Rolle rückwärts

10 Sep

In Prenzlau und Templin scheint man aktuell um eine historische Rolle rückwärts bemüht. Die dortigen Bürgermeister, einer von der Linken, einer parteilos,

verweigern der traditionellen LesBiSchwulen Tour durch Brandenburg ihre Unterstützung.

Seit genau zehn Jahren zieht die LesBiSchwule Tour durch Brandenburg, um im Bundesland für Toleranz und Akzeptanz zu werben. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr gibt es Ärger: Die beiden Städte Prenzlau und Templin verweigern den Veranstaltern der am Montag beginnenden Tour das Hissen einer Regenbogenfahne am Rathaus.

Sowohl der Prenzlauer Bürgermeister Hans-Peter Moser (Linke) als auch sein Templiner Amtskollege Ulrich Schoeneich (parteilos) lehnten das Anliegen ab. In beiden Städten lautete die Begründung, der Mast sei ausschließlich Staatsflaggen vorbehalten.

Ähnlich argumentierte in diesem und im letzten Jahr Marlies Wanjura. Die jedoch musste sich letztlich geschlagen geben, als der Innensenator sie anwies, die Regenbogenflagge gemäß BVV-Beschluss am Rathaus zu Berlin-Reinickendorf zu hissen. Somit wehte in diesem Jahr in Berlin erstmals an jedem Bezirksrathaus zum CSD die bunte Flagge. Im Osten hingegen scheint man sich mit wieder steigendem politischen Einfluss an alte Wahrheiten zu erinnern, wonach Homosexualität ein Ausdruck der westlichen Dekadenz sei und schon deshalb nicht unterstützenswert.

An übelste Blockflötenzeiten erinnert mich dabei Matthias Steuckardt, Vorsitzender des LSU-Regionalverbandes Ost, der die Begründung der beiden Bürgermeister

in gewisser Weise nachvollziehbar

findet. Angesichts der teilweise lebensgefährlichen Konsequenzen, die die Teilnahme an der Tour nach sich ziehen kann, lässt sich diese Äußerung nur noch als zynisch begreifen.

2 Antworten zu “Rolle rückwärts”

  1. Hans-Georg 10. September 2008 um 20:33 #

    Hamburg hat auch jahrelang das hissen der Regenbogenflagge am Rathaus verweigert mit der Begründung, dass es keine Staatsflagge sei. Zum Glück ist man ja endlich davon abgewichen und anlässlich des diesjährigen CSD die Flagge direkt am Rathaus gehisst.

    Ein Vorsitzender eines LSU-Verbandes, der sich nicht dafür einsetzt bzw. durch seine Äusserung akzeptiert, dass die Regenbogenflagge nicht gehisst wird, ist seines Postens nicht würdig.

  2. Simon 31. Oktober 2008 um 09:27 #

    Die PM der LSU im Volltext:

    Zeichen für Akzeptanz braucht keinen „offiziellen“ Fahnenmast

    (Berlin, 07.09.2008) Laut aktuellen Pressemitteilungen weigern sich Prenzlaus Bürgermeister Hans-Peter Moser (Die Linke) und Templins Bürgermeister Ulrich Schoeneich (parteilos) eine Regenbogenflagge vor ihrem jeweiligen Rathaus zu hissen.

    Die Veranstalter der „LesBiSchwulen Tour durch Brandenburg“, die unter dem Motto „Vielfalt ohne Grenzen“ steht, hatten darum gebeten, auf diese Weise für einen Tag ein sichtbares Zeichen zu setzen. Die Absage begründen beide Bürgermeister, dass an „offiziellen“ Fahnenmasten lediglich Hoheitszeichen hängen dürften.

    Hierzu erklärt der Vorsitzende des Regionalverbandes Ost der Lesben und Schwulen in der Union (LSU), Matthias Steuckardt:
    „Die Diskussion um Regenbogenfahnen an Rathäusern ist nicht neu – die Begründung der Bürgermeister in gewisser Weise nachvollziehbar. Ein Zeichen für Akzeptanz und einen respektvollen Umgang miteinander – genau das ist für mich die Regenbogenfahne – braucht jedoch keinen „offiziellen“ Fahnenmast.

    Ein solches Zeichen könnten die Bürgermeister schließlich ebenso gut setzen, indem sie die Regenbogenfahne aus dem Fenster ihres Dienstzimmers hängen oder anderweitig sichtbar am Rathaus anbringen.

    Derartige Gesten sind in unserer Gesellschaft noch immer unverzichtbar, daher sollten sich Herr Moser und Herr Schoeneich diesen nicht verweigern.“

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