Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin schwul.

19 Nov

So, oder so ähnlich, könnte man das Weltbild des Fundi-Christen Newt Gingrich zusammenfassen. Seit jeher ein aufrechter Ritter für Moral, Sitte und Anstand, hat Gingrich jetzt eine neue Leidenschaft entdeckt: den Kampf gegen den Faschismus, manifestiert in der Bewegung (!), die irgendwie schon immer faschistisch war: die der Homos und insbesondere die der Schwulen. Ja, Newt Gingrich hat von europäisch, linken Traditionen gelernt, auch wenn seine Begründung ein wenig anders strukturiert ist.

In einem Interview mit Bill O’Reilly bei FOX News – der Medienfamilie übrigens, die bspw. mit den Simpsons selbst gehörig zur Verschwulung der Welt beiträgt – legte Gingrich, befeuert von Busenkumpel O’Reilly, dann auch so richtig los:

O’REILLY: OK, now, the culture war. I know you’ve been flying around the country, and you’re doing stuff. In the last three or four days, this is really nasty stuff. I mean, you know, hyper — we’re gonna show you some of the video. A woman getting a cross smashed out of her hand. We had a church in Michigan invaded by gay activists. We’re gonna show you the video on Monday of that — we have exclusively. We had a guy in Sacramento fired from his job. We had boycotts called on restaurants.

I mean, it is getting out of control, very few days after the election. How do you assess that?

Kirchen werden gestürmt, Kreuze aus der Hand gerissen, Boykotte inszeniert; hässliche Geschichten, keine Frage. Deutschland in der Endphase Weimars, war nichts dagegen.

GINGRICH: Look, I think there is a gay and secular fascism in this country that wants to impose its will on the rest of us, is prepared to use violence, to use harassment. I think it is prepared to use the government if it can get control of it. I think that it is a very dangerous threat to anybody who believes in traditional religion.

Einen wie Newt Gingrich, der den Herrschaftsanspruch „traditioneller Religion“ hochhält, muss die zunehmende Toleranz, die Amerika den Homos entgegenbringt natürlich beunruhigen. Und so schmiedet er auch schon eine Allianz, die man hierzulande wohl mit dem Stichwort „interreligiösen Dialog“ beschreiben würde:

And I think if you believe in historic Christianity, you have to confront the fact. And, frank — for that matter, if you believe in the historic version of Islam or the historic version of Judaism, you have to confront the reality that these secular extremists are determined to impose on you acceptance of a series of values that are antithetical, they’re the opposite, of what you’re taught in Sunday school.

Nun basiert das gesamte amerikanische Verfassungssystem auf der Trennung von Staat und Religion, so dass man Gingrich und seinen Anspruch, religiöse Werte zum Bestandteil der Politik zu machen, mit Fug und Recht als antiamerikanisch bezeichnen kann.

I think when the left — when the radicals lost the vote in California, they are determined to impose their will on this country no matter what the popular opinion, no matter what the law of the land.

Die Macht der Mehrheit, Minderheiten Rechte zu verweigern, muss von Gingrich natürlich hochgehalten werden. Ach hätte man damals nur darüber abgestimmt, als die Judikative des Landes daran ging, Ehen zwischen Schwarzen und Weißen zu erlauben. Dann wäre es nie so weit gekommen. Zumal in irgendeiner Fußnote der Bibel bestimmt auch verewigt ist, dass so etwas nicht erlaubt ist.

You’ve watched them, for example, in Massachusetts, basically drive the Catholic Church out of running adoption services, drive Catholic hospitals out of offering any services, because they impose secular rules that are fundamentally […] sinful from the standpoint, you know.

An diesem Punkt könnte man sich zusammen mit Gingrich empören, allerdings nur dann, wenn betreffende Adoptionsagenturen in privater Hand gelegen haben. Keine Ahnung wie das in Massachusetts ablief. Eine faschistische Aktion war es aber in jedem Fall, nicht wahr Gingrich?

Eben genauso faschistisch, wie es auch Milch ist. Denn immerhin ist diese weiß…

3 Antworten zu “Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin schwul.”

  1. DDH 19. November 2008 um 19:23 #

    Wobei solches Zusammenschnüren von „schwul“ und „faschistisch“ auch bei ganz anderen AutorInnen sich gewisser Beliebtheit erfreut, man denke nur an Elfriede Jelinek oder Alice Schwarzer…

  2. marco1981 19. November 2008 um 21:14 #

    Ist das nicht eher Bill O’Reilly? 😉 *klugscheiss*

    Naja, Bill O’Reilly ist ja der „Culture Warrior“ schlechthin, jeder, der mal für einige Zeit in den USA war, kennt seine Tiraden, die ja nicht nur auf Fox News laufen…

  3. Adrian 19. November 2008 um 21:50 #

    Ja, er ist es. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Irgend etwas ist heute mit mir los 😉

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