Männer sind zum Ficken da

12 Sept

Einen bei­spiel­haften Ort der gesellschaftspolitischen Sank­tionierung der sexuellen Praktiken finden wir in dem Verhältnis des islamischen Fundamentalismus zur Homosexualität.

Dem ist vorauszuschicken, dass das gesellschaftliche Bild der Homosexualität in der islamischen Welt nicht nur aus dem Schoß einer bestimmten Religion entspringt, sondern ein Konglomerat aus traditionell starken patriarchalischen Ordnungsstrukturen, regionaler Geschichte und religiösen Vorstellungen darstellt.

Anders als im europäischen Diskurs über die Homosexualität, der im 19. Jahrhundert ansetzt, wird die Homosexualität im islamischen Diskurs nicht als eine universelle Kategorie aufgefasst, die ungeachtet sexuell-technischer Details für alle Personen gilt, die einen gleichgeschlechtlichen sexuellen Verkehr praktizieren. Der sexuelle Diskurs im islamischen Kulturkreis ist vor allem durch eine angenommene sexuelle Passivität und Aktivität geprägt, die zugleich ein Machtverhältnis darstellt. Der Frau wird dabei die passive Rolle, eine »Empfängerrolle« zugeschrieben, während der Mann eine aktive Rolle innehat, sowohl beim Geschlechtsverkehr als auch in anderen sozialen Verhaltensweisen des Alltags.

Ein Homosexueller ist in diesem Diskurs nicht gleich ein Homosexueller. Das Entscheidende ist, dass er seiner männlichen Rolle gerecht wird. So kann eine männliche Person, die sich auf einen rezeptiven Analverkehr einlässt, mit einer stärkeren gesellschaftlichen Ablehnung konfrontiert werden als die Personen, von welchen angenommen wird, sie wären ausschließlich aktive Homosexuelle.

Im politischen Islam wird Homosexualität in dem Sinne ideologisiert, dass sie als ein Feindbild der »göttlichen Ordnung« instrumentalisiert wird. Doch hinter dieser Sorge um eine angenommene ewige Ordnung der Dinge versteckt sich nichts anderes als die Angst um patriarchalische Strukturen der Macht, die gerade in jenem Konstrukt einer sexuellen Passivität versus Aktivität fundieren. Dieses Konstrukt bietet das Fundament für die Legitimierung einer patriarchal strukturierten Machtverteilung in der Gesellschaft. Dementsprechend wichtig ist islamischen Fundamentalisten der Kampf gegen Homosexuelle. Yusuf al-Qaradawi erläutert in seinem – in Österreich immer noch als Schulbuch im islamischen Religionsunterricht verwendeten – Buch »Erlaubtes und Verbotenes im Islam« die für Homosexualität vorgesehenen Strafen (…)

Dunja Larise und Thomas Schmidinger in der jungle world über die Ideologeme des politischen Islam: Antisäkularismus, Antisemitismus, Antiliberalismus, Antikommunismus, Antiamerikanismus, Misogynie und Homophobie. Hier geht’s zum ganzen Text.

3 Antworten zu “Männer sind zum Ficken da”

  1. andreschneider 13. September 2008 um 16:13 #

    Wo mir einfällt, dass ich mich 2008 ja mal wieder um mein verödetes Sexleben kümmern wollte… 😦

  2. bisexuell 14. September 2008 um 12:15 #

    komisch dass es so (gottseidank) trotzdem soviel schwule Moslems gibt.

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  1. 9/11 « Raumzeit - 12. September 2008

    […] jungle-world: Komm und töte ihn! via GayWest […]

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