Schwedisch ambig

29 Nov

Katholische Gruppen haben in Polen zum Boykott des schwedischen Möbelhauses Ikea aufgerufen.

schreibt queer.de wahrheitsgemäß, um schon im nächsten Satz bei der Grundlage für den Aufruf ins Reich der Fantasie hinüber zu gleiten:

Im neuen Katalog ist auch ein Homo-Paar abgebildet.

Nun ist die Argumentation der Fundi-Katholiken korrekt wiedergegeben, nur was da für ein Paar im Katalog zu sehen ist, das ist weit weniger eindeutig. Ich habe das ganze zuerst für die Frühstücksidylle eines Heteropaares gehalten, bis mir die Brustbehaarung bei der „Frau“ auffiel. Andere queer.de-Leser hielten die Beiden für Vater und Sohn. Die Reaktion von Ikea, das vor einem guten Jahr noch mit einer Maßnahme vorauseilenden Gehorsams gegenüber islamischen Feinden der Meinungsfreiheit von sich reden machte, ist ebenfalls mehrdeutig:

Ikea lehnt eine Reaktion auf den Boykott mit Verweis auf die Antidiskriminierungsrichtlinien des Konzerns ab.

Immerhin:

„Homosexualität gehört zum Leben in der heutigen Gesellschaft, erklärte Ikea-Sprecherin Karolina Horoszczak.

So richtig in sich hat es die Begründung der selbsternannten Christen, warum man auf die Abbildung mit einem Boykott reagieren solle:

Ikea erkläre Familien den Krieg, indem es homosexuelle Beziehungen idealisiere.

Moment mal! In dem ich etwas Reales als normal darstelle, idealisiere ich es also? Und das wiederum ist eine Kriegserklärung an Familien, die in dieser Denke selbstredend stets und überall heterosexuell sind? Puh, das muss man erst einmal verarbeiten. Umgekehrt würde das ja bedeuten, die Idealisierung von heterosexuellen Beziehungen, also ihre Darstellung als etwas normales, wäre eine Kriegserklärung an homosexuelle Familien. Das wiederum wäre die klassische linke „Kleinfamilie ist böse und antihomo“-Ideologie. Die halte ich allerdings für Unsinn. Ebenso wie die fast schon paranoide Behauptung dieser polnischen Katholiken, die darüber hinaus erklärten:

Gleichgeschlechtliche Beziehungen mit verheirateten Paaren gleichzusetzen kann nicht entschuldigt werden.

Wobei das doch gar niemand gemacht hatte. Oder ist tatsächlich die Darstellung eines mutmaßlich homosexuellen Paares in der Werbe-Öffentlichkeit ohne gleichzeitige Distanzierung davon schon eine solche Zumutung für Klerikalkonservative, dass sie zu derart drastischen Formulierungen greifen müssen?

Wie man der ganzen Angelegenheit in einer Variante ganz speziellen schwulen Selbstbewusstseins eine besondere Note geben kann, voller Ironie versteht sich, machte dieser queer.de-Kommentator deutlich:

Also der Dicke ist doch wesentlich älter …. und total unsexy.  Also wenn DIE Schwule sein sollen, dann sollten WIR sauer sein auf IKEA, dass sie Schwule so unsexy darstellen,

weil nämlich Schwule, wie man weiß, immer jung und süper-sexy sind. Mal sehen, wann sich die ersten Katholiken beschweren, wer so argumentiere, der habe

gezielt mit homophoben Klischees und Vorurteilen operiert

– das wäre eine Pointe, die es noch nicht so häufig gab.

Eine Antwort zu “Schwedisch ambig”

  1. Timo 1. Dezember 2008 um 12:12 #

    Dieses Paar im IKEA Katalog ist wahrlich kurz vor gruselig.
    Der Muskeltrulla-Kommentar mindestens genauso. Schwule, wehrt Euch gegen Körperfaschismus und andere ismen…..

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