Gib uns Tiernamen, Detlev!

27 Feb

Wenn Linke ihren Schwulenhass politisch korrekt formulieren, benutzen sie als Alibi gerne ihren Hass auf alles Bürgerliche. Was böte sich da besser an als der aktuelle Streit um die Kölner CSD-Charta? An der Hatz auf die schwulen Spießer beteiligt sich jetzt auch die Neue Rheinische Zeitung. Unter dem vielsagenden Titel „Schwule Anstandswauwaus“ – wenn man Schwule schon nicht mehr als die Säue bezeichnen kann, für die man sie hält, dann wenigstens als Hunde – dekliniert ein Hans Detlev v. Kirchbach dort durch, wofür Schwule in den Augen von Linken seiner Provenienz auf der Welt sind. Dabei gerät ihm jedoch einiges durcheinander und so erklärt er das hier zum Anliegen des KLuST:

Nun sollen ordnungsliebende Lesben und Schwule selbst die Polizei anfordern, um andere Lesben und Schwule in Handschellen abführen zu lassen, die sich irgendwie nicht sauber, wohlanständig, staatsfromm und möglichst noch kirchenkompatibel aufführen.

Dabei ist das mit den Handschellen ausschließlich von Kirchbachs eigener Fetisch-Fantasie entsprungen. An keiner Stelle hat der KLuST derartiges verkündet. Auch das sauber, wohlanständig, staatsfromm und möglichst noch kirchenkompatibel ist ausschließlich auf von Kirchbachs Mist gewachsen. Wobei ich persönlich weder etwas gegen Sauberkeit noch etwas gegen Anstand habe. Auch der Staat ist mir nicht prinzipiell suspekt, ja nicht einmal die Kirche. Aber damit reihe ich mich dann wohl ein in die Phalanx von deutschen Priestern und Soldaten:

So staatstragend wie etwa Volker Becks „Schwulenverband in Deutschland“ oder eben KluST sind vielleicht gerade noch die Deutsche Bischofskonferenz oder der Bundeswehrverband.

Was nun hat sich der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, wie Volker Becks Verband korrekt heißt, in den Augen von Herrn von Kirchbach zu Schulden kommen lassen?

Konservativ-integrative Forderungen wie standesamtliche Trauung mit “Hochzeitsglocken“ und kirchlichem Ehesegen, ungehinderte Karriere in der Bundeswehr, und auch die Entpolitisierung namentlich des CSD …

belegen in Wahrheit nur eines, den Monopolanspruch des Herrn von Kirchbach und seiner Genossen auf die Definition dessen, was politisch ist und was nicht. Nach einer rhetorischen Frage, der nämlich,

Ob das allerdings in Köln nicht nur auf die Funktionäre, sondern auch auf die „Community“ zutrifft,

folgt die Antwort auf dem Fuß:

Die meisten Schwulen wollen nicht auffallen, nicht provozieren, nicht erkennbar „anders“, sondern „normal“ sein.

Dabei geht das nun wirklich nicht, man hat schließlich einen Fünfjahresplan zu erfüllen. Feigheit vor dem Feind gehört nicht dazu:

Wenn aber in Rom ein schwules Pärchen mit Steinen beworfen wird, in Berlin gar innerhalb eines Jahres eine Welle von Gewalttaten gegen Schwule und Lesben stattfindet, dann warnen im Internet sogleich verängstigte Stimmen davor, sich überhaupt als schwul erkennen zu lassen.

Dabei steht für von Kirchbach fest, wie Schwule sich in der Öffentlichkeit kenntlich zu machen haben, auch wenn das dem KLuST und anderen Spießern angeblich nicht gefällt:

Dem einen paßt vielleicht ein knapper Fummel nicht, dem anderen sticht ein blanker Po ins Auge, dem nächsten, wer weiß, geht eine „unanständige“ politische Parole wider den Strich.

Schwule sind also entweder Tunten oder haben einen nackten Arsch, lassen in jedem Fall jeden Anstand vermissen. Da darf ein Blick in die Geschichte nicht fehlen, schließlich ist die Kölner CSD-Charta nicht der erste Versuch, die Teilnehmer eines CSD einem strengen Regiment zu unterwerfen. Meint jedenfalls von Kirchbach:

Vergleichbares geschah 1997 in Berlin. Die vom reichshauptstädtischen CSD-Regime herbeigerufene Polizei des berüchtigten CDU-Innensenators Schönbohm prügelte eine störende linke Gruppe aus dem staatstragenden Umzug der Sauberschwulen – einschließlich ihres „provozierenden“ Maskottchens, einer drei Meter hohen Ratte.

Der CDU-Politiker Landowsky hatte zuvor im Berliner Abgeordentenhaus in einer Haushaltsdebatte erklärt:

Wo Müll ist, sind Ratten, und wo Verwahrlosung herrscht, ist Gesindel. Das muss in der Stadt beseitigt werden.

Besagte linke Gruppe hatte daraufhin nichts Besseres zu tun, als den Satz auf sich zu beziehen, und sich daher mit einem sogenannten Rattenwagen in den Berliner CSD zu begeben, von dem aus dann andere Teilnehmer der Parade mit Schlamm beworfen wurden. Womit sie sich als linke Ratten offenbar direkt ins Herz von Herrn von Kirchbach gebeamt hatten, der eine Vorliebe dafür zu haben scheint, Schwule mit Tiernamen zu belegen.

Das größte Missverständnis – die „Säuberung“ des Kölner CSD verdanke sich einer antilinken Motivation – wäre von Kirchbach übrigens erspart geblieben, hätte er nur rechtzeitig Gay West gelesen.

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