Stuttgarter Schnäppchen

11 Feb

Schwule und Lesben, die in Stuttgart eine Lebenspartnerschaft begründen wollen, zahlen dafür 89 Euro,

Ehen gibt es allerdings zum Schnäppchenpreis von 40 Euro.

Möglicherweise haben die Stuttgarter Behörden einfach die Werbeaussendungen schwuler Lifestyle-Zeitschriften zu ernst genommen, in denen regelmäßig das deutlich höhere Durchschnittseinkommen der Zielgruppe betont wird. Man könnte natürlich auch kalauern, dass den Schnäppchenpreis nur nötig hat, wer nicht das Geld hat, um sich etwas Vernünftiges zu leisten.

Doch zu der finanziellen Diskriminierung kommt eine weitere, die keinen Zweifel daran läßt, wes Geistes Kind solcherart Regelungen sind:

Während Hetero-Paare im Standesamt heiraten dürfen, müssen sich Homo-Paare mit dem Amt für Öffentliche Ordnung zufrieden geben.

Allzu lange ist es noch nicht her, dass öffentlich zelebrierte Homosexualität, also bspw. das Händchenhalten zweier Männer oder ein Kuss in der U-Bahn, als Störung der Öffentlichen Ordnung angesehen und entsprechend geahndet wurde. Manche Mitbürger mit Migrationshintergrund versuchen ja heutzutage, diese Öffentliche Ordnung, diesmal unter Berufung auf die Scharia und ihr gesundes, d.h. schweinefleischfreies Volksempfinden, erneut durchzusetzen. Deutsche Behörden allerdings machen sich unbeliebt, wenn sie sich in tatkräftiger Unterstützung dieser Mitbürger ebenso verhalten. So ist es kein Wunder, dass die Stuttgarter Praxis den Protest von Grünen und SPD-Homos hervorruft und selbst der CDU-OB eine Überprüfung ankündigt. Doch warum wird hier mit zweierlei Mass gemessen? Wenn ein aufrechter Moslem darauf besteht, Schwule zu diskriminieren, ist doch selten ein Grüner oder ein Sozi fern, der von der anderen Kultur schwärmt, die nun mal andere Sitten beinhalte oder ganz viel Verständnis aufbringt, da Migranten es ja selbst auch schwer hätten.

Ich finde allerdings, wir sollten die kulturellen Besonderheiten der Schwaben nicht unberücksichtigt lassen, die es in Deutschland auch nicht immer leicht haben. Was meinen Sie, liebe Leser?

4 Antworten zu “Stuttgarter Schnäppchen”

  1. Markus 12. Februar 2009 um 09:18 #

    Grüß Gott!

    Da muss ich teilweise wiedersprechen. Ihr habt falsch zitiert, das Amt für öffentliche Ordnung ist nur für die Festsetzung der Gebühren zuständig, im queer-Artikel steht definitiv nicht, dass man im Amt für öffentlich Ordnung verpartnert wird.

    Also lasst mal die Kirche im Dorf. Wir könnten uns wirklich über wichtigere Sachen aufregen …

    Im übrigen wurden mein Mann und ich im Standesamt Untertürkheim mit lieblichem Blick auf einen Weinberg verpartnert. Die stuttgarter Behörden haben da sogar eine sogenannte „Geheimwaffe“, einen sehr netten Herrn, der das gerne tu, sich über jede Verpartnerung freut und es scih nicht nehmen lässt, eine sehr persönliche Rede zum Anlass zu verfassen.

    Es kommt nur auf den Tag an, an dem mann sich zu verpartnern wünscht, es gibt eine Liste verschiedener Standesämter, die dann zur Verfügung stehen und dann geschieht es

  2. Damien 12. Februar 2009 um 09:31 #

    Hallo Markus,

    da ich Zitate in der Regel aus dem zitierten Text herauskopiere, könnte es sein, dass queer.de den Satz nachträglich geändert hat. Anders kann ich mir das „falsche Zitat“ nicht erklären.
    Meine Kritik halte ich trotzdem aufrecht, denn die Diskriminierung aufgrund der Zuständigkeit verschiedener Ämter – je nach sexueller Orientierung -, wofür auch immer sie zuständig sind, ist doch in jedem Fall gegeben.

    Schönen Gruß
    Damien

  3. Markus 12. Februar 2009 um 09:46 #

    Da ich den Button zu früh gedrückt habe, folgt jetzt der Rest:

    Was die Gebühren anbelangt: wir wollten es, also haben wir bezahlt und nicht gefragt, ob wir auch finanziell mit den Heten gleichgestellt sind. Dieses „ich werde vlt. diskriminiert“-Grundmisstrauen hat uns bei unserem Entschluss nicht geleitet und begleitet. Wir hatten da irgendwie für uns etwas anderes im Sinn als mit der Verpartnerung einen Protest gegen die Bigotterie der Gesellschaft ab zu liefern … Zumal die Entscheidung schon auf einem anderen Grund steht, wenn mann sie nach zehn Jahren zum Jahrestag trifft – you get the point …

    Wir wissen beide – und sicher auch die, die hier lesen – dass es noch ein langer Weg sein wird, bis von echter Gleichstellung gesprochen werden kann. Und ich finde es immer noch zum Kotzen, ein Bürger zweiter Klasse zu sein. Dass wir andere Gebühren bezahlen, ist aber aus der Sicht eines „ungleiches nicht gleich behandelnden“ Staates fast schon konsequent zu nennen. Wo kämen wir denn da auch hin, es kann ja nicht sein, dass identische Verwaltungsakte, das Anfordern der entsprechenden Urkunden, Familienbücher, Abstammungsnachweise etc. für uns das gleiche kostet wie für die Eheleute … zwinker …

    Aber: wenn dieses „Konstrukt“ nicht genutzt wird, dann wird es auch nicht Realität … Rechte einfordern heißt ja nicht nur, sie zu erstreiten, sondern auch, sie zu nutzen.

    Und je öfter ich anderen Menschen meinen Partner als „meinen Mann“ vorstelle und im Gespräch dann mitbekomme, dass die heteronormative Seite so oft nicht die geringste Ahnung hat, wie unterschiedlich wir als Verpartnerte immer noch behandelt werden, dass wir eben nicht die gleichen Rechte haben, dass wir im Prinzip hätten unverpartnert bleiben können, weil wir alleine aufgrund der Tatsache, dass wir ein gemeinsames Schlafzimmer haben, schon als Lebensgemeinschaft gelten und jeder im Notfall allein deswegen für den anderen unterhaltspflichtig wäre (respektive des jeweiligen anderen Gehalt auf die möglichen Leistungen des Staates angerechnet würde …) – je öfter also das im Gespräch herauskommt, desdo mehr wächst das Unverständnis der aufrichtig lauschenden Heterosexuellen ob der Ungerechtigkeit.

    Das fängt schon damit an, dass ich darauf bestehe, wir seien verpartnert und nicht verheiratet. Es ist für mich tatsächlich ein wesentlicher Unterschied, denn ich habe mich bewusst für die zivilrechtliche Seite entschieden und wir haben uns keine Kirchengemeinde gesucht, die bereit gewesen wäre, eine Segnung oder was auch immer durch zu führen (die stuttgarter Altkatholiken sind da übrigens ganz einfach: aufgeschlossen).

    Allein auf diesem Unterschied zu beharren, eröffnet immer ein Gespräch darüber, weil die anderen es dann genauer wissen wollen.

    Dass ich bei evangelikalen und anderen Betonköpfen, die mein Schwulsein von Grund auf ablehnen, rein gar nichts erreiche und deswegen auch gar nicht ins Gespräch komme, ist mir auch klar. Aber ich will den Stein auf diese Weise weiter hölen.

    Und ganz nebenbei: ich bin auch noch ein Zugereister, den die Liebe nach Stuttgart verschlagen hat. In Berlin ist mann arm, aber sexy, in Stuttgart ist mann reich, aber … ?!

  4. Peter 30. Dezember 2009 um 12:51 #

    Hallo Marcus, bin heute erst auf diese Seite gestossen, da mein Freund und ich auch den Schritt der Verpartnerung gehen wollen und zwar aus LIEBE 😉
    Deine Ausfuehrungen was Untertuerkheim angeht finden wir klasse.
    Kannst Du mir vielleicht den Namen des Standesbeamten schreiben und wie Ihr vorgegangen seit?
    Das waere der Hammer.
    Gruesse

    Peter

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