Warum Kritik am Islam einem Verrat an der Freiheit gleich kommt

1 Nov

Der am 28. Oktober in Berlin abgehaltene „Runde Tisch gegen Homophobie hat sich als überflüssig entpuppt. Nach ganzen zwei Stunden, gingen die Akteure ergebnislos auseinander. Alexander Zinn, vom LSVD Berlin-Brandenburg, ist darüber sichtlich enttäuscht:

Beim […] „Runden Tisch gegen Homophobie“ wurde eine große Chance vertan. Zum ersten Mal waren Vertreter von muslimischen und homosexuellen Organisationen und von Migrantenverbänden auf Einladung von Berlins Integrationsbeauftragtem Günter Piening zusammengetroffen. Nach zweistündiger Diskussion ging die Runde jedoch ohne Ergebnis auseinander. Auf die Vorschläge des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) für konkrete Maßnahmen gegen Homophobie konnte man sich nicht einigen. Eine Folgeveranstaltung wurde vom Integrationsbeauftragten abgelehnt. Es drängt sich der Verdacht auf, dass nie mehr als eine bloße Schauveranstaltung geplant war.

Nicht mal eine vom LSVD vorgeschlagene Resolution konnte verabschiedet werden. In dieser heißt es:

Homophobie ist kein Kavaliersdelikt!

Muslimische und homosexuelle Verbände und Migrantenorganisationen fordern zu Achtung und Respekt gegenüber Schwulen und Lesben auf

Der Runde Tisch „Gemeinsam gegen Homophobie“ verurteilt den im Anzeigenmagazin „Al Salam“ veröffentlichten Artikel „Ein fleischfressendes Bakterium und geschlechtliche Anormalität“ von Muhammed Lujain al – Zayn aufs Schärfste. In dem Artikel werden Homosexuelle beschimpft, böswillig verächtlich gemacht und verleumdet; darüber hinaus sind einige Äußerungen des Verfassers geeignet, in friedensstörender Weise zum Hass gegen Homosexuelle aufzustacheln. Wir bitten den Polizeipräsidenten in Berlin um Prüfung eines Verfahrens wegen Volksverhetzung nach § 130 Strafgesetzbuch.

Besonders empörend ist die Aufforderung des Verfassers, Homosexuellen wegen angeblich an ihren Händen befindlicher Keime und Bakterien nicht mehr die Hand zu geben und sich von ihnen fernzuhalten. Derartige Äußerungen – die im Übrigen auch nicht von der nach Artikel 5 Absatz 1 Grundgesetz garantierten Meinungsfreiheit gedeckt sind – sind in einer friedlichen und toleranten Gesellschaft nicht hinnehmbar und müssen mit Mitteln des Strafrechts sanktioniert werden. Gleiches gilt für die Verbreitung des Artikels durch den Verleger des Magazins.

Meinungen, wie sie in dem Artikel kundgegeben werden, dürfen kein Forum bekommen.
Homophobie ist kein Kavaliersdelikt! Der Islam darf nicht dazu missbraucht werden, Hass und Gewalt gegen Homosexuelle zu predigen. Die Teilnehmer des Runden Tisches wenden sich gegen jede Form der Herabsetzung, Verächtlichmachung und Diskriminierung Homosexueller. Wir verurteilen die Ungleichbehandlung aufgrund der sexuellen Orientierung ebenso entschieden wie eine Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechtes, der Abstammung, der Rasse, der Herkunft und des Glaubens.

Die Teilnehmer des Runden Tisches setzen sich dafür ein, dass Lesben und Schwule ihre sexuelle Orientierung frei von Anfeindungen und Repressionen entwickeln und leben können. Dafür ist es notwendig, dass Homosexuelle auch in der Familie und im Freundeskreis akzeptiert werden. Homophobie darf in unserer Stadt keinen Platz haben! Homosexuellen ist wie allen anderen Menschen auch mit Achtung und Respekt zu begegnen.

Doch was macht man, wenn sich die Achtung und der Respekt gegenüber Schwulen und Lesben, mit der eigenen Religion auf Kollisionskurs befindet? Die Berliner Muslimischen Organisationen nehmen dazu wie folgt Stellung:

Ausgehend von den Aussagen des Korans gibt es unter muslimischen Gelehrten den Konsens, dass homosexuelle Handlungen theologisch als Sünde zu betrachten sind. Ähnliches gilt – bekanntlich – auch für das Trinken von Alkohol oder außerehelichem Beziehungen. Handlungen, die islamisch-theologisch als Sünde betrachtet werden, können wir aus unserem Glauben heraus nicht gutheißen.

Gleichzeitig sind wir der festen Überzeugung, dass die sexuelle Orientierung, der Konsum von Alkohol, oder was auch immer in der islamischen Theologie als Sünde betrachtet wird, Privatsache ist. Ob wir etwas gutheißen oder nicht, wird und kann die Freiheit des Einzelnen in keiner Weise beschränken. Für uns handelt hier jeder Mensch eigenverantwortlich und wird im Jenseits – dies ist fester Bestandteil unserer islamischen Glaubensvorstellung – vor seinem Schöpfer für sein gesamtes Handeln Rechenschaft ablegen müssen.

Auch wenn wir Homosexualität als solche nicht gutheißen, verurteilen wir jegliche Form der Verfolgung oder gar Gewaltanwendung gegen Homosexuelle. Wir wenden uns entschieden gegen jegliche Form der Diskriminierung und Verfolgung irgendwelcher gesellschaftlicher Gruppen einschließlich der Homosexuellen.

Eigentlich sollte man meinen, diese Stellungnahme schließt sich mit den Forderungen oben genannter Resolution nicht kategorisch aus. Die Vorstellung, dass Homosexualität Sünde sei, ist ja nun kein Monopol des Islam und man kann Menschen schlecht dazu zwingen, ihre religiösen Anschauungen zu ändern. Dumm ist nur, dass die Muslimischen Organisationen in bewährter islamischer Manier, sich verbitten, ob ihrer religiösen Anschauungen auch nur kritisiert zu werden:

Zum Schluss sei angemerkt, dass in der aktuellen Berichterstattung über den oben genannten Artikel manche Autoren direkt oder auch indirekt die Vorstellung bzw. Aussage kritisieren, dass Homosexualität eine Sünde ist. Hierdurch erwecken sie den Eindruck, dass dies eine Ursache von Homophobie sei. Nicht die Glaubensvorstellung führt zu Homophobie, sondern vielmehr ein mangelndes Verständnis über die Freiheit des Einzelnen. Muslime – und nicht nur sie – wird man für den Kampf für individuelle Freiheit nicht gewinnen können, indem man Glaubens- und Moralvorstellungen kritisiert. Stattdessen erreicht man das Gegenteil. Entscheidend ist vielmehr die Vermittlung eines richtigen Verständnisses für die vielfältige Freiheit des Einzelnen bzw. des Anderen unabhängig von den eigenen Überzeugungen, die jeder Mensch wiederum für sich frei wählen kann. [Hervorhebung von mir, Adrian]

Wenn ich die Muslimischen Organisationen richtig verstehe, hat also der Glaube, Homosexualität sei Sünde nichts mit Homophobie zu tun, obwohl dieser offensichtlich ein ganz klares negatives Werturteil beinhaltet, wie ich es im Zusammenhang mit der katholischen Lehre bereits in einem früheren Beitrag verdeutlicht habe. Und ein pauschales negatives Urteil über das Leben von Schwulen und Lesben ist nun mal homophob. Und das soll ich nach Auffassung der Muslimischen Organisationen nicht mal kritiseren dürfen, weil ich damit Moslems garantiert nicht für die individuelle Freiheit begeistere, sondern sie im Gegenteil – ja, wohin eigentlich? – in den Fundamentalismus treibe?

4 Antworten zu “Warum Kritik am Islam einem Verrat an der Freiheit gleich kommt”

  1. DocTimo 1. November 2008 um 18:34 #

    Ich bin heute ohnehin übelst gelaunt und wenn man so etwas liest (oups, lieber Adrian mit so etwas meine ich natürlich nicht Deine wie immer erhellenden Ausführungen), kann man einfach nicht so viel essen wie man kotzen möchte.

    Ganz vulgär und völlig undifferenziert und ohne Lust auf Verständnis und Opferkult und im täglich wachsenden Unglauben, dass es ein soziales Problem ist

    grüsst

    DT

  2. baerbel 2. November 2008 um 13:58 #

    Danke für diesen Beitrag. Immer wieder gut, feststellen zu können, dass es doch kein Hospatalismus ist, wenn man den Ganzen Tag mit dem Kopf schütteln muss, wenn man der Welt so beim Denken zuschaut. Ich lese deinen Blog erst seit kurzem regelmäßig und mag deine Beiträge. Außerdem bekomme ich so mal was mit. In meinem Provinzstädtchen einfach ist nix los.

    Erstaunlich immer wieder, für wie gefährlich und dumm die Vertreter der islamischen Organisationen selbst ihre Schäfchen halten. Schlimmer noch: Sie setzen offen auf das Drohpotenzial des unberechenbaren Mobs, der ihnen offenbar näher steht, als die „vielfältige Freiheit des Einzelnen“.

    Also, Schwule, zieht euch warm an, damit man eure Tuntenklamotten nicht so sieht und hört auf, eure unislamischen Neigungen in der Öffentlichkeit auszuleben. Auch abweichendes Verhalten oder Aussehen ist Kritik, mit der man den „Sozialen Frieden“ erheblich gefährdet!

    Ein Freund von mir hat von mir hatte in seiner Schule mal eine dieser „emanzipierten Muslimas“ sitzen, durch und durch islamistisch.

    Sie konnte jeder vernünftigen Argumentation folgen und sich in die dazu notwendige Denkweise hineinversetzen. Sie sagte nur immer dazu: so etwas zu denken sei eben Sünde, und deshalb verbäte sie es sich selbst, das sei halt ihr Glaube. Immerhin war ihr klar, dass das Denkverbot ihr Problem ist und nicht das der Anderen. Fand ich irgendwie beeindruckend, ihren Versuch, ohne Ressentiment ihren Regressionswillen zu behaupten. Sie hat jedenfalls nie gedroht, sich zu radikalisieren, wenn man ihr die falschen Fragen stellt.

    grüße von Bärbel

  3. Marti 2. November 2008 um 14:50 #

    Wenn wir nicht bald anfangen gegen die immer krassere Kapitulation vor dem Islam etwas zu unternehmen, sehe ich nur noch schwarz.

    Unsere feigen Politiker gehen jedem Ärger mit ständig empörten und unterschwellig gewaltbereiten Mulimen aus dem Weg. Und die Gutmenschenfraktion, auch die schwule, kommt mit der ewig gleichen Leier von Vertständnis für die armen, ach so sehr beachteiligten Muslimen. Ich könnt nur kotzen!

    Noch ein paar Jahre weiter so und wir betteln nur noch darum als unzüchtige Ungäubige überhaupt noch eine en Lebensrecht zugestanden zu bekommen.

    Giordano hat recht: „Der Islam ist das Problem!“

  4. baerbel 3. November 2008 um 02:30 #

    Marti, das geht, finde ich dann doch, ein bisschen an der deutschen Realität vorbei und zu weit. Noch, und das wird sich so schnell auch nicht ändern, sind die Muslime eine Minderheit und ich bin auch so weit Gutmensch, dass dass ich die nicht alle für so verrückt halte, wie diejenigen unter ihnen, die deutlich verhaltensauffällig sind. Es ist ja schon so, dass einem immer diejenigen Mitglieder einer als solche identifizierten Gruppe auffallen, die sich danebenbenehmen.

    Ich kenne auch ein paar Leute, die sich zwar als Moslems bezeichnen, die aber nichts gegen Schwule haben, die zum Teil Alkohol trinken und die auch schon bemerkt haben, dass man von Frauen nicht weniger halten muss, als von Männern. Und sie sind genervt von den radikalen, weil sie in Ruhe ein bisschen Moslems sein wollen, ohne dabei anderen das Leben zur Hölle zu machen.

    Das zu sehen macht die Islamisten zwar nicht weniger gefährlich, schützt aber davor, sich mehr bedroht zu fühlen, als man tatsächlich ist. Ich glaube es gibt doch meistens mehr harmlose Menschen, als man glaubt. Und wenn sie´s nur aus Feigheit oder Desinteresse sind. Gelobt seien Unterhaltungselektronik, VW-Tuning und BurgerKing™

    Genausowenig, wie ich also alles, was irgendwie mit Islam zu tun hat, als Bedrohung sehe, würde ich ein „wir“ gegen „die“ formulieren wollen, wie du es tust, und bei vielen „unserer“ Politiker bin ich froh, dass sie zu feige sind, „etwas“ zu unternehmen. Ich glaube, dass sie das auch nicht gerade aus einer aufgeklärten Haltung heraus tun würden, vielen von denen würde ich schon unterstellen, Rassisten resp. Fremdenhasser zu sein, die einen Menschen zuerst als Türke und erst dann als Moslem abschieben wollen.

    Es gibt auch einen ständig empörten und latent gewaltbereiten deutschen Mob, der nicht zu verachten ist, und der in Deutschland immer noch der gefährlichere ist. Und unter der Knute dieser Leute zu leben, wäre (und ist bisweilen) auch kein Zuckerschlecken, nicht als Jude, nicht als Ausländer nicht als Homo.

    Was die armen, benachteiligten Moslems angeht: Klar, – deren Rumgeheule, von wegen kein Islamunterricht und zu wenig Moscheen sei Rassistisch und Kritik an ihrer Religion eine Menschenrechtsverletzung – Bullshit und Klappe halten.

    Trotzdem solltest du dabei nicht vergessen, dass man als Ausländer (nicht als Moslem), vor allem wenn nicht gerade reich, in Deutschland schon einiges zugemutet bekommt. Das fängt an bei rassistischen Lehrern und geht weiter bei der Ausbildungs- oder Stellensuche – da hat man es einfach schwerer. Und das ist ein genuin deutsches Problem.

    Eine schlechte soziale Stellung ist zwar keine Entschuldigung dafür, dass jemand durchdreht, wohl aber ein Grund. Perspektivlose Menschen neigen eben viel eher zu Todessehnsucht und zu Ressentiments, und wenn es da schon ein Angebot gibt, dann ist die Gefahr besinders groß.

    Es ist kein Problem, das man lösen kann, indem man nur dem Islam entschlossen entgegentritt. Da muss weit mehr passieren, die Deutschen sind eben auch das Problem und selten so intelligent wie Giordano.

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