Dialektik heute: Schwule für Schwulenmörder

31 Jan

Was machen eigentlich die Knalltüten von Queers for Palestine in diesen bewegten Zeiten, in denen die Hamas-Sektion der Religion des Friedens mal wieder alles dafür tut, keinen Palästinenser-Staat zu bekommen? Ihre Internetseite ist momentan nicht erreichbar, doch geben muss es sie immer noch. James Kirchick hat sie nämlich auf einer Anti-Israel-/Pro-Hamas-Demo im beschaulichen San Francisco entdeckt. Und obwohl man über Demonstrationen in der City by the Bay desöfteren den Kopf schütteln muss – und ich nehme hier ausdrücklich den Gay Pride aus – schießen die Queers mal wieder den Vogel ab:

Of all the slogans chanted and displayed at anti-Israel rallies over the past month, surely „Queers for Palestine“ ranks as the most oxymoronic. It is the motto of the San Francisco–based Queers Undermining Israeli Terrorism (QUIT), a group advocating financial divestment from the Jewish State. QUIT contends that Zionism is racism, regularly demonstrates at gay pride marches, organizes with far-right Muslim organizations, and successfully lobbied the International Gay and Lesbian Human Rights Commission to boycott the 2006 World Pride Conference due to its location that year in Jerusalem.

Nun ja, der Slogan „Zionismus ist Rassismus“ gehört ja unter Menschen, die aus der Vergangenheit gelernt haben, mittlerweile zum Grundrepertoire. Außerdem hat das mit dem Rassismus damals auch die UNO bestätigt. Und eine Organisation angefüllt mit autoritären und totalitären Diktaturen kann ja nur Recht haben, nicht wahr?

Insofern sind die Queers so außergewöhnlich nicht. Wenn nicht…

What makes QUIT oxymoronic is that their affinity for Palestine isn’t reciprocated. There may be queers for Palestine, but Palestine certainly isn’t for queers, either in the livable or empathetic sense. Like all Islamic polities, the Palestinian Authority systematically harasses gay people. Under the cloak of rooting out Israeli „collaborators,“ P.A. officials extort, imprison, and torture gays. But Palestinian oppression of homosexuality isn’t merely a matter of state policy, it’s one firmly rooted in Palestinian society, where hatred of gays surpasses even that of Jews. Last October, a gay Palestinian man with an Israeli lover petitioned Israel’s high court of justice for asylum, claiming that his family threatened to kill him if he did not „reform.“ He’s one of the few lucky Palestinians to be able to challenge his plight.

Ist ja auch kein Wunder, oder? Haben die Palästinenser schließlich eine andere Wahl als Schwule zu verfolgen, wo es sich in der Westbank doch wie in einem großen Gefängnis lebt? Ach nein, moment mal, das Freiluftgefängnis ist ja der Gaza-Streifen:

The Gaza Strip, which has stagnated under the heel of Hamas“s Islamofascist rule since 2007, is an even more dangerous place for gays, ‚a minority of perverts and the mentally and morally sick,‘ in the words of a senior Hamas leader. As in Iran, Hamas“s patron and the chief sponsor of international terrorism, even the mere suspicion of homosexuality will get one killed in Gaza, being hurled from the roof of a tall building the method of choice.

Andererseits sind die Ju-, äh, Zionisten auch nicht besser. Das muss man hier und heute auch mal sagen dürfen! Oder erinnern wir uns nicht mehr an den Orthodoxen, der bei der Pride Parde in Jerusalem, einige Teilnehmer verletzte? Okay, zugegeben, immerhin gab es ein Pride Parade und der Messerstecher wurde für seine Tat verurteilt, aber dennoch: rechtfertigt diese Tat im zionistische Gebilde nicht die Solidarität von Homosexuellen mit Palästina? Ist es nicht die Pflicht überhaupt jedes fortschrittlich gesinnten Menschen, für ein Regime einzutreten, welches Frauen verachtet, Oppositionelle foltert, Schwule hinrichtet und seinen Kindern beibringt, wie heroisch es ist, jüdisches Blut zu vergießen, bevor man sie dann in den bewaffneten Kampf schickt?

Insofern ist es eigentlich gar nicht verwunderlich, dass es Schwule gibt, die sich für Palästina – d. h. gegen Israel –  engagieren. Denn warum sollten diese klüger sein als alle anderen?

Contrary to what some gay activists might have you believe, there really are not that many political subjects where one’s sexuality ought influence an opinion. Aside from the obvious issues related to civic equality (recognition of partnerships, open service in the military, etc.), how does homosexuality imply a particular viewpoint on complicated matters like Social Security Reform, health care policy, or the war in Iraq?

Das Problem bei den Queers for Palestine liegt also augenscheinlich nicht darin, dass sie schwul sind, sondern, dass sie ihr linkes Weltbild nicht den herrschenden Realitäten anzupassen bereit sind. Dass Schwule für Schwulenmörder eintreten, macht die ganze Sache nur unwesentlich bizarrer, als sie eh schon ist.

Eine Antwort zu “Dialektik heute: Schwule für Schwulenmörder”

  1. Netzklempnerin 31. Januar 2009 um 21:54 #

    „Ist es nicht die Pflicht überhaupt jedes fortschrittlich gesinnten Menschen, für ein Regime einzutreten, welches Frauen verachtet, Oppositionelle foltert, Schwule hinrichtet und seinen Kindern beibringt, wie heroisch es ist, jüdisches Blut zu vergießen, bevor es sie dann in den bewaffneten Kampf schickt?“

    Danke für diesen sarkastischen Satz, der es so schön auf den Punkt bringt.

    Ich möchte dem nur hinzufügen: Gerade wir als Deutsche haben diese Pflicht!
    Schließlich haben wir doch aus der Geschichte gelernt…

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