Warum Sex in die Ehe gehört…

11 Sep

…das stand am Dienstag in der Zeitung. Mal sehen, ob Sie erraten von wem das folgende Zitat stammt.

Der Westen deutet das Tragen des Schleiers als Unterdrückung der Frau und ihrer Sexualität. Doch als ich auf meinen Reisen in muslimische Länder eingeladen wurde, mich an Gesprächen in dem in muslimischen Haushalten allein den Frauen vorbehaltenen Umfeld zu beteiligen, stellte ich fest, dass die muslimische Einstellung bezüglich des äußeren Erscheinungsbildes und der Sexualität von Frauen ihre Wurzeln nicht in der Unterdrückung hat, sondern in einem starken Sinn für die Unterscheidung zwischen Öffentlichem und Privatem und für das, was Gott, und das, was dem Ehemann geschuldet ist. Es ist nicht so, dass der Islam die Sexualität unterdrückt, sondern dass er einen ausgeprägten Sinn dafür hat, sie in die ihr angemessenen Bahnen zu lenken – in Richtung der Ehe, der Bande, die das Familienleben stützen, und der Beziehungen, die das Zuhause absichern.

Nein, Sie brauchen mir nicht den Autor zu nennen, mir würde es schon reichen, Sie würden die politische Herkunft des Textes korrekt bestimmen. Na?

Zu Hause, im Zusammenhang ehelicher Intimität, fand ich Victoria’s Secret, elegante Mode und Hautpflegelotionen im Überfluss. Die mir gezeigten Brautvideos mit ihren sinnlichen Tänzen – die die Braut als Teil dessen, was eine wunderbare Ehefrau ausmacht, erlernt und die sie ihrem Bräutigam voll Stolz vorführt – legten nahe, dass Sinnlichkeit muslimischen Frauen nicht fremd ist. Doch werden Vergnügen und Sexualität, von Männern wie von Frauen, nicht leichtfertig und in womöglich zerstörerischer Weise vor aller Augen zur Schau gestellt.

Kleiner Tip, es handelt sich beim Autor nicht um einen klassischen Konservativen.

Tatsächlich fühlten sich viele muslimische Frauen, mit denen ich sprach, durch Tschador oder Kopftuch in keiner Weise unterjocht. Im Gegenteil, sie fühlten sich befreit vom von ihnen als zudringlich, sie zur Ware machend, in erniedrigender Weise sexualisierend empfundenen westlichen Starren. Viele Frauen äußerten in etwa Folgendes: „Wenn ich westliche Kleidung trage, starren die Männer mich an, machen mich zum Objekt oder ich selbst messe mich immer am Standard der Models in den Zeitschriften, dem man nur schwer gerecht werden kann – und noch schwerer, wenn man älter wird. Ganz abgesehen davon, wie ermüdend es sein kann, die ganze Zeit zur Schau gestellt zu sein. Wenn ich Kopftuch oder Tschador trage, behandeln mich die Menschen als Individuum, nicht als Objekt; ich fühle mich respektiert.“

Na gut, soviel sei verraten, es handelt sich um den Text einer Frau.

Ich habe es selbst erlebt, als ich für einen Besuch des Basars in Marokko Salwar Kamiz und Kopftuch angelegt habe. Ja, ein gewisses Maß der Wärme, die mir entgegenschlug, war vermutlich dem Novum geschuldet, eine westliche Frau in dieser Art Kleidung zu sehen. Doch während ich mich auf dem Markt bewegte – die Rundungen meiner Brüste bedeckt, die Form meiner Beine unkenntlich gemacht, ohne dass mein langes Haar um mich herumwirbelte – empfand ich ein ungekanntes Gefühl von Ruhe und Gelassenheit. Ich fühlte mich tatsächlich in gewisser Weise frei.

Also vielleicht eine klassisch konservativ eingestellte Frau?

Unter gesunden jungen Männern im Westen, die mit Pornografie und sexuellen Bildern an jeder Straßenecke aufwachsen, gibt es eine wachsende Epidemie verringerter Libido. Die Kraft, die der Sexualität in einer sittenstrengeren Kultur noch immer innewohnen kann, ist also leicht vorstellbar. Und es lohnt, sich die positiven Erfahrungen bewusst zu machen, die Frauen – und Männer – in Kulturen erleben können, wo die Sexualität konservativer ausgerichtet ist.

Nicht ganz, die Autorin des Textes, Naomi Wolf,

ist US-amerikanische Publizistin und Feministin sowie Mitbegründerin des US-amerikanischen Demokratiebündnisses American Freedom Campaign. In Kürze erscheint von ihr: „Give me Liberty: How to Become an American Revolutionary“.

Nach 9/11 hieß es desöfteren, jetzt sei nichts mehr so wie vorher. Dies scheint auch für amerikanische Revolutionärinnen zu gelten. Denn weiter, als das Lob der Unterdrückung der Frau im Patriarchat zu singen, kann der Feminismus nicht mehr auf den Hund kommen.

Eines immerhin kann man Frau Wolf zu Gute halten: Die immer schon falsche Gleichsetzung von Feminismus und Lesbianismus hat sie mit ihrem Plädoyer für die der Sexualität einzig angemessenen Bahnen der Ehe endgültig aufgelöst. Ein schwacher Trost.

3 Antworten zu “Warum Sex in die Ehe gehört…”

  1. Thommen 11. September 2008 um 20:29 #

    Ich hätte garantiert auf Alice Schwarzer in ihren späten Jahren getippt! 😉

  2. Thomas Stern 12. September 2008 um 06:05 #

    Auch wenn aus dem Kontext heraus klar war, dass der Text aus der linken/feministischen Ecke stammt, ist mir bei der Auflösung dann doch die Kinnlade runtergeklappt. (Ich hätte eher ’ne marginale Figur/Publikation erwartet. Aber na ja, wenn man weiß, was Germaine Greer zum Thema weibliche Beschneidung geschreiben hat, dürfte einen ja eigentlich nichts mehr schocken.)

    @Thommen: Frau Schwarzer tust du da Unrecht, die hat für Kulturrelativismus wenig übrig.

  3. ralf balke 12. September 2008 um 10:19 #

    die dümmsten kälber
    wählen ihren schleier selber…..

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