Was der Papst und andere, sich einmal hinter ihre Öhrchen schreiben sollten

6 Jan

Nachdem der Papst in seiner Weihnachtsansprache zum Schutz der Regenwälder vor dem Gender-Mainstreaming aufgerufen, sowie die Verbindung von Mann und Frau fetischisiert und sich damit quasi selbst zum Zerstörer der Schöpfungsordnung erklärt hat, schlugen die Wellen der Empörung unter den Homos der Welt wieder einmal ziemlich hoch, obwohl man doch mittlerweile wissen sollte, wie der Papst so tickt. Okay, zugegeben, ich habe mich auch geärgert – ein wenig –, interessanter jedoch als die, wie üblich, intentionsfreie Papstrede, waren Verlautbarungen unserer Verbündeten der heterosexuellen Front, die Rom ob seiner Homophobie dergestalt kritisierten, dass einem nicht so warm ums Herz wurde, wie man es, angesichts dieser sexuell orientierungsübergreifenden Solidarität, hätte erwarten können.

Sicherlich haben wir alle schon einmal erlebt, dass als Reaktion auf einen nicht gerade homofreundliche Verlautbarung, eben diesem Verlautbarer mit Entrüstung entgegen geschleudert wurde, Homosexualität sei doch nichts, was sich die Betreffenden ausgesucht hätten, das sei nun mal angeboren und – wenn es ganz emotional wird – dafür könne man doch nichts.

Mag das auch alles richtig sein, eines faden Beigeschmackes, kann man sich angesichts einer solchen Verteidigung dann doch nicht erwehren. Wenn man darauf besteht, Homosexualität damit verteidigen zu müssen, dass diese eben angeboren sei und man diese sich nicht aussuche, heißt das nicht im Umkehrschluss, dass sie eben nicht zu verteidigen wäre, wenn diese nicht angeboren wäre und man sich diese aussuchen könne? Oder, etwas weniger lyrisch: wäre Homosexualität also unmoralisch, wenn sie jedem Menschen, qua innerster Empfindung, zur Verfügung stünde?

Wie ist es dann z. B. mit jenen, die sich von beiden Geschlechtern angezogen fühlen? Handeln sie nur dann moralisch, wenn sie Menschen ihres gegenteiliges Geschlechts begehren, bzw. sich in diese verlieben? Natürlich wird keiner auf die Idee kommen, unsere bisexuellen Freunde könnten kontrollieren, in wen sie sich verlieben, aber wäre es – dem obigen Argument folgend – für sie nicht angebrachter, sich gefälligst in den richtigen Partner, d. h. in den mit anderen Geschlechtsorganen als sie selbst, zu verlieben?

Gesetz dem Fall, man könnte munter zwischen den sexuellen Orientierungen hin und her springen oder gar kontrollieren, wen man anziehend findet oder nicht. Wieso wäre Homosexualität dann unmoralischer?

Es ist eben höchstens ein sachliches Argument, wenn man darauf insistiert, dass man sich seine sexuelle Orientierung nicht aussuchen könne. Für eine moralische Wertung ist sie denkbar ungeeignet. Völlig egal, was die Ursachen der Homosexualität sind, ob sie nun angeboren ist oder nicht, man sie sich aussuchen kann oder nicht, es reicht vollkommen, jeder moralinsauren, homophoben Nappsülze entgegenzuhalten:

Die selbstbestimmte Sexualität von Menschen und die Liebe dieser zueinander, kann gar nicht falsch oder unmoralisch sein. Punkt!

Warum muss man über so etwas überhaupt diskutieren?

2 Antworten zu “Was der Papst und andere, sich einmal hinter ihre Öhrchen schreiben sollten”

  1. Thommen 9. Januar 2009 um 22:02 #

    Ich empfehle einen Text aus dem Jahre 1946, von einem grossen Biologen aus Basel! Prof. Adolf Portmann!
    http://www.arcados.com/?p=184

  2. DINshredder 18. Januar 2009 um 03:15 #

    Sehr richtig!

    Aber leider werden diese ‚Verbündeten der heterosexuellen Front‘ nicht den geringsten Schimmer haben, wovon Du redest. Und sie werden nicht aufhören, uns mit ihrer ganz speziellen Toleranz über unser Schicksal hinwegzutrösten, mit ihrem tief empfundenen Mitgefühl, daß wir uns doch deshalb nicht schämen müssen. Sie werden uns weiter Hoffnung machen, daß wir aus unserem Leben trotzdem noch etwas machen können, denn Cäsar und Friedrich den Großen hätte es ja auch so übel erwischt und dennoch sei etwas aus ihnen geworden. Und sie werden nie verstehen, daß ich, wenn sie mir sagen, ich könne doch nichts dafür, nur diesen einen Gedanken habe: „Du wohl auch nicht.“

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