Homosexualität heute: Voll im Trend mit der Beziehung 2.0

10 Jan

Nicht wenige Lesben beklagen sich häufig, ihre Liebe und ihr Leben würde von der Gesellschaft nicht für voll genommen, einfach übersehen und als eine Spielerei betrachtet. Im Magazin jetzt.de erfahren wir nun endlich auch, warum das so ist:

Entdecke die Möglichkeiten – immer mehr heterosexuelle Frauen probieren gleichgeschlechtliche Liebe auf Zeit. Und die neuen Lesben sind völlig frei vom politischen Männerhass vergangener Tage, denn sie wissen: Sich für immer auf eine sexuelle Richtung festzulegen ist so altbacken, wie sein Leben lang die gleiche Partei zu wählen.

Die „neuen Lesben“ sind also gar nicht richtig lesbisch, sondern in Wahrheit heterosexuelle Frauen, die sich mal schnell eine „Beziehung“ mit einer anderen Frau eingehen, wahrscheinlich dann, wenn ihr Freund mal eben nicht die Sexstellung drauf hat, die in der neuesten Vogue gerade angesagt ist, oder wenn er nicht genug Geld hat, um ihr die neueste Handtasche von Gucci zu finanzieren.

Fast möchte man glauben, kürzlich sei ein Raumschiff gelandet, dem ein Rudel schöner, kluger Frauen entstiegen ist, die laut verkünden: „Wir stehen auf Frauen. Aber nicht immer. Nur manchmal, wenn wir Lust haben.“

Stimmt. Geht mir genau so. Ich hasse Spinat. Aber nicht immer. Nur manchmal, wenn ich ihn eklig finde.

Lesbischsein ist im gesellschaftlichen Mainstream angekommen. Mehr noch: Dass sich zwei junge Frauen ineinander verlieben, ohne dass sie sich deswegen für lesbisch oder bisexuell hielten, gehört heute fast schon zum guten Ton. Was ist da passiert?

Was da passiert ist? Nichts Ungewöhnliches. Die gute alte Heteronormativität schlägt, wie üblich, voll durch. Das wird ja wohl noch erlaubt sein, dass man sich in das gleiche Geschlecht verliebt und trotzdem stramm hetero ist.

Nichts, was nicht anderswo auch passiert wäre. Was für den Arbeitsplatz gilt, für Familienstrukturen und für die Wahl der Sexualpartner, gilt auch für die sexuelle Orientierung: Nichts dauert mehr ein Leben lang, jede Entscheidung kann jederzeit rückgängig gemacht werden.

Ich bin sicher, die Eltern vieler Mädchen, die sich gerade mit der Tatsache einer lesbischen Orientierung ihrer Tochter arrangiert haben, werden das gerne hören. Aber so läuft es nun mal mit der Homosexualität. Kann jederzeit rückgängig gemacht werden. So steht es übrigens auch in meinem Homo-Vertrag:

Der Unterzeichnende verpflichtet sich auf mindestens fünf Jahre, den homosexuellen Lebensstil zu leben. Sollte die Entscheidung innerhalb der Vertragslaufzeit nicht widerrufen werden, verlängert sich das Vertragsverhältnis automatisch um weitere fünf Jahre.

Doch natürlich sind es nicht langweilige uncoole Spießer-Männer wie ich, sondern Frauen, die mal wieder zur gesellschaftlichen Avantgarde gehören:

Frauen haben das Programm »Beziehungen 2.0« schnell kapiert: Die Zeitschrift Glamour veröffentlichte vergangenen Sommer eine Umfrage, die besagte, jede vierte Frau könne sich vorstellen, mit einer anderen Frau eine sexuelle Beziehung einzugehen. Drei Jahre zuvor hielt das nur jede zehnte Frau für möglich.

Und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Was einem jedoch gewaltig auf den Keks gehen kann, ist der gesamte Grundtenor des Artikels: Homosexualität als Lebensstil, als Hobby, als subversives Trostpflästerchen für toughe, hübsche, aber eigentlich vollkommen heterosexuelle Modepüppchen.

Dabei dachte man, dieses Klischee wäre schon längst überwunden:

„Ich hatte einfach Spaß am Experimentieren. Darum fand ich es toll, ein paar Mal Sex mit einer Frau zu haben. Aber für bisexuell halte ich mich deswegen nicht. Es hat sich eben so ergeben. Diese Freundin ist lesbisch und lebt jetzt wieder mit einer Frau zusammen. Ich mit einem Mann.“

Nein, natürlich hält sich Nele nicht für bisexuell, warum auch? Sind solche Kategorien nicht eh längst überflüssig? Gibt es denn so etwas wie sexuelle Orientierungen überhaupt? Ist Homosexualität nicht einfach nur eine Erfindung?

Natürlich ist sie das! Und so werde auch ich, wenn ich meine schwule Phase hinter mir habe, etwas mit einer Frau anfangen. Alles andere wäre ja nun wirklich altbacken und außerdem muss man irgendwann ja auch mal erwachsen werden.

3 Antworten zu “Homosexualität heute: Voll im Trend mit der Beziehung 2.0”

  1. Cleo 12. Januar 2009 um 16:07 #

    Und wie sich erst die Frauen freuen, die von diesen „Teilzeit-Lesben“ fallen gelassen wurden. Jetzt haben sie endlich auch die Chance, sich neu zu orientieren – was für eine Gelegenheit.

    Trotzdem ist es doch gut, dass wir jetzt endlich Bescheid wissen: Lesbe ist frau nur wegen der Mode oder um Pause von den Männern zu machen, zu denen sie ja eigentlich zurückwill.

    Was das erst an Therapiekosten spart! Die Umpoler werden reihenweise umschulen müssen, wenn sich das rumspricht.

  2. Robert 12. Januar 2009 um 19:52 #

    „Frauen haben das Programm »Beziehungen 2.0« schnell kapiert: Die Zeitschrift Glamour veröffentlichte vergangenen Sommer eine Umfrage, die besagte, jede vierte Frau könne sich vorstellen, mit einer anderen Frau eine sexuelle Beziehung einzugehen. Drei Jahre zuvor hielt das nur jede zehnte Frau für möglich.“

    Köstlich, erinnert irgendwie an das Institut für Rationelle Psychologie – http://www.zeit.de/zeit-wissen/2008/04/Institut-fuer-Volksverdummung?page=all

  3. liliberlin 16. März 2009 um 10:57 #

    Warum diese Wut? Warum muss man sich entscheiden, lesbisch oder hetero zu sein? Sexualität bitte nicht mit Politik verwechseln. Man kann beide Geschlechter
    lieben und/oder sexuell begehren. Es gibt auch Lesben, die was mit Männern haben. Oder sind sie dann gleich verdeckte Heteras?

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