Dient „Gender Mainstreaming“ der Auslöschung der Homosexuellen?

29 Jan

„Christlich, preußisch, libertär – Familienwehr“ reimt sich ein Blog im „eigentümlich frei“-Umfeld. Dort ist dem Autor keine Phantasie zu albern, keine Wahnvorstellung zu abstrus, wenn es nur darum geht, Schwule zu diskreditieren, wie sein neuestes Elaborat, eine gefakte Dokumentation, beweist. Darin erfährt der amüsierte Leser, wer für die Implementierung des „Gender Mainstreaming“ verantwortlich ist und dass das Konzept ursprünglich „Rosa Sozialismus“ heißen sollte. Der Autor wirkt angesichts des von ihm postulierten Durchblicks allerdings bereits damit überfordert, „Gender“ überhaupt korrekt zu definieren:

Da es sich um ein anglo-europäisches Projekt handelt, wählten wir mit dem Begriff „Gender Mainstreaming“ einen Anglizismus. „Gender“ beschreibt im Gegensatz zu „Sex“ nicht das natürliche Geschlecht des Menschen, sondern das „soziale“, das heißt es stellt Abweichungen vom Natürlichen in Rechnung. Ein Mann oder eine Frau (Sex), kann in der sexuellen Orientierung (Gender) vom „Sex“ abweichen (Homosexualität). „Mainstreaming“ bedeutet Hauptzugrichtung.

Das ist natürlich Unsinn. „Gender“ bezeichnet das sogenannte soziale Geschlecht, also die Geschlechtsrolle und alles was typischer weise mit einem Geschlecht verbunden wird, z. B. Kleidung oder Berufe. Mit der sexuellen Orientierung hat das rein gar nichts zu tun. „Mainstreaming“ bedeutet auch nicht „Hauptzugrichtung“, sondern bezeichnet den Versuch, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen. Der gefakte Text nun versucht mühsam eine Verbindung von „Gender Mainstreaming“ zu Homo-Aktivisten herbeizuzaubern. Hierfür wird zuerst einmal der eigene Geschlechtstrieb auf Feministinnen und Homosexuelle projiziert:

Zur Strategie gehört es, die besonderen Schwächen der Gleichheitsextremisten zu nutzen: Fanatismus, Einfalt, Neid und Geschlechtstrieb. Wie von Frau Butler richtig bestimmt, gehen uns so besonders sexuell frustrierte Extremfeministinnen, die sich mit der Lesbenbewegung verbündet haben und die Schwulenlobby ins Netz, denn unser Gender-Mainstreaming-Programm verspricht ihnen, den eher mickrigen Kreis potentieller Geschlechtspartner ins schier Unermessliche zu erweitern, wenn das Geschlecht vereinheitlicht und einem androgynen „Zielgeschlecht“ angepasst wird.

Die Logik dieser Satire erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Vielleicht, weil ich weder an einem Einheitsgeschlecht interessiert bin, noch daran, den Kreis meiner potentiellen Geschlechtspartner ins schier Unermessliche zu erweitern. Aber vielleicht liegt mein Unverständnis auch darin begründet, dass ich als Schwuler einfach zu dumm bin, zu durchschauen, was „Gender Mainstreaming“ tatsächlich bewirkt:

Wir erreichen mit GM, dass diejenigen, die unserem Gleichheitsversprechen auf den Leim gehen, in unfruchtbare Verbindungen hineinmanövriert werden, aus denen sie kaum wieder herauskommen. Hilfreich wirkt hier insbesondere die mangelnde Fähigkeit dieser Gruppe zu einfacher Logik. Man kann sich bei denen, die rotlichtgesteuert in unsere Ideologiefalle tappen, sicher sein, dass sie das Freiheitsversprechen von Gender-Mainstreaming nur so interpretieren, nun massenhaft mit dem gleichen Geschlecht verkehren zu können, nicht etwa mit dem anderen Geschlecht, obwohl dieses der Logik des Systems entspräche.

Man könnte als Leser des Textes allerdings auch auf die Idee kommen, dass sein Autor nicht bemerkt hat, dass er sich mit diesem Absatz ein veritables Eigentor geschossen hat. Überhaupt scheint der Autor einigermaßen naiv zu sein, wie der folgende Satz zeigt:

Um sicherzustellen, dass die Fanatiker des Rosa Sozialismus nicht „fremdgehen“ und mit dem anderen Geschlecht Nachkommen zeugen, die für die Gesellschaft wieder zum Problem werden, forcieren wir die Homoehe.

Er ist aber nicht nur naiv, er ist auch menschenverachtend, denn wer sonst würde so etwas schreiben:

Was aber nun, wenn die zur rosasozialistischen Gleichheit Befreiten doch eine Beziehung eingehen, in denen ihre genetische Veranlagung zum Wahnsinn an Kinder weitergegeben wird und sie diese Kinder in ihrem Sinne erziehen?

Der an dieser Stelle zu erwartende Einsatz für die Eugenik hätte vermutlich zu deutlich werden lassen, wes Geistes Kind man ist als Autor. Daher begnügt man sich an dieser Stelle mit einem Verweis auf die Politik der Bundesfamilienministerin, die natürlich auch als Teil der homo-feministischen Verschwörung halluziniert wird. Nach einem Zitat, mit dem wohl die Grausamkeit und Unnatürlichkeit „geschlechtssensibler Pädagogik“ belegt werden soll, darf der Kalauer von der Verschwulung nicht fehlen:

Wer nach diesen Härtetests durch „geschlechtssensible Pädagogik“ in seiner Geschlechterrolle nicht so nachhaltig verunsichert ist, dass er sich künftig nur noch mit Gleichen paart, widersteht nicht nur Gender Mainstreaming, sondern auch anderen verbrecherischen Ideologien.

Homosexuell wird man also aufgrund einer verunsicherten Geschlechterrolle. Apropos: Wofür braucht man Eugenik, wenn man die Homos auch anders ausrotten kann?

Sollten wir die Vermehrung der Zielgruppe nicht schon in der ersten Generation verhindert haben, erwischen wir sie sicher in der zweiten, sodass wir hoffen können, das Projekt GM innerhalb zweier Generationen abgeschlossen zu haben.

Was bleibt, zieht man die interessierten und die unfreiwilligen Missverständnisse über den Sinn des „Gender Mainstreamings“ ab? Die Vernichtungsphantasien eines heterosexuellen Vaters.

15 Antworten zu “Dient „Gender Mainstreaming“ der Auslöschung der Homosexuellen?”

  1. DINshredder 1. Februar 2009 um 02:17 #

    Wir wollen den drei Kindern des zitierten Autors wünschen, daß die mentale Retardation der Sippe im Vater einen gnädigen Abschluß gefunden hat.

  2. jogun 2. Februar 2009 um 18:18 #

    Ich finde die andauernde Diskussion um Gender Mainstreaming völlig unnütz und nur eine intellektuelle Auseinandersetzung. Faktum ist, dass Schwule und Lesben sich selber einer wichtigen Lebenserfahrung berauben, nämlich der Elternschaft. Kinder zu betreuen oder zu adoptieren ist kein Ersatz für Elternschaft. Ich schlage vor, dass sich Schwule und Lesben jeweils auf die schönste Insel der Welt zurückziehen, um dort weiter zu diskutieren. Das ganze Gerede über die angebliche Diskriminierung ist in Wahrheit eine Ausrede, um sein Leben und den Lebensstil nicht verändern zu müssen. In 50 Jahren dürfen alle „Diskriminierten“ zurückkommen um die Resultate ihres gelobten Lebensstiles zu präsentieren. Viel Glück!

  3. Adrian 2. Februar 2009 um 18:31 #

    Und jogun wacht morgen auf und steht auf das eigene Geschlecht. Nach einem Monat diskutieren wir dann weiter.

  4. jogun 2. Februar 2009 um 19:54 #

    Dies wird nicht geschehen, ich bin glücklich verheiratet, habe Kinder und weiß wovon ich rede. Außerdem habe ich nicht vor Fast-Food gegen delikate Speisen einzutauschen!

    • Adrian 2. Februar 2009 um 20:21 #

      Du solltest lernen, dass die Delikatesse des einen, das Fast Food des anderen ist.

  5. jogun 2. Februar 2009 um 21:34 #

    Es ist erwiesene Tatsache, dass Fast Food gesundheitliche Probleme schafft. In gleicher Weise ist ein promisker Lebensstil Auslöser von Geschlechtskrankheiten. Die Chancen durch gesunde Nahrung zu Erkranken sind gering. Deshalb ist ein gesunder, monogamer Lebensstil risikofreier und bringt auch größere Erfüllung. Homosexuellen und Lesben wünsche ich, dass sie den Mut haben ehrlich zu sich selber zu sein. Das ist alles!

    • Adrian 2. Februar 2009 um 21:46 #

      Besten Dank für die Wünsche. Zumindest bei mir sind diese aber nicht notwendig. Ich bin ehrlich zu mir.

  6. jogun 3. Februar 2009 um 08:15 #

    Mit Ehrlichkeit, meine ich auch, sich einzugestehen, das Homosexualität eine Sackgasse ist. Selbsterkenntnis ist der erste Weg der Besserung!

  7. Damien 3. Februar 2009 um 08:35 #

    @jogun:
    Wie kommst Du eigentlich dazu, Homosexualität und Promiskuität gleichzusetzen?

  8. Adrian 3. Februar 2009 um 09:38 #

    @ jogun
    „Eine Sackgasse ist eine Straße oder Weg, die nur über die Einfahrt (oder den Eingang) wieder verlassen werden kann. ‚Sackgasse‘ heißt eine Straße, weil sie wie ein Sack nur eine Öffnung hat; Eingang und Ausgang sind also identisch.“

    Soweit die Wikipedia. Von Homosexualität steht da nix. Aber ich ahne worauf Du hinauswillst. Und ich kann Dir schon jetzt sagen: Wenn Du glaubst, ich würde mein Leben von nun an mit einer Frau verbringen, die ich weder lieben noch begehren kann, nur damit irgendein jogun das Erfolgsgeheimnis vermelden kann, wieder einmal erfolgreich im Leben eines Menschen herumgeschnüffelt und diesen dann auf den Pfad der Erleuchtung gebracht zu haben, hast Du Dich geirrt.
    Kümmere Dich gefälligst um Deine Angelegenheiten, um Deine Familie, um Deine Kinder. Die brauchen das garantiert mehr als ich.

  9. jogun 3. Februar 2009 um 12:43 #

    Warum ist Promiskuität und Homosexualität ident? Weil das Resultat eines promisken Lebensstils entsprechend ist! Das AIDS Risiko ist extrem groß, weiters die unbewußte Sehnsucht in einer solchen Beziehung glücklich zu werden ist eine Illusion. Die Ent – Täuschung solcher „Liebesbeziehungen“ folgt sehr bald. So bleibt nur noch die bitteren Enttäuschungen aus dem Bewußtsein aus zu blenden um sich nicht eingestehen zu müssen, dass man an einem toten Ende angelangt ist.
    Würde mich freuen, wenn du den Mut hast, dies zu veröffentlichen!

  10. Damien 3. Februar 2009 um 22:12 #

    @jogun: Und wenn ich nun schwul bin und nicht promisk lebe? Sprengt das Deine kleine Welt?
    Das mit dem Mut verstehe ich nicht. Jeder blamiert sich doch selbst mit dem, was er schreibt…

  11. Nadine 23. Januar 2010 um 16:40 #

    Homosexualität und Promiskuität ist nicht das Gleiche. Das muss man beachten

  12. derkaeptn 28. Januar 2010 um 18:16 #

    Da sieht man eine alte Talkshow-Sendung, die im hintersten Fach eines Fernsehstudios schlummerte, und schwuppdiwup kann man nur noch den Kopf schütteln. Irgend eine Tucke tratscht fröhlich in die Welt hinaus, wieviele Männer er in letzter Zeit im Bett oder noch schlimmer Gebüsch, Sauna oder woanders für seinen Spass hatte. Natürlich Spass ohne Grenzen und ohne Schutz. Da können die armen Heten, die ständig mit diesem Bild, das die Medien projizieren, konfrontiert werden, ja nicht anders, als Promiskuität mit Homosexualität gleichzusetzen.
    Eine „etwas“ andere Szene spielt sich allerdings bei mir ab, leider wird die aber im Gegensatz zur einschlägigen Privatsender Talkshow nicht publiziert: Ich sitze neben meinem männlichen Kollegen, der ganz seinem Stil entsprechend über das letzte Wochenende und seinem Frauenkonsum berichtet. 2 Ollen hat er „geknallt“. Ich kommentiere das einfach nicht, und denke mir: Solange es ihm Spass macht, do it Gehören ja eh imer Zwei dazu. Warum sollte ich auch versuchen, jemandes Lebensstil zu ändern?
    Nach kurzer Zeit hört ihm jedoch keiner mehr zu, mir dafür umso mehr. Als wandelnde Infozentrale für Heteros über das Leben von Schwulen werfe ich nämlich viel eher Dinge auf, die die Anderen interssieren. Da wird sogar der Dozent helhörig. Hier und da die eine Frage über das Sexleben, aber was viel wichtiger ist: Die Fragen nach der Rollenverteilung (Wer ist Mann und wer ist Frau? (Anmerkung: Dieses Muster ist nicht der Regelfall), nach dem Alltagsleben (Hält man auf offener Straße Händchen?) oder den Gefühlen des Coming Outs und dem Erkundigen nach dem Partner. In solchen Momenten bin ich glücklich, wenn ICH mal die Möglichkeit habe, zu Wort zu kommen, und aufzuzeigen, dass Schwule wie ich eben nicht nur auf Schwanzlängen achten, in Darkrooms und Cruising Areas abhängen und One Night Stands als das Non-Plus-Ultra ansehen. Viel eher schätze ich Einfühlsamkeit, Ruhe und Harmonie; Attribute die man so schnell nicht ersieht. Und das beisst sich leider Gottes tierisch mit der polygamen Lebensweise. So habe ich wie viele andere Schwule und sicherlich Lesben, aber wohlgemerkt nicht alle, einen Lebensstil, der leider nicht dem Standardbild eines Schwulen entspricht. Aber wenigstens kann ich in meiner Ausbildungsgruppe, in der unsere Jahresspanne zwischen 17 und 21 liegt, ein wenig aufklärische Arbeit in der Welt leisten.

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