Reaktionäre Revolution

18 Feb

Das kann man im Internet nachlesen, dass Homosexualität heilbar ist. Die sollen zu einem Arzt gehen und sich Hormone dagegen geben lassen.

Wie blöd muss man eigentlich sein, um in der römisch-katholischen Kirche ein Amt zu bekleiden? Im Internet kann man so gut wie alles lesen. Da steht, dass Gott ein Arschloch ist, wie geil es ist, Kinder zu ficken, dass Nazis cool sind und der Kapitalismus Scheiße, … Das Gegenteil von alledem findet sich zum Glück auch. Nur was richtig ist, ist damit noch lange nicht gesagt. Selber Denken bleibt gefragt. Das scheint auch die Ansicht der katholischen Tagespost zu sein, die angesichts der Affäre um den gescheiterten Linzer Weihbischof Wagner anmerkt,

ob Homosexualität heilbar ist oder nicht, darüber darf man unterschiedlicher Auffassung sein und leidenschaftlich, möglichst auch argumentativ, streiten.

Wobei das im Grunde genommen ein wenig albern ist. Wer diskutiert schließlich noch darüber, ob die Erde eine Scheibe ist, Schwarze dümmer sind oder Frauen weniger intelligent als Männer. Doch eben darum geht es der Tagespost und den reaktionären Kräften in der römisch-katholischen Kirche, wie übrigens auch dem Mainstream der Evangelikalen, gerade nicht. Sie wollen gar nicht diskutieren. Sie wollen die Grundlagen unserer Zivilisation angreifen, die Menschenrechte, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Geltung der Wissenschaft. Dafür gerieren sie sich als Tabubrecher, als produktive Störenfriede und delirieren:

Der gesellschaftliche Konsens darf nicht gestört werden.

So ändern sich die Zeiten. Was früher Tradition war und von den Emanzipationsbewegungen der Schwarzen, Frauen und Schwulen angegriffen und schließlich verändert wurde, ist heute die Minderheit und arbeitet sich von außen am Mainstream von Gleichberechtigung und Menschenwürde ab. So jedenfalls die Selbstwahrnehmung der klerikalen Revolutionäre. Dazu passt auch die Inszenierung der eigenen rückwärtsgewandten Gedanken als vorurteilsfrei und umgekehrt der Vorwurf an den modernen Menschen, seine gesellschaftlichen Grundlagen, also bspw. die Akzeptanz der Homosexualität als etwas der Heterosexualität gleichwertiges, sei vorurteilsmotiviert:

Kirchliche und pseudo-kirchliche Vereine, kommentierungsfreudige Theologieprofessoren, oberösterreichische Dechanten und kirchliche Angestellte lieferten die Wortspenden, die – von den Medien dankbar aufgegriffen – jenes Vorurteil schufen, das dem modernen Menschen fundierte Urteile ersetzt.

Dabei scheint der Rückzug von Wagner, glaubt man dem Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner, schlicht Resultat innerkirchlicher Vernunft:

Einige Bischöfe, insbesondere der Wiener Erzbischof Kardinal Schönborn und der Grazer Bischof Egon Kapellari, haben wohl eine ernsthafte Analyse der jetzigen Situation gemacht. Sie haben sich dabei sicher an die schlimmen Vorgänge nach der Ernennung von Kurt Krenn zum Wiener Weihbischof 1987 erinnert – und welche Megakrise der Kirche daraus geworden ist. Aus diesem Grund sind Schönborn und Kapellari beim Papst vorstellig geworden und haben gesagt: „Wir wurden nicht gefragt, Wagners Bestellung ist gegen alle Spielregeln der Bischofsernennungen der letzten Zeit gelaufen – also gegen das Kirchenrecht.“ Damit hat man offensichtlich den Papst gewonnen, Pfarrer Wagner zu ersuchen, von seiner Bereitschaft Abstand zu nehmen. Es war sicher nicht Wagners persönliche Einsicht. Schon gar nicht der Wunsch jener, die ihn auf den Schild heben wollten. Diese rufen „Skandal!“, und das trotz ihrer Papsttreue!

Doch „Die Christen“, eine Art österreichische Partei Bibeltreuer Christen, wissen mehr. Bisher nämlich hat Ratzinger den Amtsverzicht Wagner noch gar nicht angenommen. Weshalb „Die Christen“ alle aufrechten Glaubensgeschwister aufrufen, den Vatikan mit Emails zu überhäufen. Gefunden habe ich das bei Georg Pichler, der das Ganze wie folgt kommentiert:

Dies soll keine Relativierung sein, aber es gilt neben der nötigen Diskussion um demokratiefeindliche Islamlehrer, Islam und Islamismus allgemein und dem Laizismus in Österreich auch ein Auge auf die durchaus einflussreiche katholische Kirche zu haben. Auch dort ist trotz der absehbaren Erfolglosigkeit der Emailaktion nicht ein jeder Freund von Demokratie und Menschenrechten.

Selbst wenn sich die Herren Wagner & Co nun als die wahren Hüter von Demokratie und Menschenrechten zu inszenieren versuchen: Meinen sie damit etwas anderes als ihre moslemischen Brüder, die die Menschenrechte kreativ neu definiert haben, auf der Grundlage der Scharia nämlich?

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