Was hat Homosexualität im Religionsunterricht zu suchen?

3 Dez

„Ich möchte nicht, dass ein muslimisches Kind über Homosexualität nur etwas im muslimischen Religionsunterricht erfährt oder ein katholisches Kind etwas über Abtreibung nur im katholischen Religionsunterricht“, begründete der evangelische Pfarrer Stephan Frielinghaus von der französischen Friedrichstadtkirche am Dienstag, warum er bei „Christen pro Ethik“ mitmacht.

Die Ängste des Herrn Frielinghaus könnten gemindert werden, wenn Homosexualität in allen Fächern ihren Platz hätte – so wie es für die Heterosexualität längst gilt. Warum müssen denn in den Lesebüchern nur Bilder von Mutter-Vater-Kind-Familien zu sehen sein, ebenso wie im Englisch- und Französischbuch nur Heteropärchen? Warum im Literaturkurs nicht auch mal Klassiker schwuler Literatur lesen? Warum im Biologieunterricht Homosexualität immer nur im Zusammenhang mit Hiv und Aids erwähnen? Warum nicht im Kunstunterricht die Werke von Künstlern, die Homosexualität thematisieren, auf die Agenda setzen? Warum ist im Geschichtsunterricht immer nur die Rede von Königen und ihren Frauen oder – wenns ganz modern daher kommt – Revolutionären und ihren Geliebten, Frauen natürlich?

9 Antworten zu “Was hat Homosexualität im Religionsunterricht zu suchen?”

  1. Beate 3. Dezember 2008 um 20:38 #

    Lieber Damien,
    Du hast verdammt recht. Ist mir in meiner Einfalt noch gar nicht aufgefallen. Wie wärs mit Jean Genet. Sein Roman “ Notre Dame des Fleurs“ ist mir kürzlich in die Hände gefallen oder die Romane des diesjährigen Büchnerpreisträgers Josef Winkler.
    Gruß! Beate

  2. Damien 3. Dezember 2008 um 21:11 #

    Liebe Beate,

    Genet mag ich nicht mehr so wegen seinem Faible für Gewalt. Ich finde es schade, wenn seine Assoziation von Homosexualität mit Brutalität und Kriminalität als repräsentativ für Literatur von Schwulen gilt. Da gibt es andere, die weniger Abgründe und mehr Normalität beschreiben. Die wären auf jeden Fall auch wichtig im Unterricht. Sonst kommt am Ende wieder raus, dass Schwule die mit Gewalt und irgendwie halbseiden sind.

    Viele Grüße
    Damien

  3. Damien 4. Dezember 2008 um 09:05 #

    …für Winkler gilt ähnliches. Der scheint mir so traumatisiert durch die beiden aufgeknüpften Buben in seiner Kindheit, dass er eine lebenslange Obsession für Tod und Leiden hat. Darauf ist Homosexualität allerdings schon lange nicht mehr abonniert. Es gibt so viele Autoren, weltweit, bei denen Homosexualität auch mit Fröhlichkeit konnotiert ist, mit Glück, Zufriedenheit, Normalität, Akzeptanz.

  4. Beate 4. Dezember 2008 um 17:15 #

    Lieber Damien,
    hast schon recht. Aber große Literatur schreiben beide. Winklers Bücher haben allerdings auch mehr mit dem erdrückenden Katholizismus auf diesen hintermondigen Dörfern als direkt mit H. zu tun. Auch Gewalt (Hetero und homo) ist menschlich, leider. Das Wegschauen macht die Sache nicht besser.
    Gruß! Beate

  5. Beate 4. Dezember 2008 um 17:19 #

    Lieber Damien,
    ich denke, auch homos sind Menschen, bei denen wie bei den Heteros Leiden, Gewalt usw. vorkommt. Oder sind in diesem Punkt die Homos besser?
    Nichts für ungut! Beate

  6. Damien 4. Dezember 2008 um 21:28 #

    Liebe Beate,

    von Wegschauen war nicht die Rede. Gewalt, ob gegen Schwule oder gegen Frauen oder wen auch immer, gehört thematisiert, skandalisiert, auch literarisch. Ich wehre mich nur dagegen, wenn die Existenz von Schwulen immerzu als tragisch beschrieben wird, als mehr oder weniger ausschließlich durch Gewalt von außen oder innen bedroht und bestimmt.

    Die Gewalt, die Homos betrifft, ist nicht zuletzt die, die von außen kommt, in einer heteronormativen Gesellschaft ja auch kein Wunder. Schwule sind sicher nicht besser als Heteros. Viele Klischees über Schwule (sie seien sanfter, bessere Zuhörer, kreativer, etc) halte ich für Vorurteile, wenn auch gut gemeinte.
    Es gibt allerdings Studien, wonach Kinder, die bei Homos aufwachsen, eine höhere soziale Kompetenz aufweisen, als Kinder, die bei Heteros aufwachsen. Ob deshalb auch die Homos eine höhere soziale Kompetenz haben als die Heteros, weiß ich nicht.
    Grüße
    Damien

  7. Beate 7. Dezember 2008 um 23:20 #

    Lieber Damien,
    Bin natürlich einverstanden. Davon abgesehen finde ich die Schreibe vom Winkler einfach gut. Ich denke, die H. ist nicht sein Hauptthema. Dass er aber die Schwierigkeiten der H. in unserer Gesellschaft, vor allem in der kath Szene thematsiert und das Gefühl der Ausweglosigkeit für manche, finde ich gut .Er stellt das in einer eindringlichen, tollen Sprache dar.Deshalb finde ich seine Bücher für Schulen lesenswert und wichtig. Deine Meinung würde mich interessieren.
    Gute Nacht.Beate

  8. Damien 9. Dezember 2008 um 08:32 #

    Liebe Beate,
    ich habe kein Buch von Winkler ganz gelesen, kenne nur Ausschnitte, kürzere Texte von ihm, Interviews mit ihm. Ist nicht mein Geschmack, mir ist es zu morbid aber ich hätte nichts dagegen, dass er in der Schule gelesen wird, wenn, wie gesagt, seine Sicht auf die Welt dabei nicht als repräsentativ für die Sicht „der“ Schwulen hingestellt wird.
    Grüße
    Damien

  9. Beate 9. Dezember 2008 um 14:04 #

    Lieber Damien,
    Tja, das ist Geschmackssache. Dein letzter Satz: akzeptiert.
    Eine schöne Woche wünscht
    Beate

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