alex

    Natürlich verlangt keiner von Dir, das Werfen von Kondomen auf Ratzinger gut zu heißen. Ich find das auch nicht wahnsinnig originell, würde das selbst nie tun, halte es auch nicht für besonders konstruktiv. Aber um dies zu verhindern, gleich Rosa Listen anzulegen erscheint mit doch etwas unverhältnismäßig. Wenn ich wählen müsste zwischen dem Schutz des Papstes vor Latex und der Demonstrationsfreiheit, würde ich letzteres bevorzugen.

    Das mit dem Barebacking versteh ich auch nicht. Und das mit dem „Opferkult“ schon gleich gar nicht.

  8. TheGayDissenter 6. September 2008 um 10:18 #

    @ alex:

    Vielen Danke für Ihre amüsanten und Wortschatz erweiternden Kommentare. Gestatten Sie mir eine knappe Einmischung:

    1. Ihr Vorhalt der Betriebsblindheit fällt auf Sie selbst zurück. Jedenfalls ist es bemerkenswert, wie Sie sich reflexartig vor Ratzinger stellen und sich über die in der Sache berechtigte Kritik an Ratzinger empören. Nebenher übersehen Sie übersehen, dass es hier gar nicht um Ratzinger geht, sondern und das Verhalten der französischen Behörden. Dass in unserem Nachbarland wieder ein Stück Freiheit ohne Not den Bach runter geht (Sie erlauben mir die volkstümliche Formulierung?) ist Ihnen nicht der Erwähnung wert.

    2. Alle semantischen Klimmzüge werden Ihnen und dem von Ihnen offenbar hochverehrten Herrn Ratizinger nichts nützen: Das Kondomverbot richtet sich explizit gegen schwule Menschen und es richtet sich gegen das Leben an sich, weil es Tod und Leid bringender Unsinn ist. Es kann dahingestellt bleiben, ob das Kondomverbot an sich unsinnig ist, oder ob die Glaubenslehre, auf die es zurück geführt wird, unsinnig ist.

    3. Über die Form des Protestes mag man trefflich streiten, jedoch dürfen wir getrost davon ausgehen, dass Ratzinger an dem einen oder dem anderen Kondomtreffer keinen ernsthaften Schaden nehmen wird. Der von Ihnen hergestellte Vergleich, ich vermute Ihr Hinweis auf „Steine, Dreck“ soll einen solchen Vergleich darstellen, mit den homophoben gewalttätigen Attacken kirchennaher Kreise auf osteuropäische CSDs ist infam. Meinetwegen kann Ratzinger auch gerne Kondome zurück werfen.

    4. Es sei darauf hingewiesen, dass die rk Kirche zumindest in Fulda den aus ihrer Sicht ernsthaften Versuch einer zwangsweisen Durchsetzung des Kondomverbots beschritten hat.

    5. Da Sie offenbar alle Zusammenhänge durchschaut haben, wollen Sie bitte auch die Güte haben, mitzuteilen, welche „sinnvollere[n] formen des protests in der zivilgesellschaft [es] gibt, die einem selber und dem gegenueber ein mindestmass an respekt garantieren“. Was schwebt Ihnen da wohl vor?

    6. Was es mit den Eiern der Spanier auf sich hat, darf Ihr Geheimnis bleiben.

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