Kritische Betrachtungen zum Aktionsplan der Berliner Grünen gegen Homophobie

9 Dez

Die Fraktion der Berliner Grünen hat konkretisiert, wie sie sich einen Aktionsplan vorstellt, dessen Ziel es sein soll, Homophobie in der Hauptstadt und überhaupt zu bekämpfen. Im Großen und Ganzen klingen die angeführten Vorschläge recht vernünftig. Schauen wir uns diese mal an:

1. Um eine Datengrundlage zu erhalten, müssen regelmäßig Umfragen zu Gewalt gegen Lesben, Schwule und Transgender durchgeführt und die Polizeistatistik verbessert werden. Für Lesben und Transgender liegen entsprechende aktuelle Erhebungen nicht vor.

2. Härtere Strafen sind nicht das geeignete Mittel zur Abschreckung, eine zeitnahe Gerichtsverhandlung schon. Hassgewalttaten müssen von Polizei und Staatsanwaltschaft erkannt und systematisch verfolgt werden.

Vielleicht sind härtere Strafen nicht das geeignete Mittel um potentielle Täter abzuschrecken, dagegen spricht aber dennoch nichts. Wer länger im Knast verweilt, bedroht einen in diesem Zeitraum wenigstens kein zweites Mal.

3. Die Aufklärung über sexuelle Identität muss im Rahmen eines Diversityansatzes Pflichtprogramm in Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen werden.

Absolut einverstanden. Das Aufjaulen der stolzen Heteros höre ich schon jetzt. Es wird dem Ganzen eine humoristische Würze geben.

4. Homophobie muss zielgruppenspezifisch begegnet werden, ohne soziale Gruppen pauschal zu stigmatisieren. Dies schließt einen ergebnisorientierten interkulturellen Dialog mit ein.

„Interkulturelle Dialoge“ halte ich für überflüssig. Die westliche Zivilisation beruht auf der Wertschätzung der individuellen Freiheit. Dieses Bewusstsein zu stärken und zu fördern, sollte vordringlich sein. Ob Aishe in ihrer Freizeit gerne Bauch tanzt und Paella isst, oder ob Paolo morgens Wasserpfeife raucht und nachmittags Hollywoodfilme konsumiert, all das sind selbstverständliche individuelle Vorlieben, für deren gesellschaftliche Akzeptanz man keinen kollektivistisch-ideologischen Popanz namens „kulturellen Pluralismus“ benötigt.

5. Allen Glaubensgemeinschaften muss verdeutlicht werden, dass Glaubensfreiheit dort endet, wo die individuelle Lebensgestaltung von Menschen unterschiedlicher sexueller Identität gegen ihren Willen eingeschränkt wird.

Na also, geht doch.

6. Projekte gegen Homophobie müssen bedarfsgerecht ausgestattet werden. Insbesondere Sport- und Jugendkulturprojekte zum Abbau von Vorurteilen brauchen Unterstützung jeglicher Art. Hassgesänge gehören nicht auf die Bühne und sind gegebenenfalls ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Hier möchte ich ein fiskalisches Bedenken äußeren: Bevor man alle möglichen „Sport- und Jugendkulturprojekte“ fördert, sollte man sich erst einmal absichern, ob diese ihrem Anliegen, Vorurteile abzubauen, überhaupt dienlich sind oder von den Zielgruppen nur deshalb in Anspruch genommen werdern, weil es was „umsonst“ gibt.

7. Der Öffentliche Dienst sollte Leitbilder und Maßnahmen für ein Arbeitsklima mit akzeptierender Vielfalt entwickeln.

Da der öffentliche Dienst ein Büttel des Staates ist, sollte man dort wohl erwarten können, nicht auf Grund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert zu werden.

8. Mit geeigneten Mitteln der Öffentlichkeitsarbeit (zum Beispiel im Rahmen der Berlinkampagne) ist für die Akzeptanz von unterschiedlichen sexuellen Identitäten in der breiten Bevölkerung zu werben.

„Be Love, be Berlin!“ – Und wem das nicht passt, soll nach Brandenburg gehen.

9. Bei internationalen Kontakten, insbesondere zu Berlins Partnerstädten, ist die Gleichbehandlung von Menschen unterschiedlicher sexueller Identität zu thematisieren.

Da gäbe es einiges zu tun: Insbesondere in Istanbul, Moskau, Warschau, Budapest, Jakarta, Taschkent, Peking und Windhoek. Und so ganz nebenbei Wowi: Wenn Du das nächste Mal mit dem saudischen König durchs Brandenburger Tor gehst, könntest Du etwas weniger gastfreundlich sein, trotz der Begeisterung über kulturelle Vielfalt und so.

10. Berlin soll sich auf Bundesebene weiterhin für die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgender einsetzen.

Das wäre ja mal was.

Und die Conclusio der Grünen?

Homophobie ist keineswegs eine Angelegenheit der Betroffenen allein, sondern muss ebenso wie Antisemitismus oder Rassismus in gemeinschaftlicher, gesamtgesellschaftlicher Anstrengung bekämpft werden. Berlin braucht einen Aktionsplan gegen Homophobie!

Wenn die Homophoben uns Homos in Ruhe lassen würden, kann ihre Homophobie gerne ihre ganz persönliche Angelegenheit bleiben. Wenn sie allerdings einsehen würden, wie abgrundtief bescheuert ihr Ressentiment ist, wäre das noch besser. Ich mache Heteros ja auch nicht fertig, nur weil sie ihr gegenteiliges Geschlecht lieben. Oder?

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7 Antworten to “Kritische Betrachtungen zum Aktionsplan der Berliner Grünen gegen Homophobie”

  1. Ralf 9. Dezember 2008 um 18:07 #

    Na im öffentlichen Dienst ist noch vieles zu tun. Nicht zuletzt warten wir im Bund und in den Ländern (außer Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein) darauf, dass nicht mehr die sexuelle Orientierung über die Höhe der Beamtenbesoldung entscheidet.

  2. Thommen 9. Dezember 2008 um 20:48 #

    Homophobie, Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Antisemitismus entstehen mitten in unserer Gesellschaft! (wo denn genau?) Sie müssen also bei jeder neuen Generation „therapiert“ werden. Das ist eine Daueraufgabe, kein einmaliger „Aktionsplan“!!

  3. Wullenwever 9. Dezember 2008 um 22:21 #

    Nicht als „stolzer Hetero“, sondern als schlichter Konservativer hätte ich schon was gegen die Aufklärung über sexuelle Diversität in Kitas (!) und damit Punkt 3, um ehrlich zu sein… In eine Kita sollten keine staatlich verordneten sexuellen Inhalte gehören, egal ob homo oder hetero.

  4. Southern Decency 9. Dezember 2008 um 22:25 #

    „Die Aufklärung über sexuelle Identität muss im Rahmen eines Diversityansatzes Pflichtprogramm in Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen werden.“

    „Diversity“ ist ein anderes Wort für Multi-Kulti. Insofern ist der kollektivistisch-ideologische Popanz zweimal in der Liste vertreten. Abgesehen davon ist eine sexuelle Orientierung etwas anderes als eine sexuelle Identität. Sexuelle Orientierung=auf was ich stehe, (sexuelle) Identität=wie ich mich sehe, als was für einen Menschen. Schwulenhasser greifen Schwule (verbal oder körperlich) nicht wegen ihrer Identität, sondern wegen ihrer Orientierung an. Offensichtlich brauchen die Grünen mal etwas Aufklärung über die korrekte Terminologie.

    Letztendlich sind die Grünen-Vorschläge kaum von denen vom CDU’ler Sascha Steuer unterschiedlich. Beide versuchen, Gewalt gegen Schwule allein durch schwulenfeindliche Einstellungen zu erklären. In Wirklichkeit kommen aber in solchen Fällen immer zwei Probleme zusammen: einerseits schwulenfeindliche Einstellungen, andererseits die Ansicht, Gewalt sei akzeptables Verhalten gegenüber Leuten, die man nicht mag. Das sind zwei Paar Schuhe, die separat zu behandeln sind — eines ist ein Verstoß gegen humanistische Ideale, das andere ein Verstoß gegen das Gesetz.
    Anders gesagt: Selbst, wenn man einem Schlägertypen die Homophobie austreiben könnte, bleibt dieser doch immer noch ein Schlägertyp. Erst muss die Gewaltbereitschaft als abweichendes Verhalten bekämpft werden, dann kann man sich über die Weltbilder Gedanken machen.

    Die Lösung liegt also nicht in Dialogen und Multi-Kulti-/Diversity-Indoktrination, sondern in mehr Polizei und mehr Rechtsstaat. Es ist kein Zufall, dass aus ganz Bayern weitaus weniger Berichte über schwulenfeindliche Gewalttaten kommen als aus Köln oder Berlin, und das ist bestimmt nicht deshalb so, weil die Bayern so schwulenfreundlich sind.

  5. Adrian 9. Dezember 2008 um 22:59 #

    @ Wullenwever
    Ich nehme mal an, die Grünen meinen mit „Aufklärung über sexuelle Diversität“ nicht, dass die Kinder in der Kita was über Sexualpraktiken o. ä. lernen, sondern lediglich, dass Kita-Betreuer Paul zusammen mit einem Mann lebt und das nichts Schlimmes ist.

  6. Wullenwever 9. Dezember 2008 um 23:43 #

    @Adrian: Ich tue den Grünen ungern den Gefallen einer wohlwollenden Interpretation ihrer Texte (das tun sie mit anderen auch nie), deshalb bleibe ich da etwas skeptischer – aber ein solcher (defensiver) Erklärungsansatz wäre natürlich okay. Wobei Paul das jetzt auch schon so sagen kann, dazu braucht es kein Programm.

    Grundsätzlich hab ich eben auch was gegen diese staatlichen Erziehungsmaßnahmen über den Kinderbetten… Zur Aufklärung der Familien braucht’s die Gesellschaft, nicht den Staat.

  7. Maik B. 10. Dezember 2008 um 17:02 #

    @Adrian: Ich bin schockiert. Sie schreiben etwas über die Grünen und bemühen sich, eine faire Beurteilung abzuliefern.
    Wie kommt das denn?
    Macht die Weihnachtszeit etwa weich?
    Vielleicht sollte ich dann mal etwas positives über Westerwelle schreiben. 🙂

    @Wullenwever: Es geht weder darum, den Kindern irgendwelche Sexualpraktiken nahezubringen noch um die Frage, wie das läuft, wenn ein Mitarbeiter des Kindergartens zufälligerweise schwul ist.
    Es geht darum, dass man den Kindern nicht ausschliesslich ein heterosexuelle Beziehungen ausgerichtetes Weltbild eintrichtert.
    Es gibt genug Kinderbücher, in denen es um die klassische Familie geht.
    Und in denen wird auch kein Wort über den Sex der Leute verloren.
    Was spricht dagegen, dass es in jedem Kindergarten ein Buch, in dem es um zwei sich liebende Männer geht geben sollte?
    Nur so als Beispiel.

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