Warum Schwule, die nicht dem linken Weltbild entsprechen, vernichtet gehören

27 Sep

Wenn böse Menschen, also Rechte, Konservative, Christen, „Bürgerliche“ und was der gemeine Kritiker sonst noch dafür hält, einen guten, also linken Menschen als schwul denunzieren, ist das Geschrei in der Regel groß. Von sexueller Denunziation ist dann – zu Recht übrigens – die Rede. Wenn aber Linke dasselbe umgekehrt machen, wie jetzt in den USA geschehen, scheint das moralisch vollkommen in Ordnung zu gehen, zumindest, wenn die Bösen immer die anderen sind:

In Blogs ist Mark Buse, der Stabschef von John McCain, als schwul geoutet worden – jetzt wird diskutiert, ob das Outing durch „linke Blogger“ gerechtfertigt war.

Was gibt es da eigentlich zu diskutieren? Sexuelle Denunziation ist und bleibt abzulehnen, vollkommen egal, gegen wen sie sich richtet und von wem sie ausgeht. Der aktuelle Vorfall in den USA ist aber noch viel bizarrer – im Grunde genommen gab es bei Mark Buse nämlich überhaupt nichts zu outen:

Die schwul-lesbischen Republikaner – die Log Cabin Republicans – haben inzwischen bestätigt, dass Buse dem gleichen Geschlecht zugeneigt ist. Sie sehen das Outing durch „schrullige, linke Blogger“ aber als überflüssig an: „Mark Buse lebt seit Jahren offen schwul“, erklärte Log-Cabin-Sprecher Scott Tucker.

Die Log-Cabins nutzten die Attacke dann auch gleich für einen Einsatz im laufenden Wahlkampf:

„Das beweist nur, was wir seit Jahren gesagt haben: John McCain ist ein offener Republikaner, der die besten Leute einstellt unabhängig von deren sexueller Orientierung.“

Der Charakterisierung der Denunziation durch die schwulen Republikaner kann ich mich nur anschließen:

Die Angriffe der Blogger wurden auf der Website der Log Cabin Republicans als „Politik der persönlichen Vernichtung“ bezeichnet.

Denn natürlich müssen die Urheber der Aktion, ihrer Weltsicht entsprechend, davon ausgehen, dass Buse nunmehr seinen Job los ist. Dass dies bisher keineswegs eingetreten ist, relativiert die existenzbedrohende Motivation der Täter nicht im geringsten. Bei den queer.de-Kommentaren zeigt sich angesichts des Vorgangs und der dazugehörigen Diskussion mal wieder, dass homosexuelle Orientierung keineswegs davor bewahrt, gewissen heteronormativen Klischees aufzusitzen:

und überhaupt: der tätowierte typ auf dem ersten bild ist berater von mccain? lol

Genau. Schließlich wissen wir alle, dass Republikaner alle stets im Anzug rumlaufen. Demokraten hingegen erkennt man an ihren Tattoos und langen Haaren. Es lebe die (homo)sexuelle Einfalt!

Ein weiterer Kommentator hingegen hat erkannt, dass die Angriffe auf Buse den Republikanern durchaus nützten und für die Demokraten entsprechend zum Eigentor werden könnten:

Und wenn die Leute aus der McCain Kampagne pfiffig genug sind, dann wenden sie dieses Outing tatsächlich so drehen, dass die Urheber Homosexualität, die für einen Job keine Relevanz haben sollte, anscheinend als legitime Möglichkeit sehen, um damit politische Gegner zu diffamieren.

Womit die Leute aus der McCain Kampagne ja nicht ganz daneben lägen…

Außerdem wählen die Leute nicht Buse sondern McCain, der unter den ultra-konservativen und christlichen Wählern ohnehin bloß als das geringere Übel betrachtet wird, um Barack Obama zu verhindern. Unentschlossene konservative schwule Wähler könten McCain aber durchaus politisch attraktiver finden, weil sie sich von solchen Outingaktionen einerseits grundsätzlich abgestoßen fühlen, andererseits McCain zwar konservative aber keine schwulenfeindliche Politik machen wird, da er ja, und hier kommt der lebende Beweis, Mark Buse beschäftigt.

So gesehen ist man ja fast schon versucht, zu sagen: Weiter so, Linke!

3 Antworten zu “Warum Schwule, die nicht dem linken Weltbild entsprechen, vernichtet gehören”

  1. Südlicher Anstand 28. September 2008 um 08:32 #

    Solange das bloße Aussprechen der Tatsache, dass jemand homosexuell ist – mehr ist hier ja nicht geschehen – von Konservativen als „Denunziation“ bezeichnet wird, unterstreichen sie gerade das Argument, welches die Linken auf unbeholfene aber anscheinend effektive Weise versuchen zu machen.

    Man hätte ja auch einfach mit einem Schulterzucken und „ja, und?“ antworten können, aber das haben die Konservativen eben gerade nicht; stattdessen ein Geheule wegen „persönlicher Vernichtung“ — weil jemand als schwul bezeichnet wurde? Ach Gotterle. Wie sagt man so schön: Getroffene Hunde bellen. Eine Runde Mitleid für die ARMEN schwulen Republikaner, so von den pöhsen Linken gebeutelt.

  2. Thommen 28. September 2008 um 09:30 #

    Dieser saloppe Umgang mit Wörtern im Titel ist unakzeptabel! Genauso unakzeptabel wie die angebliche „nur Seelenreinigung“ von Schwulen bei den jamaikanischen Rappern!
    Denunziert werden sollen – egal ob rechts oder links – PolitikerInnen, die sich öffentlich gegen Schwule und Lesben einsetzen, obwohl sie selber heimlich schwul oder lesbisch sind! Nicht nur bei den Religionen…

  3. Adrian 28. September 2008 um 10:51 #

    „Dieser saloppe Umgang mit Wörtern im Titel ist unakzeptabel!“

    Wohl wahr, die Menschenrechtskommission sollte sich mal damit beschäftigen…

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