Warum die Straflosigkeit der Homosexualität ein Akt religiöser Diskriminierung ist

3 Dez

Frankreich hat sich vorgenommen, im Namen der Europäischen Union, der UNO den Vorschlag zu unterbreiten, für die Aufhebung der Strafbarkeit der Homosexualität weltweit einzutreten. Man kann bereits jetzt davon ausgehen, dass diese lobenswerte Initiative in der Versenkung der UN-Bürokratie verschwinden wird, hat sie doch mit der Anerkennung der individuellen Freiheit und so gar nichts mit kulturellem Pluralismus bzw. religiösen Befindlichkeiten zu tun.

Kritik an der französischen Initiative kam dann auch prompt und das – quelle surprise! – von der einzigen Theokratie auf europäischem Boden. Der Vatikan zeigte sich ein wenig irritiert und schwurbelte kräftig drauf los:

Natürlich gehört der „Kampf für Respekt und Schutz der Personen zu unserem menschlichen und spirituellen Erbe“, betont Erzbischof Migliore in einem Interview, das am Montag bekannt wurde. Der katholische Weltkatechismus betone in aller Deutlichkeit, „dass jede ungerechte Diskriminierung von Homosexuellen vermieden werden muß“.

Die Betonung liegt hierbei auf „ungerechte Diskriminierung“. Denn die „gerechte Diskriminierung“ von Homosexuellen will sich der Vatikan nicht nehmen lassen. Das obligatorische „aber“ folgt dann auch auf dem Fuße:

„Aber“ – so der Vatikan-Diplomat weiter – „das ist hier gar nicht die Frage.“ Und er fährt wörtlich fort: „Hier gibt es jetzt eine Erklärung, die politischen Wert hat und von einer Reihe Staaten unterzeichnet ist. Sie fordert die Staaten und die internationalen Organisationen, die Menschenrechte umsetzen und kontrollieren, dazu auf, neue Kategorien hinzuzufügen, die vor Diskriminierung zu schützen sind. Dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass sie im Fall von Adoptionen neue und furchtbare Diskriminierungen schaffen.“

Und inwiefern würde eine Aufhebung der Strafbarkeit der Homosexualität, „neue und furchtbare Diskriminierungen“ schaffen?

„Die Staaten, die die Union zwischen Personen des gleichen Geschlechts nicht als Ehe anerkennen, werden an den Pranger und unter Druck gestellt werden.“

Man könnte dieses Statement zynisch nennen, so falsch liegt Rom aber mit dieser Kausalkette dann doch nicht. Ist es denn nicht so, dass in denjenigen Ländern, welche die Strafbarkeit homosexueller Handlungen abgeschafft haben, die Homos es wagen, aus ihren Löchern zu kriechen und sich erdreisten zu fordern, als vollwertige Menschen anerkannt zu werden, komplett mit dem ganzen Kram von wegen Liebe und so? Und zwar richtiger Liebe und nicht nur dieser „Liebe-Deinen-Nächsten-solange-Du-nur-fleißig-Kinder machst„-Doktrin?

Kritik an der Haltung Roms dürfte nicht schwer fallen:

Der frühere französische Kulturminister Jack Lang – ein Sozialist – bekräftigt in einem Interview, die geplanten Änderungen an der UNO-Menschenrechtserklärung zielten vor allem auf mehrheitlich islamische Länder. „Es ist schade, dass der Vatikan denselben Weg einschlägt wie diese Länder.“

Schade, aber nicht wirklich überraschend. Sitzt doch der Vatikan des Öfteren mit den Jüngern Allahs in einem Boot, insbesondere wenn es darum geht, den Schutz religiöser Gefühle zu einem menschenrechtlichen Anliegen zu machen.

Ein transsexueller Politiker der Partei „Kommunistische Wiederergründung“ darf erklären, er warte immer noch „auf ein Mea Culpa für die Scheiterhaufen des Mittelalters,“

Was so ziemlich das vernünftigste ist, was ein kommunistischer Politiker jemals von sich gegeben hat –

während ein Abgeordneter von Silvio Berlusconis Regierungspartei den Vatikan verteidigt: „Wer will den[n] ausschließen, dass künftig die Gegner von „Homo-Ehen“ vor Gericht gestellt oder persönlich angegriffen werden?“

Na, wer will das ausschließen? Schieben wir solchen Theoremen doch gleich einen Riegel vor und unterstützen weiterhin die Strafbarkeit der Homosexualität…

Und auch der olle Buttiglione musste seinen Senf dazugeben:

Er präzisiert, die Kirche sage doch gar nicht, dass Homosexualität ein Verbrechen sei. Sie wende sich aber, so Buttiglione wörtlich, „gegen die Initiative einiger europäischer Staaten oder vielleicht auch der Brüsseler Bürokratie, für Homosexuelle einen Sonderstatus zu schaffen“.

Heulen und Zähne klappern allerorten von den Anhängern Roms, die es sich nicht nehmen lassen wollen, Schwule und Lesben weiterhin mit dem Stigma der Sünde zu belegen, ohne sich dafür argumentativ rechtfertigen zu müssen. Schließlich steht das im Weltkatechismus, niedergeschrieben von alten Männern mit zu viel Zeit und ohne Bezug zur Realität des Lebens.

Und überhaupt: Es gehe doch gar nicht darum, dass Homos in den Knast gesteckt oder an Baukränen aufgehängt werden. Das ist doch nicht das Problem. Denn das reicht viel tiefer, wie uns der Papst-Sprecher, Lombardi, erklärt:

„In diesem Text geht es nicht nur darum, Homosexualität straffrei zu machen, wie man das jetzt überall liest, sondern um die Einfügung einer Erklärung mit politischem Wert. Sie kann sich auf Kontrollmechanismen in einer Weise auswirken, dass jede Norm – nicht nur juristische, sondern auch soziale oder religiöse – jedwede sexuelle Orientierung genau auf die gleiche Stufe stellen müssen. Sonst würde diese Norm als den Menschenrechten entgegengesetzt angesehen. Das kann ganz eindeutig zu Diskriminierung derjenigen führen, die glauben, – um nur mal ein sehr klares Beispiel zu nennen – dass die Ehe zwischen Mann und Frau die grundlegende und ursprüngliche Form des sozialen Lebens ist und deshalb privilegiert werden sollte.“

Ich übersetze mal: Die Aufhebung der Diskriminierung von Homosexuellen, diskriminiert die, welche die Diskriminierung der Homosexuellen aufrechterhalten wollen. Und das verstoße gegen die Menschenrechte.

Es komme ja nicht von ungefähr, so der Vatikan-Sprecher weiter, dass gerade einmal fünfzig Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen sich hinter die EU-Initiative gestellt hätten.

„Hingegen haben sich 150 Staaten nicht dahinter gestellt. Der Heilige Stuhl ist also nicht allein.“

Vielen Dank, Vatikan, für diese präzise Analyse. Kein Wunder, dass Du Dich in dem Diktatoren-Klub namens UNO so wohlfühlst.

Advertisements

5 Antworten to “Warum die Straflosigkeit der Homosexualität ein Akt religiöser Diskriminierung ist”

  1. Timo 4. Dezember 2008 um 12:53 #

    Frankreich macht es einem nicht immer einfach, stolzer Bürger zu sein. Mais en ce moment, je suis fier!

  2. Albert 4. Dezember 2008 um 13:21 #

    Ola

    Nach langer zeit schau ich vorbei,
    und finde immer noch dasselbe Gericht,
    gutgemeint, doch brei.

    Adrian, wieso gestehst du dir die offensichtlichen Schwächen deiner Argumentation nicht ein?
    Wir sind uns nicht uneinig wenn es darum geht, ähnliche Gesetze durchzubringen, ich wäre dafür, das Debattieren um Homo-Kram schlicht und einfach zu einem nicht-politischen Thema zu machen, aus einer aufgeklärten Perspektive ist die sexualität eines Menschen auch gar kein politisches Thema, basta.

    Auf der anderen Seite gibt es sowas wie Kultur evolution, und auch wenn es dir nicht passt: daß du heute(ich nehme jetzt einfach mal an, dass du Gay bist) frei leben kannst, hast du, trotzallem, und ohne, dass ich damit sagen möchte, dass du oder sonstwer irgendwem irgendwas schulde(s)t, trotzallem der links-grünen postmoderne zu verdanken.

    Solange sich die Massen damit kontrollieren ließen, leute auf Scheiterhaufen zu verbrennen, habt ihr Liberale, selbst wenn selbst nicht mainstream-orientiert, immer applaudiert. Und wieso?

    Weil es ….evolution ist. Es ist OK.

    Hier mal eine einfache, kleine Theorie, sehr populär, wird mittelerweile endlich auch vom US-militär und anderen benutzt, weil sie verstanden haben, dass die Idee, eine Kultur über Nacht zu ändern, Käse ist(und das glauben an sowas selber als psychisches Problem/Mangel an Entwicklung darstellen kann.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Spiral_Dynamics

    Ich komme nach Monaten auf diesen Blog, und es ist immer noch dasselbe ewiggestrige Zeug. Wake Up!

  3. Albert 4. Dezember 2008 um 13:33 #

    und das glauben an sowas selber als psychisches Problem/Mangel an Entwicklung darstellen kann.

    Sorry: Unter anderem die Spidy-Theorie kann das. Aber allgemein muss einem doch der mangel an Integration IRGENDEINER sozio- oder pschologischen Information, die solche aussagen, beziehungsweise Aussagen, die auf dem Paradigma fussen, dass man aus A über Nacht B machen, begleiten, auffalen, und das es eine prä-rationale, weil AUS KEINER RICHTUNG BEGRÜNDETE Komponente hat: Es wird etwas einfach so angenommen. Die Empörung über den Angeblichen Magenl an Humanismus, der denjenigen Vorgeworfen wird, die einfach nur post-kon-op denken,

    (http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget. Standard der Entwicklungpsychologie kognitver Fähigkeiten)

    also zB Systemisch Denken können, hat dieselbe Emotionale Und anti-intelektuelle Struktur wie man sie bei von ihrer Menschlichkeit überzeugten AbtreibungsGegnern und Scwulen Therapie Freunden Findet.

    Was ich damit sagen will: Strukturell agiert ihr gleich, seit also, aus, meiner Perspektive, potentiell gleich-gefährlich für die moderne Zivilsation.

    Pam! naja, das war jetzt vielleicht übers Ziel hinaus, ist natürlich auf keinen Fall persönlich Gemeint.

    Alles Liebe Weiterhin : )(ich meins so!)

    Albert-Sebastian

  4. Adrian 4. Dezember 2008 um 21:06 #

    Beam me up, Scotty!

  5. Albert 7. Dezember 2008 um 21:52 #

    Ich heiß zwar nicht Scotty, aber: no problem. Mach ich gerne!

    Aber ich kann dir natürlich nur die Tür zeigen! : ) : )

    Sterben musst du selbst

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: