Vergewaltigung als Zeitzünder

6 Feb

Sofern man kein verblendeter Linker ist, traut man Al Kaida jede erdenkliche Widerwärtigkeit zu. Und doch kommt diese Meldung überraschend:

Das Terrornetzwerk Al-Kaida hat einem gerichtsmedizinischen Bericht zufolge in Algerien junge Männer sexuell missbraucht, um in ihnen den Todeswunsch zu wecken. Wie die Zeitung „Ennahar“ unter Berufung auf eine „sichere Quelle“ berichtet, hat das die Untersuchung von drei Terroristen im Krankenhaus von Tizi Ouzou ergeben, die zuvor in der Stadt Tademaït von Sicherheitsbeamten erschossen wurden. Ein 22-jähriger Terrorist sei demnach nur Stunden vor seinem Tod missbraucht worden. Er habe einen Riss im Anus gehabt.

Damit keiner auf die Idee kommt, es handle sich dabei um Einzelfälle:

Ein ehemaliges Al-Kaida-Mitglied hatte den Behörden zuvor berichtet, dass brutale sexuelle Übergriffe auf junge Nachwuchsterroristen – von denen manche erst 16 Jahre alt sind – bei der Terrorgruppe an der Tagesordnung seien. Damit sollten sie gefügig gemacht werden, um später in Selbstmordanschlägen ihr Leben zu opfern.

Was für ein Irrsinn! Im Namen einer Religion, die sich Religion des Friedens nennt, werden Bombenanschläge verübt, ohne dass es eine deutliche und überzeugende Distanzierung der dazugehörigen Religion gibt. Von mehr oder minder bedeutenden Vertretern der Religion wird stattdessen die Existenz von Homosexuellen als Angriff auf die eigenen religiösen Gefühle interpretiert, weshalb man irgendwie Verständnis dafür habe, wenn der eine oder andere islamische Vater seinen schwulen Sohn kurzerhand umbringt. Währenddessen entblöden sich Linke in aller Welt nicht, Verständnis für die Terroristen zu äußern, die wahlweise wegen Armut, verletzten religiösen Gefühlen oder ganz allgemein zur Selbstbehauptung geradezu gewzungen scheinen, sich mit diesen Mitteln ihren Anteil an der Medienöffentlichkeit zu sichern. Das mit dem Schwulenhass des Islams ist alles nur ein Missverständnis, es zu erwähnen, Rassismus pur und eigentlich ist man im Islam voll homofreundlich, wenn alles schön hinter verschlossenen Türen stattfindet. Das haben sich offenbar auch die Vergewaltiger in Algerien gedacht, bevor sie ihre Opfer penetrierten. Mit selbstbewußter, gar einverständlicher Homosexualität hat das Ganze selbstverständlich nichts zu tun, weshalb ich hoffe, dass alle antiislamischen Homofreunde, die ihr Herz für Homos immer dann – und nur dann – entdecken, wenn diese von islamischer Seite bedrängt werden, ausnahmsweise einmal einfach nur die Klappe halten.

Die Diskussion der Vorfälle bei queer.de folgt der üblichen verqueren Logik. Katrin bspw. stellt fest:

Offenbar haben die Anführer Spass am Analsex mit jungen Männern.

Dabei wäre der Spass am Analsex mit jungen Männern nun wahrlich nicht das Problem. Das Problem ist die mangelnde Freiwilligkeit der Handlungen sowie das Wissen, das sie zum Selbstmord der Penetrierten führen, bei dem sie möglichst viele andere Menschen mit in den Tod reissen, am Besten Juden. Man fragt sich, ob Katrin das alles versehentlich übersieht oder ob sie tatsächlich glaubt, dass es bei Vergewaltigung um Spass am Sex geht und nicht etwa primär um Macht. In diesem Fall allerdings mit einer potenzierten Bestialität. Denn das Kalkül, das hinter den Vergewaltigungen steckt, geht ja wohl so: Wer in dieser eben keineswegs homosexuellenfreundlichen Kultur anal penetriert wird, hat seine Ehre verloren, dessen Leben hat keinen Sinn mehr, er kann niemandem mehr unter die Augen treten. Die einzige Lösung ist die Selbstopferung als Märtyrer.

Für die literarische Verarbeitung und Glorifizierung der Meldung hätte sich sicher Jean Genet interessiert, der bereits mit „Ein verliebter Gefangener. Palästinensische Erinnerungen“ seinen Geschmack an der Melange aus phantasierter unterdrückter Homosexualität und antisemitischem Terror bewiesen hatte. Unter den lebenden Autoren müssten sich vermutlich Josef Winkler mit seiner Obsession für die Verbindung von Homosexualität und Morbidität und Jonathan Littell darum streiten, wer die Vorgänge in Algerien am widerlichsten schönsten literarisch überhöhen könnte. Oder Charlotte Roche ist schneller und schreibt noch einen Essay über die Eigenschaften terroristischer Arschlöcher nach erzwungener analer Penetration. Das Interesse der Öffentlichkeit dürfte ihr sicher sein, nur um den ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste müßte sie sich mit Littell streiten. Eine Frage der Zeit dürfte es auch nur sein, bis Bruce LaBruce die Geschichte pornografisch verarbeitet, nach einem RAF-Porno und einem über schwule Nazi-Skins. Und wir dürfen dann den unkundigen Heteros wieder erklären, dass nicht alle Schwulen so sind und die Täter in Algerien nicht mal schwul. Vielen Dank im Voraus!

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