Gender Studies im Vatikan

23 Feb

Männer und Frauen sind ja so unterschiedlich. Oder?

Die amerikanische Psychologieprofessorin Janet Hyde etwa (Universität von Wisconsin in Madison) hat in einer groß angelegten Meta-Studie 46 Untersuchungen zu Unterschieden zwischen den Geschlechtern aus den vergangenen 20 Jahren neu ausgewertet. Professor Hyde beschäftigte sich mit insgesamt 120 Geschlechterklischees. Eine wissenschaftliche Bestätigung für populäre Annahmen über Geschlechtsunterschiede konnte sie dabei nur selten finden. In vielen Bereichen fanden sich überhaupt keine signifikanten Unterschiede.

Aber Männer sprechen doch pro Tag viel weniger als Frauen. Oder?

Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis wie Professor Hyde kamen auch Studien, die sich damit beschäftigten, wie viel Männer und Frauen tagtäglich reden. So untersuchten Matthias Mehl und seine Mitarbeiter an der Universität von Arizona das Sprachverhalten von 400 Personen mithilfe von Tonbandgeräten. Sie kamen auf rund 16 200 gesprochene Wörter am Tag bei Frauen. Männer lagen mit 15 700 Wörtern gerade einmal drei Prozent unter diesem Wert.

Eine zweite Studie, für die Forscher der University of California Untersuchungen aus beinahe 40 Jahren einer Metaanalyse unterzogen, kam sogar zu einem leichten Vorsprung der Männer am gesprochenen Wort gegenüber Frauen. Das alles hält Männer wie Frauen aber nicht davon ab, gleichermaßen an die größere Vorliebe von Frauen für das Reden zu glauben, wie eine Befragung des britischen Gallup-Instituts für Meinungsforschung gerade jüngst wieder ergab.

Biologische Unterschiede wird man damit jedoch nicht wegerklären können. Oder?

Fraglich bleibt bei allen Untersuchungen über Geschlechtsunterschiede im Verhalten, ob die Ursachen hierfür biologisch sind oder gesellschaftlicher Art. Allzu schnell reklamieren Biologen Unterschiede im menschlichen Verhalten als genetisch bedingt. So gingen viele Forscher in den vergangenen Jahrzehnten davon aus, dass die größere Neigung von Männern zur Untreue biologische Gründe hat. Männer seien untreu, weil die Natur das so vorgesehen habe, hieß es. Der Mann müsse seinen Samen weiträumig verteilen, um möglichst viele Nachkommen zu haben.

Interessanterweise hat sich die gesellschaftliche Realität nicht an diese Theorie gehalten. Frauen haben in Bezug auf die Untreue in den letzten Jahrzehnten stark aufgeholt. In dem Maße, in dem sie die Gelegenheit dazu hatten, wurden sie auch untreu. Und da Frauen heute mehr Gelegenheiten zum Fremdgehen haben als früher, ist auch die Zahl der untreuen Frauen stark gestiegen. Die Zahlen liegen zurzeit bei rund 40 Prozent – und zwar für beide Geschlechter gleichermaßen.

Wenn sich jetzt auch der Vatikan der Realität stellt, müssen die aktuellen Erkenntnisse aus Rom demnächst vielleicht noch einmal überarbeitet werden:

Wer 95 Jahre auf dieser Erde lustwandelt, der sollte wissen, wie man lebt, liebt und vor allem sündigt. Vielleicht hat der Vatikan ausgerechnet deshalb den 95 Jahre alten Jesuiten Roberto Busa – eine Instanz des Sündenbegriffs – mit einer Studie beauftragt, die von den häufigsten Vergehen der beiden Geschlechter handeln sollte. Und siehe da, Männer und Frauen sind nicht nur unterschiedlich stark, sondern auch unterschiedlich schwach. Während Damen vor allem Gefahr laufen, ihr Seelenheil durch Hochmut oder Stolz zu verwirken, beherrscht die Herren die unstillbare Wollust.

Möglicherweise aber sind Katholiken einfach so speziell, dass unter ihnen die Geschlechter tatsächlich stärker differieren als in der verderbten Gesellschaft der Welt.

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