50 Jahre kubanische Revolution sind 50 Jahre Desinformation

5 Jan

Desinformation. Wie sonst könnte man die andauernde, ja steigende Begeisterung der Jugend für Che Guevara  erklären? Natürlich sind genug Jugendliche darunter, die nicht zwei zusammenhängende Sätze über den Che formulieren könnten. Tatsache ist aber doch, dass Guevara längst zur Pop-Ikone geworden ist. Würde dasselbe mit Hitler passieren, wären viele zu Recht empört. Warum sind sie das nicht auch bei Guevara? Besonders menschenfreundlich war er nämlich nicht.

Ich selber fand Guevara als Jugendlicher cool, sexy, revolutionär. Doch was wußte ich tatsächlich über ihn? So gut wie nichts. Es gab diesen Satz, den wir uns auf die Schultaschen schrieben, der von ihm sein soll: „Wir müssen härter werden, ohne unsere Zärtlichkeit zu verlieren“. Doch wie sah die Praxis des Che Guevara aus? Eine Antwort findet sich in „Traumpfade der Weltrevolution. Das Guevara-Projekt“ von Gerd Koenen, das ich über die Weihnachtstage gelesen habe.

Als erstes fielen mir die Begriffe ins Auge mit denen der Che und seine Genossen all die belegten, die zu Feinden erklärt wurden. „Schädlinge“ waren sie und konsequenterweise sollten sie „ausgelöscht“ werden. 1961 wurden Lager auf Kuba errichtet, für „asoziale Elemente“, in die man ohne Gerichtsurteil verbracht werden konnte, aufgrund von „Vergehen gegen die revolutionäre Sittlichkeit“, wie Homosexualität oder Prostitution.

Ohne Zweifel läßt sich Guevara als historischer Vorläufer eines Bin Ladens bezeichnen. Oder wie sonst soll man eine solche Ansicht einordnen, wie sie der Che vertreten hat:

Wir müssen den Weg der Befreiung auch dann gehen, wenn er Millionen atomarer Opfer kosten sollte…

Damit war in erster Linie der Krieg gemeint, der gegen das gesamte Volk der USA geführt werden sollte, durchaus aber auch die eigenen Leute, Kubaner also, die sich aufopfern sollten, um mit ihrer

Asche als Fundament für eine neue Gesellschaft (zu) diene(n).

Entgegen der Annahme, bei der Revolution ginge es in irgendeiner Weise darum, der breiten Masse das Leben zu erleichtern, bestand Guevara darauf, der Neue Mensch kenne

keine andere Befriedigung als seine Pflicht zu erfüllen.

Statt dem Streben nach dem guten Leben, für das die historische Arbeiterbewegung noch auf die Straße gegangen war, hieß es nun,

Die Gesellschaft muss sich in ihrer Gesamtheit in eine riesige Schule verwandeln,

was für jeden Antiautoritären doch eigentlich ein einziger Alptraum sein müßte. Wer bis dahin überhaupt überlebt hatte, hatte aber auch noch andere Qualen vor sich. So träumte Guevara davon, in der neuen Gesellschaft der Neuen Menschen würden die Proletarier sich

ihre Lungen mit bewusster Freude vergiften.

Damit zu diesem Zeitpunkt nur noch die wertvollsten Elemente des Volkes übrig wären, räumten die kubanischen Kommunisten zuvor noch einmal gründlich auf. So wurden 1965 in einer Kampagne 50.000 als Homosexuelle stigmatisierte Männer ohne Verfahren, per polizeilicher Verfügung, in die sogenannten UMAP, Arbeitsbataillone oder Zwangsarbeitslager, eingewiesen. Castro erklärte hierzu:

Wir müssen in dieser Zeit die besten Eigenschaften unseres Volkes fördern. Es gibt keinen Platz für Parasiten …, die sich in bestimmten Positionen konzentrieren und die Jugend beeinflussen.

Für Castro waren also quasi alle Intellektuellen schwul und mit dieser Begründung wurden die Intellektuellen in der Folge bekämpft. Banneraufschriften dieser Zeit lauteten z.B.:

KRIEG DER VERWEICHLICHUNG

KRIEG DEM INDIVIDUALISMUS

KRIEG DER SÜNDE

Wenn da nicht das Herz eines bekannten deutschen Rechtslibertären höher schlägt… 1962 wurde übrigens konsequent Chruschtschow als Tunte beschimpft, als er die sowjetischen Atomraketen wieder aus Kuba abziehen ließ, weil er den atomaren Schlagabtausch fürchtete, was ihn in den Augen von Guevara zu einem einzigen Schlappschwanz machte.

1968 dann wurden Homosexuelle grundsätzlich als potentielle politische Opposition behandelt. Der moralische Soundtrack dazu lief auf Radio Havanna, das die

städtischen Bikinis und sogenannten Minis, enge Hosen, langes Haar, gemusterte Strümpfe und epileptische Tänze

kritisierte.

1971 wurde im linksradikalen Paradies mit dem „Gesetz gegen Vagabundismus und Bummelei“ schließlich die allgemeine Zwangsarbeit eingeführt.

Wenn Raoul Castro die Menschen auf Kuba aktuell darauf einschwört, dass sich die soziale Situation dort in Zukunft weiter verschlechtern werde, kann man nur hoffen, dass die Menschen vor Ort sich eines Tages dieser menschenverachtenden Ideologie entledigen und sich auf den Weg in die Freiheit machen.

2 Antworten zu “50 Jahre kubanische Revolution sind 50 Jahre Desinformation”

  1. heinzel 5. Januar 2009 um 19:21 #

    es wird zeit, daß es sich ein wenig herumspricht, daß der allgemeine monatslohn in kuba (egal ob hau8smeister oder augenarzt) bei rund 16 Euro und die rente der rentner bei 7 euro monatlich liegt.

    völlig unverständlich, daß sich sogar erwachsene menschen für die kommunistische diktatur kuba und ihre diktatoren begeistern können.

    ich begreif´diese deppen nicht.

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  1. Iranische Geschichte durchs Schlüsselloch betrachtet : TRANSATLANTIC FORUM - 5. März 2009

    […] Verachtung des Hausgotts türkischer Linker, Che Guevara, für “Schwuchteln” findet man hier einiges. http://www.kaynakyayinlari.com/pinfo.asp?pid=2126 ⇧ Bookmark […]

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