Liebe gegen Sex und Aus Eins mach Zehn und Zwei lass gehen

24 Sep

Anlässlich der Doku-Reihe „Sexreport 2008 – So lieben die Deutschen“, unter Mitwirkung von Oswalt Kolle, hat der Fernsehsender Pro Sieben auf seiner Website für den Interessierten ein Sex-Lexikon veröffentlicht. Wer da unter dem Buchstaben „H“ nachschaut, erfährt schwarz auf weiß, was man sowieso schon immer gewusst hat: Liebe gibt es nur zwischen Menschen gleichen Geschlechts. Was dagegen die Heten treiben ist nichts anderes als Trieb, Wollust und – sprechen wir es ruhig aus – Dekadenz in Reinform. Überzeugen Sie sich:

Heterosexualität, die

Sexuelles Empfinden für das andere Geschlecht. Knapp 80 Prozent der Erwachsenen beschreiben sich als heterosexuell.

Homosexualität, die

gleichgeschlechtliche Liebe. Homosexuell veranlagte Menschen fühlen sich von Personen gleichen Geschlechts angezogen. Ausschließlich homosexuell sind knapp 10 Prozent der Bevölkerung.

Ebenso aufklärend wie diese Definitionen sind die Angaben zur Häufigkeit der jeweiligen sexuellen Orientierungen. Während das Pro Sieben-Lexikon „knapp zehn Prozent“ der Menschheit für ausschließlich homosexuall erklärt, ergab eine Studie im Auftrag des gleichen Senders eine bedeutend geringere Zahl von 1,8 Prozent.

Schuld daran seien, so Prof. Dr. Jakob Pastötter, die Bisexuellen:

Ja, das ist in der Tat äußerst merkwürdig. Eine Erklärung wäre, dass sich viele Schwule in Deutschland im Gegensatz zu den USA nicht als solche begreifen, sondern als bisexuell ansehen. Zudem wurde bei Kinsey gefragt, wer überhaupt einmal einen gleichgeschlechtlichen Orgasmus erlebt hat. Das sind natürlich deutlich mehr, als es Homosexuelle gibt.

Vielleicht liegt es aber auch einfach nur daran, dass Studien im Auftrag von Medienanstalten, die nicht einmal eine vernünftige Definition der Heterosexualität abgeben können, nicht den geringsten Wert haben. Und solche, welche die Prävalenz der homosexuellen Orientierung messen wollen, sind erst recht äußerst zweifelhaft.

Und man sollte mich hier nicht falsch verstehen. Es ist mir vollkommen schnuppe ob es nun ein oder zehn oder einhundertfünfzig Prozent Schwule gibt. Für das Anliegen der Gleichberechtigung ist das ohnehin vollkommen irrelevant.

6 Antworten zu “Liebe gegen Sex und Aus Eins mach Zehn und Zwei lass gehen”

  1. Thomas 24. September 2008 um 19:03 #

    Es handelt sich bei der Studie um eine nicht-repräsentative Internetbefragung. Das bedeutet, dass die Studie eigentlich keinerlei Aussagekraft darüber hat, wie viele Homosexuelle es in Deutschland gibt.

    Merkwürdig, dass die Medien diese Zahl ohne Aussage trotzdem ernst nehmen und ungeniert weiterverbreiten..

  2. Beate 26. September 2008 um 17:38 #

    Lieber Damien,
    Habe Deinen Artikel über Oswald Kolle gelesen. Besitze die Kinsey- Reporte. Soweit ich es in Erinnerung habe, geben 80% der Befragten an, irgendwann in ihrem Leben Homo- Kontakte gehabt zu haben, (die auch zum Orgasmus führten, soweit ich weiß) Natürlich ist jede Prozentzahl unerheblich für die Toleranz, aber erstaunlich ist doch die Häufigkeit. Ist sie doch ein Gegenargument gegen moralische Bewertungen, wie manch andere Ergebnisse der Kinseyreporte auch.
    Viele Grüße
    und weiter so
    Beate

  3. Damien 26. September 2008 um 20:00 #

    Liebe Beate,
    der Artikel war von meinem Kollegen Adrian. Da ich mich nicht mit fremden Federn schmücken will, stell ich das mal richtig.
    Vielleicht ist der antischwule, homophobe oder wie auch immer zu bezeichnende Affekt gegen Schwule zum Teil eben doch auf die Angst vor „dem Homo in mir“ zurückzuführen.
    Viele Grüße
    Damien

  4. oswald 14. Juni 2013 um 09:20 #

    Pastötter ist kein Professor. Er hat nicht habilitiert oder arbeitet an irgendeiner Uni. Promoviert wurde er in Volkskunde. Ein typischer „Fernsehfachmann“

  5. kantel 4. September 2013 um 08:13 #

    Der Professorentitel Pastötters von den dubiosen AACS/MU-Einrichtungen in Florida ist nicht durch die zuständige US-Bundesbehörde, dem U.S. Department of Education in Washington D. C., und den von ihm anerkannten Akkreditierungs-Agenturen legitimiert. Gegen Pastötter und weitere Personen des DGSS, z.B. Rolf Gindorf, wurde im August 2012 Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen Titelmissbrauchs erstattet. Bisweilen setzt Pastötter hinter das “Prof.” in Klammern die Buchstaben “US”, was ebenfalls nicht dem deutschen Titelschutz gerecht wird.

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  1. ProSieben und die Sexstudie: Anal-Empirie und Dildo-Durchschnitt | NilsOle.net - 4. Oktober 2008

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