Schöne neue Liebeswelt

9 Jan

Ach ja, die Liebe. Geheimnisvoll, rätselhaft, unerklärlich…

Alles Quatsch! Auch Liebe ist nichts weiter als das Zusammenspiel von Hormonen und neurobiologischen Mechanismen, wie die „Welt“ berichtet, natürlich ohne darauf zu verzichten, wieder einmal für den heterosexuellen Lebensstil zu werben:

Mit der menschlichen Liebe kennen sich die Forscher um Larry Young von der Emory-Universität in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia aus. Seit Jahren erforschen sie ihre Zutaten, ihre Evolution und die Veränderungen, die sie in der modernen Gesellschaft erfährt. So stimme etwa die moderne Liebe mit den ursprünglichen Fortpflanzungmechanismen nicht mehr unbedingt überein. „Die sexuelle Begierde der Frau ist beispielsweise nicht mehr an ihre Fruchtbarkeit geknüpft“, sagt Young.

Nicht mehr? Also bitte, Mr. Young, jeder biologisch interessierte Mensch mit Abitur wird ihnen erzählen, dass es unter weiblichen Säugetieren zwei unterschiedliche Gruppen gibt: die eine, bei der die Weibchen nur während der Zeit des Eisprungs willig sind und solche, mit denen man (bzw. Tier) die Mädels das ganze Jahr über begatten kann (wenn man denn will, aber wer will das schon?). Zu letzterem gehören auch die Primaten und somit auch der Mensch. Das war schon immer so und ist nicht erst ein Phänomen der Moderne.

Doch man erfährt noch mehr Kuriositäten über das Geheimnis Frau:

Die Funktion der weiblichen Brust habe sich zudem verändert. Ursprünglich habe diese lediglich den Mutter-Kind-Bindungsmechanismus aktiviert. Doch dann sei die Erotik hinzugekommen. Die Stimulation der Brust führt bei der Frau zu einer erhöhten Ausschüttung des Kuschelhormons Oxitocin.

Natürlich hat sich die Funktion der weiblichen Brust nicht verändert, weil es den Nervensträngen schon immer relativ egal war, ob nun ein Baby oder ein Erwachsener am Busen nuckelt. Auch dem Oxytocin ist das ziemlich schnuppe. Und dass Liebe, Erotik und Sex irgendwie einen biologischen Ursprung haben, daran können ja eigentlich nur Genderisten zweifeln, für die ja selbst der Penis ein soziales Konstrukt ist.

Doch wohin führt uns das alles?

„Es wird nicht mehr lange dauern, bis Pharmaka entwickelt werden, die die Liebesfähigkeit steigern oder auch mindern können“, schreibt er. Experimente hätten bereits gezeigt, dass Oxitocin, wenn es über ein Nasenspray inhaliert wird, kurzfristig das Vertrauen in andere Menschen stärken kann und die Stimmung maßgeblich beeinflusst.

Und auch wenn dies einem jetzt zu allerlei kulturpessimistischen Verven animieren könnte, über eine Welt in der nichts mehr authentisch und alles nur noch gekünstelt ist, lehne ich mich angesichts der Vorstellung irgendwelcher „Liebessprays“ ganz entspannt zurück. Denn zur Liebe gehören immer noch zwei Menschen, die sich über den Gebrauch irgendwelcher Sprays, ja immerhin einig sein müssen. Doch warum sollte man Hilfsmittel benutzen, wenn die Liebe sich ohnehin nicht einstellen will?

Ich jedenfalls hätte besseres zu tun, als jeden Tag Medikamente nehmen, nur um eine abgekühlte Liebe am Laufen zu halten.

Eine Antwort zu “Schöne neue Liebeswelt”

  1. Thommen 9. Januar 2009 um 22:00 #

    Leider wird immer wieder die Liebe mit der Verliebtheit oder gar dem Sex verwechselt. Mal immer schön alles richtig auseinanderhalten, dann brauchts auch kein Medikament von Ratiopharm! 😛

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