Sexuelle Denunziation unter Demokraten

4 Mrz

Auch wenn es manche nicht mehr hören können, Ed Koch hat einfach Recht:

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Ed Koch erklärte, es sei nicht hinnehmbar, wenn Journalisten Politiker nach ihrer Sexualität befragten – er selbst wehrte sich seit Jahrzehnten gegen derlei Gerüchte.

Wobei die Bezeichnung, er habe sich dagegen gewehrt, auf den ersten Blick irreführend klingt. Tatsächlich hat Koch  sich nämlich schlicht geweigert, derartige Fragen nach dem Intimleben zu beantworten.

„Ich will nicht dazu beitragen, dass jeder Kandidat gefragt werden kann: ‚Bist du hetero, schwul oder lesbisch?’“, erklärte der 84-jährige ewige Junggeselle im Interview mit der „New York Times“. „Das darf keine legitime Frage werden, also beantworte ich sie auch nicht. Mir ist es egal, ob Leute mich für schwul halten, ich beantworte die Frage nicht.“

Humor hat der Mann auch noch dabei:

Ich fühle mich aber geschmeichelt, dass die Öffentlichkeit bei meinem Alter von 84 Jahren immer noch an meinem Sexleben interessiert ist – es ist nämlich ziemlich begrenzt.

Vor rund 30 Jahren hatte Koch noch ein wenig anders auf entsprechende „Anschuldigungen“ reagiert:

Gerüchte um Kochs Sexualität machten im Bürgermeisterwahlkampf 1977 die Runde. Damals tauchten in ganz New York City Plakate und Aufkleber mit der Aufschrift „Wählt Cuomo, nicht den Homo“ auf. Mario Cuomo war der Gegenkandidat von Koch bei den demokratischen Vorwahlen. Koch wies zu diesem Zeitpunkt die Homo-Vorwurf zurück: „Nein, ich bin kein Homosexueller. Wenn ich ein Homosexueller wäre, hätte ich hoffentlich den Mut zu sagen, dass das so ist. Die Kampagne ist gemein, weil sich mich zwingt zu sagen, dass ich kein Homosexueller bin. Das heißt, Sie machen Homosexuelle runter“, erklärte Koch damals in Richtung Cuomo, der jede Verantwortung für die Kampagne von sich wies.

Die Kritik an der Kampagne ehrt Koch in jedem Fall, denn sie demaskiert sie als die Denunziation, die sie war. Immerhin liessen sich die Wähler von dem Schmierentheater nicht irritieren, sondern wählten den Kandidaten, der ihnen zusagte:

Koch gewann die Wahlen und war zwölf Jahre lang Bürgermeister der Metropole.

Und Koch ist mir aus einem weiteren Grund durchaus sympathisch. Er warb, obgleich Demokrat, für den Präsidentschaftskandiaten George W. Bush. Aus guten Gründen:

Was Innenpolitik angeht, bin ich in allen Punkten anderer Meinung als Bush. Seine Ansichten zu Abtreibung, gleichgeschlechtlicher Ehe und Stammzellenforschung halte ich für lächerlich! Aber beim wichtigsten Thema überhaupt, internationaler Terrorismus, war Bush besser als John Kerry. Wir befinden uns in einem Krieg der Zivilisationen. Ich unterstütze Bush darin, dass er Terroristen bei denen zu Hause bekämpfen will und nicht erst, wenn sie bei uns sind. Viele verstehen das nicht und wollen weiter das Dolce Vita leben.

Wenn der Mann schwul ist, ist er eindeutig einer der klügeren Vertreter unserer Spezies.

3 Antworten zu “Sexuelle Denunziation unter Demokraten”

  1. Steven 8. März 2009 um 20:34 #

    Wenn ein kluger Mensch für einen, vorsichtig formuliert, Vollidioten Wahlwerbung macht, ist er dann einer der Klügeren? Hm?

  2. Adrian 8. März 2009 um 20:49 #

    Wenn seine Priorität auf die Bekämpfung des Internationalen Terrorismus fokussiert ist, kann er auch einen „Vollidioten“ beraten, da er klug genug ist zu erkennen, dass der „Vollidiot“ bei Themen wie Abtreibung, gleichgeschlechtlicher Ehe und Stammzellenforschung, eh kaum Einfluss hat, da dies nicht Sache der Bundesexekutive ist.

  3. Steven 8. März 2009 um 21:40 #

    Das mit der Einflusslosigkeit bei gleichgeschlechtlichen Ehen kann ich nicht so ohne weiteres nachvollziehen, denn immerhin gibt es in den USA ein bundesstaatliches Gesetz, das der Bundesexekutive verbietet, in den Einzelstaaten geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen anzuerkennen.

    Aber egal, ich fange ich mal anders an:

    „Aber beim wichtigsten Thema überhaupt, internationaler Terrorismus, war Bush besser als John Kerry.“

    Was hat Bush denn in Zusammenhang mit dem internationalen Terrorismus erreicht? Was hat er zielführendes getan? Die Bush-Administration hat zu keinem Zeitpunkt ein belastbares Konzept zur Terrorismusbekämpfung vorgelegt und auch keine Erfolge vorweisen können. Ein Bischen in Afghanistan und im Irak herumzubombardieren ist jedenfalls keine Terrorismusbekämpfung. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass sich in Pakistan, Russland und sonstwo gewiss mehr Terroristen versteck halten, als in den beiden Ländern. Vielmehr haben die beiden Bushs durch ihre unsinnigen Kriegsspiele im Irak das dringend notwendige militärische Eingreifen im Iran politisch unmöglich gemacht. Oder, um es ganz drastisch zu formulieren: Bush’s trampelhaftem, nur an eigenen (=persönlichen) wirtschaftlichen Interessen orientiertem Verhalten ist es zu verdanken, dass die Damen und Herren Terroristen und ihre Unterstützer sich in einer Opferrolle gerieren können und so eine wirksame, zur Not militärische Terrorismusbekämpfung fast unmöglich geworden ist. Soviel Schaden wie Bush hätte Kerry niemals anrichten können.

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