Linksruck beim ColognePride?

13 Feb

Das hat man nun also von der zunehmenden Kommerzialisierung der Schwulen- und Lesbenszene: Fickverbot beim CSD. Was, Sie sehen da keinen Zusammenhang? Dann fehlt Ihnen wohl das richtige Weltbild. Also: Wer darauf besteht, dass auch Schwule bei einem CSD sich an das Strafgesetzbuch zu halten haben, ist hetero-repressiv. Im Ergebnis, beklagt der Gay Dissenter, solle der CSD,

ein an den Vorstellung der Werbewirtschaft, der konservativen Kräfte und religiöser Vereinigungen orientiertes Fest werden, dass schwulenfeindlich eingestellten Menschen jeglicher Coleur wohlgefällt. Eine klinisch reine Party für alle, nur eben nicht mehr für schwule Menschen.

Die nämlich fühlen sich von der Werbewirtschaft nicht angesprochen, sind niemals konservativ und religiös schon gar nicht. Bei queer.de findet sich die dazugehörige Diskussion, ob wir überhaupt normal sein dürfen – und hier tobt sich tatsächlich eine Sittenpolizei aus, die jedem Homo vorschreiben will, gefälligst die schwule Sau zu sein, für die uns kaum noch jemand aus der Mehrheitsgesellschaft hält – oder ob es nicht unsere historische Pflicht ist, andersartig zu sein und zu bleiben. Was damit genau gemeint sein soll, bleibt unklar.

Irgendwie scheint es aber im wesentlichen darum zu gehen, etwas zu tun, „was man nicht macht“. Also in der Öffentlichkeit Sex zu haben, vorzugsweise in der Gegenwart von Kindern, die davon angeblich ganz viel lernen können, in Hausflure zu kotzen, sich öffentlich oder wenigstens zuhause gegenseitig anzupinkeln, zu kiffen oder was Jugendliche eben sonst so machen, um ihre Eltern und die anderen Spießer zu schockieren. Meine Güte, das soll also Schwulsein im Jahre 2009 charakterisieren!

Als ich mir die Charta jedoch näher anschaute, blieb ich an etwas ganz anderem hängen:

Die Integrations- und Strahlkraft der CSD-Parade dürfen wir im Interesse unserer gemeinsamen Ziele nicht dadurch in Gefahr bringen, dass die Teilnahme von umstrittenen Gruppen / Unternehmen an der CSD-Parade zu einer Entsolidarisierung oder gar einer Spaltung innerhalb unserer Gemeinschaft führen.

Was damit wohl gemeint sein mag? Wenn man sich an den letzten Herbst erinnert und welch fragwürdige Veranstaltung der KLuST damals unterstützte, wird einem bei solchen Sätzen mulmig zu mute:

Wir geben ein Beispiel für Respekt, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Toleranz. In der CSD-Parade ist deshalb kein Platz für frauenverachtende, rassistische und gewaltverherrlichende Darstellungen.

Wie man als „Antirassist“ frauenverachtend definiert, machen dem KLuST genug islamische Gemeinden vor: Nicht nur ist natürlich ein Bordell frauenverachtend, nein, das Kopftuch ist ein Zeichen der weiblichen Emanzipation von der sexualisierten westlichen Welt. Und so ist vielleicht der Tag nicht fern, an dem die Teilnahme von unverschleierten Frauen am ColognePride „wegen Frauenverachtung“ geächtet wird.

Ebenso kann es mit dem „Rassismus“ gehen. In der Weltsicht der Multikultis sind bekanntlich nicht jene die Rassisten, die homophobe Migranten damit entschuldigen, sie könnten – aufgrund ihrer eigenen Kultur – nicht anders, sondern die, die darauf bestehen, dass Migranten nicht homophob sein müssen, wenn sie denn nicht wollen.

Wer also in Zukunft darauf besteht, dass Homophobie auch dann abzulehnen ist, wenn sie von Migranten artikuliert und schlagkräftig ausagiert wird, muss der damit rechnen, vom KLuST „wegen Rassismus“ oder gleich wegen „Islamophobie“ vom CSD ausgeschlossen zu werden?

Das wäre zwar auch eine Form des aktuell beklagten konservativ-religiösen Rollbacks. Die Gefahr müßte jedoch dann nicht mehr dort ausgemacht werden, wo sie längst – mangels gesellschaftlichen Einflusses – nicht mehr ernstzunehmen ist, also auf konservativ-christlicher Seite, sondern dort, wo sie tatsächlich droht, nämlich auf islamisch-linker Seite.

5 Antworten zu “Linksruck beim ColognePride?”

  1. TheGayDissenter 13. Februar 2009 um 21:31 #

    Nur, lieber Damien, um einem Mißverständnis vorzubeugen: Ich schrieb von konservativen Kräften und religiösen Vereinigungen, nicht von religiösen Menschen oder Menschen mit konservativer Einstellung.

  2. Damien 13. Februar 2009 um 23:48 #

    Lieber Stefan,
    Du befürchtest, dass der CSD in Zukunft „ein an den Vorstellung der Werbewirtschaft, der konservativen Kräfte und religiöser Vereinigungen orientiertes Fest“ wird und damit „eben nicht mehr für schwule Menschen“. Warum sollte sich das prinzipiell ausschließen?

  3. TheGayDissenter 14. Februar 2009 um 20:18 #

    @ Damien:

    Nun, einen gegenseitigen Ausschluss habe ich nicht formuliert (obgleich ich mit der von Dir vorgenommenen Zuspitzung durchaus leben kann). Vielmehr habe ich auf eine Verschiebung der Zielgruppe rekurriert. Selbstverständlich dürfen auch weiterhin schwule Menschen am Kölner CSD neuer Prägung (die so neu nicht ist, die Entwicklung zeichnet sich schon seit mehreren Jahren ab) teilnehmen, aber warum sollten sie?

    Es wäre zu fragen, wie ein CSD ausgerichtet sein müsste (inhaltlich, wie in der äußeren Form), damit es ein Fest für schwule Menschen ist. Nun sind die Interessenslagen schwuler Menschen sehr vielfältig. Aus meiner Sicht kann es nicht sein, in so einer Veranstaltung zum Ausdruck bringen zu wollen, dass man so sein will oder so ist, wie alle anderen, sondern darum, deutlich zu machen, dass man so sein will, wie man ist, und da, wo es keine sachlichen Differenzierungsgründe gibt, genauso behandelt werden will, wie alle anderen (das sind zum Beispiel die Bereiche Eherecht, Beamtenrecht, Adoptionsrecht, Steuerrecht; überall fehlen die sachlichen Differenzierungsgründe). Eine Veranstaltung die die Prämissen anders setzt, kann langfristig nicht im Interesse schwuler Menschen sein und ist nach meinem Verständnis keine Veranstaltung für schwule Menschen, sondern für diejenigen, die fordern, dass Schwule sich gefälligst zurückhalten und mit ihrer – aus deren Sicht – Andersartigkeit unauffällig bleiben sollten. Das sind, bezogen auf den Kölner Raum, die von mir als konservative Kräfte (wie zum Beispiel pro Köln und die verwandte Orts-CDU) und religiöse Vereinigungen (wie zum Beispiel die rk Kirche und diese islamische Vereinigung, deren genaue Bezeichung ich jetzt nicht parat habe) bezeichneten Gruppen.

  4. Damien 15. Februar 2009 um 21:13 #

    Damit, lieber Stefan, sind wir uns einig.

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