Kirche statt König

9 Jan

Während Schwule in islamischen Ländern damit rechnen müssen, aufgrund ihrer Homosexualität hingerichtet zu werden, gehen Teile der vielgescholtenen christlichen Kirche längst andere Wege. So sollen Mitarbeiter der Evangelischen Kirche im Rheinland, die verpartnert sind,  die gleichen Rechte erhalten wie Ehepaare. Wie die evangelikale Nachrichtenagentur „idea“ meldet,

will die Kirche bei ihrer am Sonntag beginnenden Synode in Bad Neuenahr ihre Besoldungs- und Versorgungsordnungen ändern.

Ralf König hält diese Entwicklung nicht davon ab, anläßlich des Starts seines neuen Comics für die FAZ zu erklären, er interessiere sich für

die wachsende Aggressivität der Religionen ausgerechnet in einem Zeitalter, das sich selbst als aufgeklärt bezeichnet.

Als wenn der Unterschied zwischen Christentum und Islam für Schwule nicht tendenziell die Grenze zwischen Leben und Tod markieren würde.

9 Antworten zu “Kirche statt König”

  1. Martin Riexinger 9. Januar 2009 um 11:55 #

    Die Cartoons sind trotzdem geil.

  2. Ralf 9. Januar 2009 um 18:12 #

    So einfach ist das nicht. Bekanntlich tritt der Vatikan für die Beibehaltung der Schwulenverfolgung in allen Staaten ein, wo sie immer noch besteht. Es ist kein Zufall, dass sich daraus ein Bündnis zwischen der kath. Kirche und islamischen Verfolgerstaaten ergibt.

  3. RalfKönig 10. Januar 2009 um 22:19 #

    Stimmst Du in den Chor mit ein, der bemäkelt, dass es so viel einfacher sei, sich über die ach so friedlichen Christen zu ereifern als über den Islam? Kritzel doch ein Männchen und schreib ‚Mohammed‘ drunter – das ist nicht mutig, sondern lebensmüde, so weit sind wir längst, mitten in Europa! Ich hoffe trotzdem, auch in diese Richtung weiter meine kleinen Statements zu geben. Immerhin gilt Noah, um den es im FAZ Comic geht, auch im Koran als Prophet. In dem zitierten Satz geht es aber um was anderes, nämlich um den Begriff ‚Aufklärung‘. Mir hat noch keiner erklären können, was das heissen soll: Vor ‚heiligen Schriften‘ Respekt zu haben und damit an absurde Jungfrauengeburten und Himmelfahrten und (unter anderem) sexualfeindliche Paulusbriefe zu glauben und gleichzeitig von sich zu sagen, man sei ‚aufgeklärt‘. Wo religiöse Kräfte regieren, haben Frauen, Schwule, Meinungsfreiheit und Demokratie die Arschkarte. Dass in Bad Neuenahr ‚Teile der vielgescholtenen Kirche längst andere Wege‘ gehen, ist ja womöglich löblich, fällt aber global gesehen nicht weiter ins Gewicht. In Leserbriefen von Gläubigen wird gern bedauert, dass man sich in unseren Breitengraden über das Christentum lustig machen darf, und man verstehe ‚ein bisschen‘ die Empörung der Muslime, was Satire und Islam betrifft. Dieses Verständnis kann doch nur ein Grund mehr sein, weiterhin zu kritisieren, blosszustellen und sich lustig zu machen. Was genau ist denn hier der Vorwurf? Besten Gruß, Ralf

    • Damien 10. Januar 2009 um 22:32 #

      Ich bin tatsächlich der Ansicht, dass es einfacher ist, Christen zu kritisieren oder zu karikieren als Moslems. Letzteres kann, wie Du zu Recht schreibst, tödliche Konsequenzen haben. Die Empörung von Moslems verstehe ich überhaupt nicht, vor allem, wenn sie so grundsätzlich daher kommt, dass jede Satire zuviel sei. Jenseits der Frage, was möglich sein muss an Kritik, ist aber doch auch die Frage legitim, was notwendig ist. Religiöse Gefühle um jeden Preis zu beleidigen finde ich nicht erstrebenswert.
      Religion einerseits und Frauen, Schwule, Meinungsfreiheit und Demokratie andererseits – diese Dichotomie gilt sicher für Fundamentalisten jeder Religion. Im Christentum aber auch nur noch für sie. Und eben darauf zielte meine Kritik. Im Christentum gibt es – im Gegensatz zum Islam – immer mehr Diskussionen. Meinungsfreiheit und die Akzeptanz von Homosexualität nehmen zu, die Benachteiligung von Frauen nimmt ab. Man kann natürlich so tun, als wäre das nicht der Rede wert. Für die Menschen in den christlichen Kirchen stimmt das jedoch nicht. Und für eine Gesellschaft kann es doch auch nur bereichernd sein, wenn sich Organisationen in ihr ausdifferenzieren und demokratisieren und dadurch weniger hermetisch sind.
      Besten Gruß, Damien

  4. RalfKönig 11. Januar 2009 um 15:49 #

    Und wie kommst Du darauf, dass i c h die Beleidigung religiöser Gefühle ‚um jeden Preis‘ erstrebenswert finde? Genau darum ging es mir nie! Ich versuche, in allem was ich zum Thema zeichne, ein Statement zu setzen oder gleichzeitig auch die Alternativen darzustellen, nämlich – für mich – Naturwissenschaft und Philosophie. Aber was kann ich dazu, dass religiöse Gefühle so schnell verletzt sind? Das Beleidigtsein ist des Gläubigen Domäne: Zeigte mir jemand einen Atheisten-Cartoon, würde ich, vorausgesetzt der Witz ist gut, mitlachen, aber eines wäre ich sicher nicht: beleidigt. Religion tut Humor gut und Du kannst davon ausgehen, dass ausgerechnet die FAZ eine Comicserie, deren Intention vor allem Beleidigung religiöser Gefühle wäre, sicher nicht drucken würde!

    Natürlich gibt es im Christentum, im Gegensatz zum Islam, Diskussionen und deutliche Fortschritte. Genau die möchte ich ja gerade mit meinem Mittel ‚Humor‘ unterstützen! Und durchaus auch Zweifel säen an dem, was in der Bibel so geschrieben steht oder helfen, die bereits vorhandenen Zweifel zuzulassen, und nicht, wie mir ein evangelischer Pfarrer auf der Frankfurter Buchmesse, der mein Buch ‚Prototyp‘ gut fand (und nicht beleidigt war) sagte, seinen Zweifel (an der Wiederbelebung Jesu) in seinen Glauben ‚mit einzubeziehen.‘ Was für mich nach selbstauferlegter Gehirnwäsche klingt.

    Und die Katholen? Ich war auf einem italienischen Comicfestival in Lucca auf dem Podium, da gings um ‚Sie dürfen sich jetzt küssen‘ -mein Buch um die Homo-Ehe, was, zu meiner Überraschung, dort weniger als Comic denn als Politikum gesehen wurde. Die Verpartnerung ist aufgrund der Katholen in Italien ja nicht mal im Ansatz denkbar, es sassen einige Schwule im Publikum – und die Übersetzerin weigerte sich, meine Aussagen zum deutschen Papst und zum Vatikan in der Schwulenfrage zu dolmetschen. Und ich habe sicher keine unflätigen Schimpfwörter benutzt. Sie sagte mir danach, sie fände ja richtig, was ich sagte, aber sie sei doch zu sehr Katholikin, da wären zwei Seelen in ihrer Brust.

    Ich bin ein eher harmoniebedürftiger Mensch und habe wenig Lust auf Stress, aber politisch benutzte Religion war mir immer zuwider und ich bin keineswegs der Ansicht, dass gelegentliche Einsichten in evangelischen Gemeinden bedeuten müssten, dass Religionskritiker nun gelassen die Füße hochlegen könnten. Das kannst Du auch nicht meinen, und ich wundere mich über Deinen Eintrag und diese Überschrift.

    Gute Grüße, Ralf

  5. Damien 11. Januar 2009 um 20:06 #

    Ich finde auch, dass Humor den Religionen gut tut. Und ich kenne Menschen, auch welche, die ich sonst schätze, denen, sobald es um Religion geht, keine Gemeinheit gemein genug ist. Mit Humor hat das dann für mich nicht mehr zu tun, mit einem guten Witz schon gar nicht, Ziel ist die Herabsetzung um jeden Preis. Mir scheint das übrigens die andere Seite der Medaille vom gleich beleidigt sein mancher Gläubigen. Die einen bestehen darauf, man müsse ihre heiligen Texte wörtlich nehmen, die anderen machen sich darüber lustig und tun dabei häufig so, als wäre diese wörtliche Interpretation (auch die Fundamentalisten tun ja nichts anderes als zu interpretieren) die einzige Art, diese oder jene Religion zu leben. Eben damit gehen die Kritiker aber doch dann genau denen auf den Leim, die diesen Eindruck erwecken wollen mit ihrem Alleinvertretungsanspruch.
    Zweifel in seinen Glauben einzubeziehen hat für mich nichts mit Gehirnwäsche zu tun, sondern mit ernstzunehmendem Glauben. Ein Gläubiger, der nie zweifelt, wäre mir äußerst supekt. Das ist aber für mich kein Grund, das Kind mit dem Bade auszuschütten und deshalb den Glauben wegzuwerfen.
    Politisch benutzte Religion ist mir auch zuwider, vor allem, wenn sie dem, was Jesus gepredigt hat (Vergebung z.B.), so widerspricht, wie es das meistens tut.
    Mein Beitrag war ein kleines Plädoyer für eine ehrliche Sicht auf die differenzierte Wirklichkeit von Kirche heute und gegen zu einfache Wahrheiten über Glauben, Bibel, Kirche. Davon haben wir nämlich schon genug von Seiten der christlichen Fundis.

    Was mich ärgert, ist ein Rundumschlag wie „wachsende Aggressivität der Religionen“. Ich sehe nicht, wo das für das Christentum, das Judentum, den Buddhismus, Taoismus, etc. in dieser Allgemeinheit zutreffen würde.

    Beste Grüße
    Damien

  6. RalfKönig 11. Januar 2009 um 23:10 #

    Homophobie ist allermeistens auch religiös bedingt, ich sag Dir nichts Neues. Vielleicht nicht in Bad Neuenahr, aber z.B. in Polen, USA, Russland mit seiner Orthodoxie, in sämtlichen islamischen Gegenden und wahrscheinlich auch bayerischen Dörfern und und und. Natürlich kann man unterscheiden zwischen friedliebenden Glaubensgemeinschaften und deren religiösen Führern. Das Problem liegt aber meiner Ansicht nach im Grundsatz, in den sogenannten ‚heiligen Schriften‘ selbst, worauf sie alle sich letztlich berufen. Muss man noch Pessimist sein, um vorauszusagen, dass der Menschheit in den nächsten Jahrzehnten schon allein wegen Umweltproblemen und Überbevölkerung das Wasser bis zum Hals stehen wird? Und wenn es ihnen dreckig geht, schreien sie umso lauter nach ihren Göttern und umso zügiger finden sie auch ihre schuldigen Sündenböcke,- und da sind wir Schwulen absehbar in der ersten Reihe.

    Auch in der Geschichte der Christenheit hat das mit der ‚Vergebung‘ und der gern beschworenen ‚Feindesliebe‘ nie wirklich funktioniert. Schöner Gedanke, zugegeben, aber der Mensch ist nun mal nicht so. Mir wäre allemal lieber, die Ethik stütze sich auf die erklärten Menschenrechterklärung der Vereinten Nationen als auf vor Jahrtausenden angeblich von Jahwe in der Wüste übergebenen zehn Gebote.

    Bevor das hier in endloses Hin und her und Wortklauberei ausartet: Die Formulierung ‚wachsende Aggressivität der Religionen‘ stammt nicht von mir, sondern vom Journalisten, der den FAZ Artikel schrieb. Ich distanziere mich aber keineswegs davon. Es geht eben nicht nur um den Islam, der momentan den grössten Stress macht, ich halte auch z.B. den Kreationismus aus den USA und Versuche, die biblische Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht unterzubringen für eine Attacke gegen Aufklärung und Vernunft. In meinem FAZ-Comic habe ich mich in ‚Prototyp‘ über Adam und Eva und den Biss in die verbotene Frucht ausgelassen. Es gab viele empörte Reaktionen, das Buch Genesis sei Juden und Christen heilig, das sei beleidigend, Blasphemie, es gab sogar Abo-Kündigungen! Wegen Adam und Eva! Das hat mich nun doch überrascht. Was wird das erst, wenn ich Paulus zur Nase mache, den Apostel mit seinen Hasslisten, wer alles seiner Meinung nach n i c h t ins Himmelreich kommt?

    Auch das mit dem ‚in den Glauben miteinbezogenen‘ Zweifel sehe ich anders, weil dem – allemal berechtigten – Zweifel an biblischen Begebenheiten damit keine Chance gelassen wird: Das Unglaubliche auf Teufel komm raus glauben zu wollen ist wahrhaft ‚ernstzunehmend‘.

    Es mag ein Ritt gegen Windmühlen sein, aber ich habe wenigstens das Gefühl, mich irgendwie einzumischen. Du tust auch nichts anderes mit diesem Blog, den ich schätze, weil es mal um Wichtigreres geht als um Porno, die letzte Mikrophonprobe von Rosenstolz und ob man seine Schamhaare in dieser Saison rasiert oder nicht. Ansonsten denke ich, sind wir mit unseren Ansichten gar nicht soo weit auseinander, und darum lass ich’s mal gut sein.

    Gute Grüße

    Ralf

  7. Damien 12. Januar 2009 um 08:45 #

    Lieber Ralf,

    das mit den Sündenböcken ist so eine Sache. Eben das war ja das Neue an Jesus, dass er die Geschichte mit den Sündenböcken ein für allemal für unnötig erklärt hat. Das sehen allerdings nicht mal alle Christen so. Von daher erwarte ich nicht, dass Du dafür Verständnis hast.
    Mit Zweifel einbeziehen meinte ich nicht, auf Teufel komm raus das Unglaubliche glauben zu wollen. Es geht in der Bibel doch vielfach um Bilder und die soll man doch gar nicht wörtlich nehmen. Aber es bleibt genug Unglaubliches. So ist es dann aber mit dem Glauben. Wenn es alles beweisbar wäre, wäre es kein Glauben, dann wäre es Wissenschaft.
    Bei der Menschenrechtserklärung bin ich natürlich dabei.
    Den Kreationismus finde ich auch gefährlich, vor allem, wenn er Eingang in den Schulunterricht fordert.
    Ich denke auch, wir sind im Grundsätzlichen nicht soo weit auseinander.
    Ich will noch was zur Überschrift des Beitrags sagen: Es war als Wortspiel gedacht, aber es mag für Dich persönlich verletzend gewirkt haben. So war es nicht gemeint und falls es so ankam, Sorry!

    Beste Grüße

    Damien

  8. RalfKönig 12. Januar 2009 um 10:31 #

    Lieber Damien (ooh, freundliche Anreden! :))

    Ok, Danke. Über Bibelglauben und Zweifel mag ich mich immer gern auseinandersetzen, aber vielleicht ein andermal.
    Bis dahin: Weitermachen.

    Gute Grüße

    Ralf

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