Warum Arschlöcher eklig werden, sobald sie zur CSU gehören

28 Okt

Kaum ist der Koalitionsvertrag in Bayern unterschrieben, kommen die ersten Beschwerden. So ist das üblich und so klingt es von berufsschwuler Seite:

LSVD und Grüne kritisieren, dass die CSU/FDP-Koalition die „bayerische Diskriminierungspolitik“ fortsetze

Etwas konkreter ist dann nur noch davon die Rede, man sei

enttäuscht von dem mageren Ergebnis für die Gleichstellungspolitik in Bayern,

wie Axel Hochrein für den LSVD erklärte. Offenbar hatte man das bayerische Wahlergebnis wieder vergessen, denn warum sonst würde man angesichts der 8 Prozent, die die FDP erreicht hatte, folgende Analyse im Brustton der Überzeugung vortragen?

Der Koalitionsvertrag trägt deutlich die Handschrift der CSU, die FDP hat sich bei den Rechten von Lesben, Schwulen und Transgender nicht durchsetzen können.

Einen Punkt allerdings hatte definitiv die FDP durchgesetzt,

dass gleichgeschlechtliche Lebenspartner sich künftig in Standesämtern verpartnern dürfen und nicht wie zuvor nur bei Notaren,

das allerdings wird vom LSVD als zu wenig bewertet, da

die Gleichstellung nicht über den mehr symbolischen Punkt hinaus

gehe.

Hochrein nennt als bestehende Benachteiligungen die nicht angegangene „Gleichstellung von Regenbogenfamilien“, die „Gleichstellung im Beamtenrecht“ und die „Gleichstellung im Steuerrecht“.

Die Kritik der Grünen ist wie gewohnt eine, die auf Kollektivismus abzielt. So kritisierte Volker Beck

dass neben dem Standesamt weiter Lebenspartnerschaften bei Notaren eingetragen werden könnten.

Und das geht nun wirklich nicht, weil es nämlich nicht um das Recht geht, eine Lebenspartnerschaft auf dem Standesamt zu schließen, sondern offenbar um die Pflicht dazu. Außerdem ist das eine Gelegenheit, Guido Westerwelle wieder einmal um die Ohren zu hauen, dass er den Zeitpunkt seines Coming-Outs selbstbestimmt hat, statt seiner emanzipatorischen Pflicht Genüge zu tun, sich so früh zu outen, wie es Volker Beck gerne gehabt hätte:

Das war allerdings auch mal eine diskriminierende Idee von Herrn Westerwelle aus den Tagen vor seinem Coming-Out, die kurioserweise von der CSU aufgegriffen wurde.

Kritik an der Kritik kam von der LSU, die

die neue Regierung vor „negativen Reaktionen aus dem linken Lager“ in Schutz

nahm:

Da wird mit vollkommen überzogenen Maßstäben gemessen, die den Verhältnissen in Bayern nicht gerecht werden. Wir sind erst am Anfang des Weges, aber wir schreiten nun endlich in die richtige Richtung, erklärte Rainer Ilg, Süd-Chef der LSU.

Ganz perfide:

CSU und FDP haben im Koalitionsvertrag beschlossen, dass eine Gleichstellung von Lebenspartnern nur erfolgen solle, wenn das „rechtlich notwendig“ werde.

Der eine oder andere Kommentator bei queer.de ist trotz LSVD-Mitgliedschaft mit der Nörgelei des Verbands nicht einverstanden:

Jetzt vergleichen wir einmal das rein SPD-regierte Bundesland Rheinland-Pfalz mit Bayern. Dort müssen homosexuelle Paare zum Landkreis in ländlichen Regionen und nur in den kreisfreien Städten dürfen dort Paare zum Standesamt.

Nein diese Kritik ist in diesem Fall einmal verfehlt. Solange es Bundesländer wie Rheinland-Pfalz gibt, wo die SPD allein regiert und bisher immer noch nichts dort geschehen ist, hat es die bayrische FDP verdient, hier gelobt zu werden.

Die Sonderregel in Bayern zum Notariat fällt und die Standesämter sollen geöffnet werden, und weitere landesrechtliche Regelungen werden angepasst. Das muß das SPD regierte Bundesland Rheinland-Pfalz erstmal schaffen.

Und Steuerrecht findet nunmal auf Bundesebene und nicht in Bayern statt. Dort in Berlin wird dies entschieden.

Das alles jedoch hindert Katrin aus Nürnberg nicht, es noch einmal so richtig krachen zu lassen:

Unverständlich wie sich Menschen in der CSU Afterorganisation anbiedern können, deren Menschenrechte und Leben kaputt gemacht werden.

Denn ist nicht im Grunde genommen schon die Mitgliedschaft in der CSU eine einzige Menschenrechtsverletzung? Mit anderen Worten: Hat das Herz eines jedes anständigen Homosexuellen nicht in jedem Fall links zu schlagen?

2 Antworten zu “Warum Arschlöcher eklig werden, sobald sie zur CSU gehören”

  1. xv22 29. Oktober 2008 um 16:58 #

    Lieber Blog-Verfasser: Was hast du eigentlich gegen Leute, die sich als „links“ sehen? Ich tue das ebenfalls, entspreche allerdings weder dem Klischee des Amerikahassers noch des Multi-Kulti-Islamverherrlichers (und auch nicht des Ausländerfeinds).

    Allerdings ist es nicht Wunschdenken, sondern traurige Tatsache, dass „rechte“ Parteien eher für die Diskriminierung und Benachteiligung Homosexueller eintreten – siehe FPÖ (für die Ärmsten der Armen statt für die Wärmsten der Warmen), BZÖ (Schwuchteltreffen, Kultur des Todes, …), ÖVP (verhinderte oftmals § 209-Abschaffung, verhindert weiterhin rechtliche Gleichstellung, …) vs SPÖ, Grüne (offen schwule Abgeordnete, für Gleichstellung, …).

    Oder?

  2. Damien 29. Oktober 2008 um 17:12 #

    Liebe/r/s xv22!
    Ich habe gar nichts gegen Leute, die sich als links sehen.
    Tatsächlich, auch in Deutschland tun sich die Konservativen schwerer mit der Akzeptanz von Schwulen und Lesben als die Linken. Gut, dass es daher auch eine LSU gibt, die für die Akzeptanz in CDU/CSU wirbt. Vielleicht tut sich ja der eine oder andere Konservative auch schwer mit „den Homos“, weil einige Homos es verstanden haben, Homosexualität mit Promiskuität und Sozialismus gleichzusetzen. Das ist zwar ziemlicher Unsinn, wird aber trotzdem immer wieder von Schwulen derart vorgetragen, dass man meinen könnte, sie sprächen für die Mehrheit der Schwulen.

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