Fulda erklärt den Krieg

15 Sep

Während der Papst in Frankreich weilt und den dortigen Menschen erklärt, dass unsere Welt den Bach runter gehen wird, wenn nicht alle schnellstens das glauben, was er selbst glaubt, bereitet im schönen Fulda der dortige Bischof, Heinz Josef Algermissen, die Katholiken auf den Kampf vor. Nein, nicht den profanen mit Waffen und so, sondern den wirklich wichtigen, entscheidenden Kampf: den um die Deutungshoheit in der Gesellschaft nämlich:

„Wir stecken in einem Kulturkampf“, ruft Algermissen. Abzulesen sei dies an Abtreibung, Verharmlosung der Tötung von Embryonen für die Forschung, Präimplantations- und Pränataldiagnostik („Brutalselektion“, sagt der Bischof) und an der Diskussion über aktive Sterbehilfe. Gesetzesinitiativen gegen die Spätabtreibung seien zwar richtig. „Aber die Spätabtreibung ist nicht das eigentliche Problem, sondern die Abtreibung an und für sich.“

Klingt irgendwie nicht gerade besonders originell, eher sattsam bekannt. Und irgendwie fehlt auch noch was. Kreationismus vielleicht, also das Eintreten für die Schöpfungslehre im Schulunterricht? Ach nee, wir haben es hier ja mit Katholiken und nicht mit Evangelikalen zu tun. Aber dennoch: „Tötung von Embryonen“, Sterbehilfe, Abtreibung… War da nicht noch was? Ach ja, die Vereinsamung des Menschen in der Moderne:

Der Vorsitzende des Forums Deutscher Katholiken, Hubert Gindert, sieht in der Bindungsunfähigkeit vieler Menschen wie überhaupt in den gesellschaftlichen Verwerfungen eine Folge der 68er-Bewegung.

Auch wenn man sie in diesem Fall eher negativ sieht, sollten die 68er sich bei den Katholiken bedanken, dass sie überhaupt noch irgendjemand so wichtig nimmt und ihnen zugesteht, für entscheidende Verwerfungen in der Gesellschaft verantwortlich zu zeichen. Aber wie dem auch sei: Vereinsamung, das ist doch irgendwie langweilig, das reicht doch noch nicht wirklich für einen echten Kulturkampf, nicht wahr? Da muss doch noch mehr drin sein. Kommt schon ihr Katholiken, gebt’s mir!

Der Kongress greift ein Thema auf, das seiner Ansicht nach in den Stellungnahmen der Bischöfe zu kurz gekommen ist: „Gender-Mainstreaming“, die Behauptung, das „soziale Geschlecht“ sei unabhängig vom biologischen Geschlecht.

Ja, gut so, das ist schon besser… Mehr, mehr…

Unter dem Deckmantel der Gleichstellungspolitik, heißt es in einer Erklärung, werde die Geschlechtsidentität von Mann und Frau aufgelöst.

Oh boy, wir sind kurz davor. Los Fulda, mach es uns…

Es handele sich um eine „kulturelle Revolution der Homo- und Lesbenorganisationen“ zur Schaffung des „neuen Gender-Menschen“.

Yes! All right. Das hat’s echt gebracht. Das war es wert. Homos als Agenten der Zerstörung der gesellschaftlichen Moral und Ethik, als Mörder der Familie, als Dämonen objektiv ungeordneter Sexualität.

Der Versuch des Staates, über Erziehung und Ausbildung die Geschlechtsidentität der Kinder und Jugendlichen zu verändern, sei ein Missbrauch staatlicher Macht. Sie ziele auf die Zerstörung der Familie an der Wurzel

Läuft es Ihnen auch schon kalt den Rücken runter? Also, sogar ich als Homo zittere vor diesen meinen Schandtaten. Die Geister die auch ich rief, werden wir alle nun nicht mehr los. Es sei denn natürlich, alle übrig gebliebenen, rechtschaffenen Menschen stehen dagegen auf:

„Wir fordern jeden Bürger zum Widerstand gegen Gender-Mainstreaming auf, insbesondere gegen die Vermittlung im Sexualkundeunterricht.“ Von den Politikern wird verlangt, statt Gender-Mainstreaming „die reale Stärkung der Familie“ zum Leitprinzip und zur „Querschnittsaufgabe“ zu machen. An die Bischöfe wird appelliert, ihrer Hirtenpflicht nachzukommen und das Volk vor den Versuchen, einen neuen, „geschlechtsvariablen Menschen“ zu schaffen, zu schützen. Die „Propagierung der Homosexualität“ unter dem Vorwand der Nichtdiskriminierung, die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit Ehe und Familie oder ein Recht homosexueller Paare, Kinder zu adoptieren, wird „kompromisslos“ abgelehnt.

Eigentlich hätte nur noch gefehlt, dass die selbsternannten Hirten statt der „Propagierung“, die Privilegierung der Homosexualität beklagt hätten. Aber auch so sind die Forderungen albern genug. „Geschlechtsvariable Menschen“, also wirklich. Wer sich um solche Probleme sorgt, der hat keine.

5 Antworten zu “Fulda erklärt den Krieg”

  1. ondamaris 15. September 2008 um 22:16 #

    algermissen gibt sich alle mühe, doch noch in dybas fussstapfen zu treten … würg …

  2. Damien 16. September 2008 um 07:46 #

    Meinen geplanten Urlaub in Fulda trete ich aber trotzdem an. Und komme mir keiner mit Boykottkampagnen 😉 Da mein Mann dabei ist, werden wir das Dörfchen sicher allein mit unserer Anwesenheit kräftig homosexualisieren…

  3. ondamaris 16. September 2008 um 09:15 #

    recht so 😉
    allerdings kann ich einen einkauf bei schlecker empfehlen … nach kondomen fragen … ,-)

  4. TheGayDissenter 16. September 2008 um 20:51 #

    Besser noch, vor Schlecker einen mobilen Kondomstand aufbauen… 😉

  5. ondamaris 17. September 2008 um 17:40 #

    prävention in fulda … algermissen allein zuhaus …? ;-))

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