Mit Anstand gegen Palästina-Freunde?

28 Jan

Vor einigen Jahren rief der damalige Bundeskanzler Schröder zum „Aufstand der Anständigen“. Alle Anti-, Nicht- und Nicht-Ganz-Faschisten sollten nach dem Anschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge zeigen, dass wir alle anderer Meinung sind als die Nazis – man zündet in Deutschland einfach keine Synagoge mehr an, obwohl es natürlich weiterhin möglich sein sollte, auch Juden zu kritisieren.

Passend zum gestrigen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus hatte die NPD in Berlin eine „Mahnwache“ unter dem Motto „Stoppt den israelischen Holocaust im Gazastreifen“ angemeldet. Nachdem das Berliner Verwaltungsgericht diese Veranstaltung verboten hatte, hat die NPD die Veranstaltung um einen Tag verschoben und will ihre Kundgebung nun am heutigen Mittwoch durchführen.

Obwohl das Motto in kaum abgewandelter Form von Palästina-Freunden in allen deutschen Parteien hätte formuliert sein können, nutzen die im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien die NPD-Veranstaltung zu einem Anstands-Revival und rufen daher für heute um 18 Uhr an der Friedrichstraße/Ecke Behrenstrasse in Berlin-Mitte zu einer Gegenkundgebung auf. Redner werden von allen im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin erwartet.

Nach den Redebeiträgen auf der proisraelischen Kundgebung am 11. Januar am Berliner Breitscheidplatz, die die Vertreter von SPD, Linken und Grünen nutzten, um den Israelis zu erzählen, wie Politik mit Anstand geht, ist allerdings zu befürchten, dass Politiker, die eben jenen nicht aufweisen, auch diese Gelegenheit nutzen, um zur Abwechslung den Juden zu erklären, warum sie auch ihren Beitrag zu einem friedlichen Zusammenleben in Deutschland beizutragen hätten. Natürlich sei auch die NPD in ihre Grenzen zu weisen und habe sich an die demokratischen Spielregeln zu halten, aber zu einem Streit gehörten schließlich immer zwei, weshalb auch, nein, gerade wir Deutschen den Juden auch wieder einmal deutlich machen müßten…

Eine Antwort zu “Mit Anstand gegen Palästina-Freunde?”

  1. Thommen 28. Januar 2009 um 14:57 #

    Das Problem ist ein altes! Wieso soll man den Vatikan nicht kritisieren können, ohne die Religion miteinzubeziehen?
    Staatliche Organe und Entscheidungen sind genauso kritisierbar wenn sie von Religiösen verantwortet werden! Ich denke beide Seiten in Palästina haben Verantwortung an dem Konflikt. Ganz abgesehen von der Geschichte die vor Israels Staatsgründung abgelaufen ist…

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